Griff zum Rettungspaket aus Berlin?: WestLB - eine Bank und viele Krisen
zuletzt aktualisiert: 23.10.2008 - 11:27Düsseldorf (RPO). Mit riskanten Wertpapiergeschäften hat die WestLB in der Vergangenheit immer wieder Schiffbruch erlitten. Die Folge: Es steht nicht gut um die Düsseldorfer Bank. Milliarden-Verluste und Entlassungen machten dem Institut zu schaffen. Nun will die WestLB offenbar zum finanziellen Rettungsring aus Berlin greifen. Die Gelder des Bundes kämen zur rechten Zeit.
Der Griff zur staatlichen Hilfe sei "alternativlos", um der nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers entstandenen Finanzkrise entgegenzuwirken. "Das notwendige Maßnahmenpaket kann seine Wirkung nur entfalten, wenn es auch in Anspruch genommen wird", erklärte die Bank.
Die Initiative der Bundesregierung biete die Möglichkeit zur Stärkung der WestLB, hieß es in der Erklärung weiter. In den kommenden Wochen werde der Vorstand der Bank in Abstimmung mit den Eigentümern, dem Bund, vertreten durch die Finanzmarktstabilisierungsanstalt (FMSA), und der EU-Kommission "denkbare Maßnahmen" erarbeiten.
Die WestLB kann sich nach eigenen Angaben diese ausführliche Prüfung leisten, weil sie dank eines im Frühjahr von den Eigentümern - vor allem dem Land Nordrhein-Westfalen und den Sparkassen des Landes - beschlossenen Risikoschirms "operativ stabil" dastehe.
Die angeschlagene Bank hofft nun darauf, endlich wieder aus den Negativ-Schlagzeilen zu kommen. Denn zahlreiche Krisen nagten in den vergangenen Jahren am Image des Institus.
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Unter ihrem früheren Chef Jürgen Sengera versenkte die WestLB, im speziellen ihre Star-Bankerin Robin Saunders, im Jahr 2002 über 400 Millionen Euro beim britischen TV-Verleiher Boxclever. Sengera wurde wegen Untreue-Verdachts angeklagt, im Juni 2008 aber freigesprochen.
Unter dem späteren WestLB-Chef Thomas Fischer, Ex-Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, verzockte sich die Bank 2007 mit Spekulationen auf Volkswagen-Aktien. Im selben Jahr fuhr die WestLB einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro ein. Auch Fischer musste seinen Hut nehmen. 1300 Arbeitsplätze werden bis Ende 2009 abgebaut.
Zudem musste das Land Nordrhein-Westfalen der WestLB mehrfach unter die Arme greifen. Erst im Februar 2008 sagte die Regierung Rüttgers dem Institut eine weitere Risikoabschirmung von drei Milliarden Euro zu. Der gesamte Risikoschirm von insgesamt fünf Milliarden Euro war nötig geworden, als die Landesbank wegen Fehlspekulationen und der US-Immobilienkrise ins Straucheln geriet.
Dennoch verbesserte sich die Lage bei der angeschlagenen Bank nur bedingt. Zu allem Überfluss bekam die WestLB auch noch Probleme mit der Finanz-Aufsichtsbehörde Bafin. Deren Präsident Jochen Sanio bezeichnete das Geschäftsmodell der WestLB noch im September 2008 als "nicht überlebensfähig".
NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Finanzminister Helmut Linssen und WestLB-Aufsichtsratschef Michael Breuer wurden sogar von der Bafin zu einem Krisentreffen nach Bonn bestellt. Dabei machte Bafin-Präsident Sanio den Vertretern der WestLB-Eigentümer unmissverständlich klar, dass wegen der schwachen Kapitalausstattung der WestLB die Zeit für eine Zukunftslösung dränge. Die Neuordnung der Landesbanken-Landschaft in Deutschland dulde keinen Aufschub.
Mit den Geldern aus Berlin könnte die WestLB nun eine Atempause erhalten. Zeit, um Fehler zu analysieren, sich neu zu ordnen und einen Weg aus der Krise finden.
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