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+++ Finanzkrisen-Ticker +++: Wirtschaft wird 2009 stagnieren, EU plant Krisengipfel

zuletzt aktualisiert: 10.10.2008 - 21:54

Düsseldorf (RPO). Die Börsen wanken weltweit, die Kurse stürzen in den Keller. Der internationale Finanzmarkt will sich nicht beruhigen. Wir halten Sie in unserem Ticker über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

+++ 21.53 Uhr: Zu früh gefreut: Die Wall Street dreht wieder ins Minus - aktuell 0,5 Prozent.

+++ 21.34 Uhr: Es sieht fast so aus, als ob der Dow Jones Index zum Wochenende doch noch ins Plus drehen würde: Aktuell liegt er mit 8710 Punkten 1,5 Prozent über Vortagesniveau.

+++ 21.17 Uhr: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute und die Bundesregierung werden ihre Wachstumsprognosen für 2009 einem Bericht zufolge drastisch senken. Laut Medieninformationen haben die Finanzmarktkrise und die schlechte Wirtschaftslage in den USA die Erwartungen deutlich verschlechtert. Demnach gehen die Ökonomen und die Regierung davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr stagnieren wird.

+++ 21.10 Uhr:  Der Euro hat seine Tagesverluste ausgeweitet und damit weiterhin unter den Turbulenzen der Finanzkrise gelitten. Zuletzt notierte die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,3311 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag noch auf 1,3579 (Donnerstag: 1,3682) Dollar festgesetzt.

+++ 21.07 Uhr: Der Ölpreis ist vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise mit etwa 78 Dollar pro Barrel auf den tiefsten Stand seit 13 Monaten gefallen. Im Handelsverlauf in New York kostete ein Barrel (159 Liter) Leichtöl mit Liefertermin im November zeitweise nur noch 77,28 Dollar. Das war der tiefste Stand seit dem 11. September 2007. Seit dem Rekordhoch von 147 Dollar im Juli ist der Ölpreis damit um rund 47 Prozent gefallen.

Der Preisverfall könnte sich noch fortsetzen: Die Internationale Energieagentur (IEA) senkte am Freitag die Verbrauchsprognose für dieses Jahr um 240.000 Barrel pro Tag. Im kommenden Jahr werde die Nachfrage gar um 440.000 Barrel täglich unter dem bislang vorhergesagten Niveau liegen.

+++ 20.43 Uhr: Der Dow Jones Index kann sich nicht aus den tiefroten Zahlen befreien: Aktuell verliert die Wall Street 5,5 Prozent und steht bei 8108 Punkten.Die wichtigsten osteuropäischen Börsen sind mit teilweise herben Verluste aus dem Handel gegangen. Der Prager Leitindex PX brach um 14,94 Prozent auf 889 Zähler ein und notierte damit fast auf einem Vierjahrestief. Die Warschauer Börse ging im Einklang mit den weltweiten Börsen mit deutlichen Verlusten aus dem Handel. Der WIG-20 fiel um 8,10 Prozent auf 1992 Zähler.

+++ 19.46 Uhr: Zur Lage der Banken und Finanzmärkte gibt es am Sonntagnachmittag in Paris einen Krisengipfel der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone. Die Regierung in Paris teilte am Freitagabend mit, an dem Treffen der 15 Staaten im Elysée-Palast nähmen die Präsidenten der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank teil.

+++ 19.04 Uhr:  Die Genossenschaftsbanken in Deutschland erleben wegen der internationalen Finanzkrise einen wahren Kundenansturm. Wie eine Umfrage der "Süddeutschen Zeitung" bei etwa einem Drittel der 318 Genossenschaftsbanken in Bayern ergab, dürften seit Ende September die Spareinlagen der Genossenschaftsbanken um mehrere Milliarden Euro gestiegen sein. Allein die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken verzeichneten demnach seit 1. Oktober einen Geldzufluss von 1,8 Milliarden Euro netto, also nach Abzug der Abflüsse.

+++ 18.54 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) schließt den Einstieg der Bundesregierung bei Banken nicht aus. Im Sender n-tv nannte er die Lage am Freitag "sehr ernst". Entscheidend sei die Stabilisierung der Märkte durch koordinierte Aktion: "Und wenn die Staaten einspringen, das gilt auch für Deutschland, dann müssen die Banken dafür bezahlen. Wir können nicht zuschauen, dass praktisch die Verluste auf alle überwälzt werden, während die Bankmanager in bisheriger Form kassieren. Es gehört da auch ein entsprechendes Verhalten der Bescheidenheit hinzu, sonst verlieren die Menschen bei uns im Land immer mehr das Verständnis für unser System."

