Wirtschaftskrise: Wettlauf um Auto-Subventionen
zuletzt aktualisiert: 11.12.2008 - 22:52Düsseldorf (RP). Die Amerikaner wollen 14 Milliarden Dollar in ihre Autoindustrie pumpen, um GM und Chrysler zu retten. Schweden „spendiert” Volvo und Saab 2,6 Milliarden Euro. Jetzt wollen auch die deutschen Autobauer Geld vom Staat.
Für Ökonomen und Ordnungspolitiker ist das der GAU: Mit 14 Milliarden Dollar aus der Steuerkasse will das US-Repräsentantenhaus die Autobauer Chrysler und General Motors (GM) vor dem sicheren Ruin retten. Damit sind die Spielregeln des wirtschaftlichen Wettbewerbs, der stets schlechte Unternehmen aussortiert und deren Marktanteile unter den besseren aufgeteilt hat, seit gestern imweltweiten Autobau außer Kraft.
Die Kettenreaktion hat bereits eingesetzt: Weil sie „ihre” Autobauer jetzt nicht mehr ohne zusätzlichen Turbolader ins Rennen um die Weltkundschaft schicken wollen, zogen als Erste die Schweden nach. Deren Regierung billigte gestern eine knapp drei Milliarden Euro schwere Nothilfe für „ihre” Firmen Volvo und Saab. Dritte Zündstufe: Auch die deutschen Autobauer wollen Steuergeld.
Ihr Verbandschef Matthias Wissmann forderte gestern erst mal zinsgünstige Kredite in Höhe von 20 bis 40 Milliarden Euro von der EU. Außerdem will Wissmann, dass auch Daimler und BMW von den US-Staatshilfen profitieren: „Wichtig ist für uns, dass alle, die in Amerika produzieren, also nicht nur amerikanische Unternehmen, im Rahmen des Programms gleich behandelt werden”, sagte Wissmann.
Daimler und BMW haben Autofabriken in den Vereinigten Staaten, auch Volkswagen plant dort den Bau eines Werks. Continental atmet auf Obwohl der Senat dem Beschluss der US-Abgeordneten noch zustimmen muss, gilt das 14 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die US-Autobauer seit gestern als verabschiedet. Offensichtlich will die neue US-Regierung unter Präsident Barack Obama es sich nicht leisten, ihre Arbeit am 20. Januar mit einem Todesurteil für eine halbe Million US-Auto-Jobs zu beginnen.
Der damit angezettelte Subventions-Wettlauf, der stark an die fatale Subventions- und Protektionsspirale der Stahlwirtschaft in den 1990er Jahren erinnert, rief gestern bundesweite Kritik auch unter deutschen Automanagern hervor. Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg, ist wieder einmal anderer Meinung: „Die deutschen Autobauer sollten froh sein, dass Amerika einen plötzlichen Kollaps sei ner Autoindustrie verhindert.”
Ohne die Milliardenhilfe wären laut Dudenhöffer GM und Chrysler noch vor Weihnachten Konkurs. Folge: „Auch deren deutsche Zulieferer wie Continental/Schaeffler, Delphi und Bosch hätten ihr Geld nicht mehr bekommen.” Vor allem Continental/Schaeffler „hätte eine Pleite von GM und Chrysler nicht überlebt”, ist Dudenhöffer sich sicher. Das wiederum hätte ein Erdbeben im gesamten deutschen Autobau ausgelöst. „Ohne die Teile von Conti, Delphi oder Bosch wird in Deutschland ja kein Auto mehr gebaut”, so Dudenhöffer.
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