Finanzkrise: WestLB will offenbar Geld aus Rettungspaket
zuletzt aktualisiert: 22.10.2008 - 19:32Frankfurt/Main (RPO). Ob die angeschlagene Düsseldorfer WestLB der BayernLB folgen und das Rettungspaket der Regierung in Anspruch nehmen wird, steht noch aus. Offenbar will die WestLB die Landesgarantien zurückgeben und die neue Bundeshilfe beantragen. Konkreter sieht es bei der HSH Nordbank aus. Sie soll Interesse an dem Rettungspaket haben.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" will erfahren haben, dass die WestLB kurz vor einem Rückgriff auf die Bundeshilfe steht. Ein Sprecher der Bank sagte am Mittwochabend nach einer Sitzung der Anteilseigner in Münster nur, der Vorstand prüfe dies noch und werde sich in den nächsten Wochen mit den Eigentümern abstimmen.
Die Bank könne sich diese Sorgfalt leisten, da sie wegen des bereits im Frühjahr beschlossenen Rettungsschirms des Landes Nordrhein-Westfalen "operativ stabil" da stehe. Ähnlich hatte sich NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) zuvor im Düsseldorfer Landtag geäußert. Andere Banken hätten größere Probleme, so der Minister.
Die WestLB war durch Fehlspekulationen und die Auswirkungen der internationalen Finanzmarktkrise tief in die roten Zahlen gerutscht. Eigentümer des Düsseldorfer Instituts sind mehrheitlich die beiden Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit je 25,2 Prozent. Das Land NRW hält etwa 38 Prozent - davon 17,5 Prozent direkt und 20,2 Prozent indirekt über die NRW.Bank.
HSH Nordbank soll Interesse an Rettungspaket haben
Schon Ende der Woche soll die HSH Nordbank ihre Entscheidung zur Inanspruchnahme des Rettungspaketes mitteilen, hieß es im "NDR Schleswig-Holstein Magazin". Ein Banksprecher erklärte hingegen, man prüfe die Teilnahme am Rettungspaket, allerdings werde es bis zum Wochenende keine Entscheidung geben.
Laut dem Bericht gilt als wahrscheinlich, dass die HSH auf die angebotenen Bürgschaften zurückgreifen wird. Damit könnte der sogenannte Interbankenhandel angekurbelt werden. Die HSH Nordbank, die zu knapp einem Drittel dem Land Schleswig-Holstein gehört, hatte mehrfach beklagt, dass sich die Banken untereinander kein Geld mehr leihen, wie der NDR berichtete.
Um die Bank zu stützen, habe das Land seine Anteile bereits erhöht. Auf fest eingeplante Dividenden aus der Bankbeteiligung müsse die Landesregierung vorerst verzichten.
Als erstes Institut hat die angeschlagene BayernLB das Rettungspaket der Bundesregierung in Anspruch genommen und steht damit vor einschneidenden Veränderungen. Der Bund kann Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen, wenn er der Bank wie gewünscht 5,4 Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet den Verlust mehrerer Hundert Arbeitsplätze.
Wie viele der 19.000 BayernLB-Mitarbeiter um ihre Stellen fürchten müssen, ist derzeit offen. Die Umstrukturierungen sollen in drei Jahren 400 Millionen Euro einsparen. Bankchef Michael Kemmer hatte bereits Änderungen in der Ausrichtung der Bank in Aussicht gestellt. Das Mittelstandsgeschäft vor allem in Bayern soll gestärkt werden, ebenso das Internetbanking und das Osteuropageschäft. Andere Bereiche dürften auf dem Prüfstand stehen.
Verdi will Rettungspaket für Beschäftigte
Verdi forderte, das Rettungspaket auch auf die Beschäftigten auszudehnen. "Bei staatlicher Unterstützung müssen Kündigungen und eine Mitfinanzierung des Schadens durch Beschäftigte ausgeschlossen werden", sagte Landesbezirksleiter Josef Falbisoner. Politik und Management hätten ein beispielloses Debakel angerichtet. Es sei nun zu erwarten, dass die Folgen auf andere abgewälzt würden. "Wir vermuten, dass sowohl die Landesbank als auch die Sparkassen ihre Angestellten bluten lassen werden", sagte Klaus Grünewald, Verdi-Fachbereichsleiter Finanzdienstleistungen in Bayern. Es könnten mehrere Hundert Jobs verloren gehen.
Neben den milliardenschweren Geldspritze des Bundes wollen der Freistaat und die bayerischen Sparkassen als bisherige Eigentümer zusätzlich eine Milliarde Euro Kapital zur Sanierung der Bank beisteuern. Der Gesamtbedarf beläuft sich damit auf 6,4 Milliarden Euro. Wegen der Finanzmarktkrise hat die BayernLB im dritten Quartal eine Milliarde Euro Verlust gemacht. Bis zum Jahresende rechnet Vorstandschef Kemmer mit einem Minus von drei Milliarden Euro. Allein die Bankenpleiten in Island hätten eine Belastung von annähernd 1,5 Milliarden Euro beigetragen.
Wenn die BayernLB Rekapitalisierungshilfe vom Bund erhält, kann die Finanzmarktstabilisierungsanstalt darauf hinwirken, dass bestimmte Geschäfte mit bestimmten Produkten oder in bestimmten Märkten eingestellt werden. Die Bezüge des Vorstands müssen auf 500.000 Euro pro Jahr gesenkt werden.
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