+++ 18.26 Uhr: Die Finanzkrise treibt seltsame Blüten: Ein Brite hat das vom Staatsbankrott bedrohte Island beim Internet-Auktionshaus Ebay zur Versteigerung angeboten. Eröffnet wurde die Auktion am Dienstag, das Mindestgebot lag bei 99 Pence (1,25 Euro). Obwohl die weltbekannte Sängerin Björk laut Angebotstext nicht mit zum Verkauf stand, gingen bis Freitag Nachmittag schon 84 Gebote ein. Bis zu zehn Millionen Pfund (12,59 Millionen Euro) boten die Auktionsteilnehmer für den wirtschaftlich angeschlagenen Inselstaat. Das Land im Nordatlantik biete dem Käufer "eine bewohnbare Umwelt, isländische Pferde und eine etwas heikle finanzielle Situation", hieß es in der Produktbeschreibung. Eine 64-jährige Frau hat in Hagen einen höheren fünfstelligen Geldbetrag auf einem Parkplatz liegen lassen. Von dem Geld fehlt jede Spur. Wie ein Polizeisprecher am Freitag mitteilte, hatte sich die Frau ihr Guthaben bei ihrer bisherigen Bank auszahlen lassen, um es zu besseren Zinskonditionen bei einem anderen Kreditinstitut anzulegen. Dazu war das Geld von der Bank zu mehreren Bündeln zu jeweils zehntausend Euro gepackt worden. Diese Bündel wurden in einer Stofftasche verstaut, die die Frau auf dem Parkplatz neben ihr Auto stellte. Anschließend fuhr sie zu der anderen Bank, wo sie feststellen musste, dass sie ihr Geld auf dem Parkplatz vergessen hatte. Als die Frau dorthin zurückkehrte, war die Tasche mit dem Geld bereits verschwunden. Die Polizei ermittelt nun wegen Fundunterschlagung. Weshalb die Frau ihr Geld nicht einfach überwiesen hat, vermochte der Polizeisprecher nicht zu sagen. Auch ob der Bankwechsel der Frau im Zusammenhang mit der Finanzkrise steht, ist nicht bekannt. Den genauen Betrag des verschwundenen Geldes will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

+++ 18.19 Uhr: Der Chef-Ökonom der Schweizer Bank UBS, Klaus Wellershoff, hat sich für eine international abgestimmte staatliche Beteiligung an Banken ausgesprochen. "Im Zentrum der Politik sollte jetzt stehen, das Vertrauen in den Finanzsektor zu steigern", sagte Wellershoff dem Tagesspiegel. "Das braucht eine sehr sehr große, international koordinierte Maßnahme. Und es braucht wahrscheinlich auch eine staatliche Involvierung in der Geschäftsführung der Banken", sagte der Ökonom.

+++ 18.14 Uhr: Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain will die Regeln für Pflichtverkäufe von US-Pensionsfonds angesichts der weltweiten Finanzmarktkrise zeitweise aussetzen. Damit soll sichergestellt werde, dass Sparer ihre Alterssicherung nicht zu den derzeitig niedrigen Kursen verkaufen müssen. Bislang müssen Anleger bestimmte Pensionsfonds mit Erreichen des 70. Geburtstags verkaufen. Die entsprechende Regelung solle bis zu einer Beruhigung der Finanzmärkte außer Kraft gesetzt werden, forderte McCain am Freitag im US-Staat Wisconsin. US-Bürger haben große Teile ihrer Alterssicherung in Pensionskassen investiert, die teils eine hohe Aktienquote aufweisen.

+++18.00 Uhr: Der deutsche Aktienmarkt hat aufgrund der anhaltenden Finanzmarktkrise wieder einen starken Kurseinbruch verzeichnet und geht mit starkem Verlust aus dem Handel. Der Leitindex DAX verlor 7,0 Prozent auf 4544 Punkte, nachdem er zeitweise sogar fast elf Prozent verloren hatte und damit den tiefsten Wert seit rund dreieinhalb Jahren verzeichnete. Allein an den vergangenen fünf Handelstagen stürzte der Index um fast 25 Prozent ab. Der MDAX brach um 6,8 Prozent auf 5325 Zähler ein und der TecDAX fiel um 4,8 Prozent auf 517 Zähler zurück.

