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Finanzkrise: WestLB rechnet mit weiteren Belastungen

zuletzt aktualisiert: 27.11.2008 - 16:36

Düsseldorf (RPO). Die milliardenschweren Finanzhilfen haben die WestLB bis September wieder in die Gewinnzone zurück gebracht. Wegen der anhaltenden Finanzmarktkrise rechnet die stark angeschlagene Landesbank aber trotzdem auch in den kommenden Monaten mit weiteren Belastungen. Der Blick auf das Gesamtjahr 2008 bleibe vorsichtig, sagte Finanzvorstand Hans-Jürgen Niehaus am Donnerstag bei der Vorstellung der Neun-Monats-Zahlen.

Das noch zum Halbjahr erwähnte Ziel eines deutlich positiven Ergebnisses nach Steuern bekräftigte die Düsseldorfer Bank nicht mehr. In den ersten neun Monaten belief sich das Ergebnis nach Steuern auf 532 Millionen Euro - nach einem Minus von 145 Millionen Euro im Vorjahr. "Durch den frühzeitig aufgespannten Rettungsschirm stehen wir heute deutlich besser da als viele unserer Mitbewerber", sagte Vorstandschef Heinz Hilgert. Die Eigner, das Land Nordrhein-Westfalen sowie mehrere Sparkassen- und Landschaftsverbände, hatten im Februar eine Fünf-Milliarden-Bürgschaft für die durch die Finanzkrise in Taumeln geratene Landesbank übernommen.

Mit dem Verkauf von besonders durch die Finanzkrise betroffenen Wertpapieren an eine Zweckgesellschaft war ein Übertragungsgewinn von 962 Millionen Euro erzielt worden. Zugleich konnten infolge geänderter EU-Bilanzregeln Bewertungsverluste von 150 Millionen Euro vermieden werden.

Wenig Anlass zur Freude

Allerdings gibt die momentane Lage wenig Anlass für Freudensprünge: Das Institut sieht sich in einem "anhaltend krisenhaften Marktumfeld". Die Nachfrage nach komplexen, innovativen Finanzprodukten sei stark rückläufig, betonte Finanzvorstand Niehaus. Das setze die allgemeine Ertragsentwicklung unter Druck. Noch in Verhandlungen steckt die WestLB auch über die Inanspruchnahme des Rettungspakets der Bundesregierung.

Erste Wirkung zeigt laut WestLB jedoch die eingeleitete Restrukturierung und Neuausrichtung des Geschäfts unter anderem auf die Kerngeschäftsfelder Kapitalmarkt, Verbund- und Mittelstandsgeschäft sowie Immobilienfinanzierung. Das Kundengeschäft sei trotz der sich abschwächenden Konjunktur gezielt ausgebaut worden. Im Mittelstand gewann die Bank demnach über 230 neue Kunden hinzu, 60 mehr als im Vergleichzeitraum des Vorjahres. Darüberhinaus konnten die Bank deutliche Kosteinsparungen verbuchen: Personal- und Sachkosten wurden um 127 Millionen Euro gesenkt.

Bank arbeitet fieberhaft an Umbau

Derzeit arbeiten Vorstand und Eigentümer fieberhaft an einem Umbau des angeschlagenen Geldinstituts, in Zuge dessen bis Ende 2009 auch 1.350 Stellen wegfallen sollen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessensausgleich und einen Sozialplan seien abgeschlossen, teilte die Bank mit. Von den 1.350 Arbeitsplätzen sollen bis Ende des Jahres bereits 400 möglichst sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen abgebaut sein.

Auch für einen neuen Mehrheitseigentümer muss die WestLB in den nächsten Wochen die Weichen stellen. Bis zum 31. Dezember soll eine Absichtserklärung unterzeichnet, bis September 2009 der Eigentümerwechsel vollzogen sein.

NordLB erhält milliardenschweres Hilfsprogramm

Unterdessen wurde bekannt, dass die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zur Sicherung ihrer Landesbank NordLB ein milliardenschweres Hilfsprogramm auflegen wollen. Um die Unternehmen beider Länder weiter mit Krediten versorgen zu können, werde die NordLB Anleihen im Wert von bis zu zehn Milliarden Euro ausgeben, teilte die niedersächsische Staatskanzlei am Donnerstag in Hannover mit. Die beiden Länder garantieren demnach für die Wertpapiere. Das Hilfsprogramm werde für die Dauer der Finanzkrise aufgelegt und laufe spätestens 2010 aus. Die Bundesregierung sei bereits über die Pläne informiert. Ein Informationsschreiben an die EU-Kommission "ist auf dem Weg".

Die NordLB sei zwar trotz der Finanzkrise nach wie vor in der Lage, ihre Geschäfte ohne Hilfe von außen zu finanzieren, teilte die Staatskanzlei mit. Jedoch befürchte sie Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Banken, die bereits auf den 500 Milliarden Euro schweren Rettungsfonds der Bundesregierung zugegriffen haben. Das gleich gelte für den Wettbewerb mit ausländischen Banken, die von ihren Staaten gestützt würden. Institute, die bereits auf staatliche Hilfe zugriffen, kämen günstiger an Kredite zur Finanzierung ihrer laufenden Geschäfte als Banken, die auf staatliche Hilfe verzichten.

Für die ersten neun Monate des Jahres rechne die NordLB trotz Finanzkrise mit einem Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe, teilte die Staatskanzlei mit. Insgesamt sei die Bank "weiterhin gut aufgestellt". Das Hilfsprogramm zeige jedoch, dass die "Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise nicht spurlos" an der NordLB vorbei gingen.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.

Quelle: ap

 
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