+++ 17.56 Uhr: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat Lösungen für den gesamten Bankensektor gefordert. Fall-zu-Fall-Lösungen für Banken reichten nicht aus, sagte Steinbrück vor einem Treffen der G-7. Jeder Staat müsse die für das System wichtigen Banken retten.

+++ 17.43 Uhr: Nach Hypo-Real-Estate-Vorstandschef Georg Funke hat auch Aufsichtsratschef Kurt Viermetz seinen Posten niedergelegt. Die schwer angeschlagene Immobilienbank teilte am Freitag in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit, Viermetz habe "sein Mandat als Mitglied des Aufsichtsrats zum Ablauf des heutigen Tages niedergelegt". Das Amt als Aufsichtsratsvorsitzender werde vorübergehend vom bisherigen Stellvertreter Klaus Pohle übernommen. Viermetz ist auch Aufsichtsratschef der Deutschen Börse AG.

+++ 17.08 Uhr: Die Moskauer Börse MICEX soll am Montag wieder für den Handel öffnen. Bereits zum dritten Mal in vier Tagen wurde der Handel an der brasilianischen Bovespa ausgesetzt: nach Öffnung verlor die wichtigste südamerikanische Börse gut 10 Prozent - erst nach 30 Minuten wurde der Handel wieder aufgenommen.

+++ 16.43 Uhr: Bundespräsident Horst Köhler hat sich für eine stärkere Kontrolle der Finanzmärkte ausgesprochen. "Hemmungsloser Gier" müsse durch eine Überprüfung des Anreiz- und Vergütungssystems im Bankenbereich ein Riegel vorgeschoben werden. Unterdessen hat der russische Präsident Dmitri Medwedew sich für einen Sondergipfeltreffen der acht führenden Industrienationen zur globalen Finanzkrise ausgesprochen. Dazu gebe es bereits Konsultationen unter den G-8-Mitgliedern, Ort und Zeit des Krisengipfels stünden aber noch nicht fest. Medwedew sprach sich auf einer Pressekonferenz am Freitag in Moskau dafür aus, Staaten wie China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika zu den Beratungen hinzuzuziehen.

+++ 16.33 Uhr: Wegen der schlechten Absatzsituation wird auch im größten Werk des Autokonzerns BMW im bayerischen Dingolfing eine ganze Woche die Produktion eingestellt. Nach einem Bericht des "Straubinger Tagblatts" (Samstagausgabe) sollen in Dingolfing in den Herbstferien vom 3. bis 7. November die Bänder stillstehen. Wie viele der insgesamt 20 000 Mitarbeiter von dem einwöchigen Produktionsstopp betroffen sind, stehe noch nicht fest, sagte Werkssprecher Egon Hageneder der Zeitung.

+++ 16.13 Uhr: Viele Deutschen wollen angesichts der Finanzkrise offensichtlich ihr Vermögen in einem Tresor schützen. Safe-Hersteller berichten jedenfalls von einer deutlich steigenden Nachfrage. "Etwa seit einer Woche merken wir einen deutlichen Anstieg", sagte der Geschäftsführer Vertrieb der Firma Burg-Wächter, Diethard Schmale, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Der Zuwachs dürfte nach seiner Einschätzung bei etwa 20 Prozent im Vergleich zum normalen Geschäft liegen. Er rechne auch damit, dass sich diese Entwicklung in den nächsten zwei bis drei Wochen noch erheblich verstärke. Gekauft werden Tresore laut Schmale derzeit vor allem von älteren Kunden.

+++ 15.57 Uhr: Der spanische Ministerpräsident José Rodriguez Zapatero hat eine Dringlichkeitssitzung der Regierungschefs der Eurogruppe gefordert. Auf dem Gipfel sollten substanzielle und abgestimmte Maßnahmen gegen die Finanzmarktkrise festgelegt werden, sagte Zapatero am Freitag nach einem Treffen mit dem französischen Staatschef und EU-Ratspräsidenten Nicolas Sarkozy in Paris.

+++ 15.44 Uhr: Das weltweit wichtigste Börsenbarometer Dow Jones ist zu Handelsbeginn in New York um weitere 400 Punkte abgestürzt. Die Angst vor den Folgen der Finanzmarktkrise für die Weltwirtschaft führt offensichtlich zu einem regelrechten Ausverkauf. Aktuell steht der Index bei 8401 Punkten und verliert damit erneut über 9 neun Prozent.

+++ 15.24 Uhr: Der US-Mischkonzern General Electric hat die Finanzkrise im dritten Quartal mit einem Gewinneinbruch von 22 Prozent deutlich zu spüren bekommen. Ursache für den Rückgang des Nettogewinns auf 4,3 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) waren nach Unternehmensangaben vom Freitag vor allem sinkende Profite im Finanzierungsgeschäft wegen der weltweiten Kreditklemme. Der Konzernumsatz verbesserte sich um 11 Prozent auf 47,23 Milliarden Dollar.

+++ 15.12 Uhr: Auch Liechtenstein leidet unter der Finanzmarktkrise. Der Netto-Neugeld-Zufluss der drei größten Bankengruppen fiel von 9,4 Milliarden Franken im ersten Halbjahr 2007 auf 0,6 Milliarden Franken im ersten Halbjahr 2008. Insgesamt reduzierten sich die betreuten Kundenvermögen im ersten Halbjahr 2008 um 8,1 Prozent gegenüber dem Stand von Ende 2007.

+++ 14.52 Uhr: Mit überwältigender Mehrheit hat das dänische Parlament am Freitag Garantien für Bankeinlagen von Verbrauchern und Unternehmen zugestimmt. Das Gesetz sieht vor, dass Finanzinstitute bis zu 35 Milliarden Kronen (4,7 Milliarden Euro) einem Fonds zur Verfügung stellen, mit dem die Einlagen abgesichert werden sollen. Die Regierung will Steuergelder zuschießen, falls das Geld nicht reicht. "Damit können dänische und internationale Finanzinstitute gefahrlos Geld an Institutionen in Dänemark verleihen", sagte Wirtschaftsminister Lene Espersen in Kopenhagen. Die Garantie umfasst auch Verbindlichkeiten dänischer Banken gegenüber anderen Finanzinstituten. Das Parlament nahm das Gesetz mit 117 Stimmen bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung an. 59 Abgeordnete waren nicht anwesend.

+++ 14.25 Uhr: Spanien will zur Stützung des heimischen Finanzmarktes den Banken des Landes besser besicherte Schulden für bis zu 50 Mrd. Euro abkaufen. Nach Medieninformationen teilte die Regierung in Madrid am Freitag mit, dass der Staat im vierten Quartal 2008 Kredite mit höherer Bonität für maximal 30 Mrd. Euro übernehmen werde.  Weitere 20 Mrd. Euro stünden dazu 2009 bereit. Es handele sich hier um eine begrenzte Aktion und seine keine Rettungsmission, vielmehr solle dadurch der Kreditmarkt wieder angekurbelt werden. Das Kabinett stimmte zudem der angekündigten Anhebung der staatlichen Einlagegarantie auf 100.000 Euro von bislang 20.000 Euro zu.

+++ 13.06 Uhr: Der wegen der Finanzmarktkrise verschobene Börsengang der Deutschen Bahn wird keine Auswirkungen auf den Bundeshaushalt haben. Die geplanten Einnahmen würden durch anderweitige Privatisierungen von Bundesvermögen realisiert, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Freitag in Berlin. Eine entsprechende Größe werde "vorgezogen". Details nannte der Sprecher nicht.

+++ 12.45 Uhr: Die deutschen Internet-Aktienhändler profitieren von der Finanzkrise. Beim führenden Online-Broker Comdirect schnellte die Zahl der Orders im September im Vergleich zum Vormonat um 42 Prozent auf rund 812.000 nach oben. Im August hatte die Commerzbank-Tochter nur rund 570.000 Aufträge zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren verzeichnet. Allerdings liegt die Zahl der Orders damit noch unter der aus dem Januar, als es im Zuge einer Verkaufswelle mehr als eine Million Aufträge eingingen. Zu den genauen Umsatzzahlen im September konnte die Direktbank keine Zahlen nennen. Die Online-Broker leben von den Gebühren bei Kauf- und Verkaufsaufträgen.

+++ 12.33 Uhr: Der Dax hat in der Zwischenzeit wieder etwas nachgegeben und verzeichnet nun ein Minus von über neun Prozent.

+++ 12.28 Uhr: "Eine Aussetzung des gesamten Handels aufgrund von starken Kursverlusten ist nicht vorgesehen", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse am Freitag. Solange es Kauf- und Verkaufspositionen gebe, laufe der Handel. Bei Einzeltiteln hingegen komme eine Handelsaussetzung durchaus vor, sagte der Sprecher. In Russland wurde der Handel schon mehrfach gestoppt, Indonesien folgte am Freitag, um "noch größere Panik zu verhindern" und auch in Wien wurde das Börsengeschehen gestoppt. Bei der Deutschen Börse ist eine Aussetzung des Handels nicht vorgesehen.

+++ 12.19 Uhr: Das deutsche Versicherungssystem ist nach Aufassung der zuständigen Aufsicht in seiner Stabilität nicht gefährdet. Kurzfristig sei auch die Insolvenz eines deutschen Versicherers ausgeschlossen, sagte ein Sprecher Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Freitag in Bonn. Die Behörde habe seit Ausbruch der Finanzmarktkrise mehrfach die Unternehmen abgefragt. Dabei sei festgestellt worden, "dass die finanziellen Auswirkungen auf deutsche Versicherer begrenzt sind", sagte er weiter.

+++ 12.02 Uhr: Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) von Oktober bis Dezember "langsam wieder Tritt" fassen. "Nach der rückläufigen Entwicklung um die Jahresmitte herum wird im laufenden vierten Quartal ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts - bereinigt um Saison- und Kalendereffekte - von 0,3 Prozent erwartet", teilte das DIW am Freitag in Berlin mit. Dies signalisiere für das Jahresende ein leichtes Anziehen der Wirtschaftsleistung.

+++ 11.50 Uhr: Deutschland ist nach Berechnungen der OECD vom globalen Wirtschaftsabschwung am stärksten betroffen: Der monatliche Konjunkturindex (CLI) fiel im August um zwei Punkte. Gegenüber dem Vorjahr brach er um 7,6 Punkte ein, wie die Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit am Freitag bekanntgab. Für die kommenden sechs Monate ist der OECD-Index für die Bundesrepublik nahezu in freiem Fall.

+++ 11.25 Uhr: Die Verluste durch die Finanzkrise in Europa können nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) umgerechnet über 460 Milliarden Euro erreichen. Von den geschätzten weltweiten Gesamtausfällen von 1,4 Billionen Dollar (gut eine Billion Euro) auf Kredite und verbriefte Wertpapiere würden "90 Prozent in den Vereinigten Staaten und Europa" anfallen, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn im französischen Fernsehsender France 2. Dies wären rechnerisch 1,26 Billionen Dollar. Dieser Betrag verteile sich jeweils "ungefähr zur Hälfte" auf die USA und Europa, erklärte er.

+++ 11.13 Uhr: Japan will die sieben führenden Industrienationen (G-7) zur Hilfe für kleinere Staaten in der Finanzkrise aufrufen. Finanzminister Shoichi Nakagawa werde beim Treffen mit seinen Kollegen am Freitag in Washington ein entsprechendes Notkredit-Programm des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von etwa 200 Milliarden Dollar (146 Milliarden Euro) vorschlagen, berichteten japanische Medien. Die Nachrichtenagentur Jiji zitierte Nakagawa mit den Worten, Japan sei zu einem "erheblichen Beitrag zur Unterstützung anderer Länder über den IWF" bereit.

+++ 10.36 Uhr: Nach einem Absturz des ATX Index um mehr als 10 Prozent hat die Wiener Börse bis Freitagmittag den Aktienhandel ausgesetzt, wie Börsen-Sprecherin Beatrix Exinger sagte. Auch in Wien waren die Aktienkurse in dieser Woche immer wieder drastisch gefallen. Die Handelsaussetzung sollte einem panischen Ausverkauf vorbeugen.

+++ 10.15 Uhr: Die Geschäftsbanken in den USA haben sich in der vergangenen Woche eine Rekordsumme von Notenbank Federal Reserve (Fed) geliehen: täglich durchschnittlich 75 Milliarden Dollar. Dies übertrifft den bisherigen Rekord-Tagesdurchschnitt von 44,5 Milliarden Dollar aus der vorhergehenden Woche, wie die Fed am Donnerstag mitteilte.

+++ 9.56 Uhr: Börsenbeben auch an der Londoner Börse: Der Leitdindex FTSE-100 ist am Freitag in den ersten Minuten nach Handelseröffnung um 10 Prozent gefallen. Zuvor war es an den Aktienmärkten in den USA und Asien zu einem regelrechten Ausverkauf gekommen.

+++ 9.48 Uhr: Der SPD-Politiker Jürgen Walter hat angesichts der Finanzkrise gefordert, die in den vergangenen Jahren abgeschaffte Risikoabschirmung für die deutschen Sparkassen wieder einzuführen. "Gestärkte Sparkassen bedeuten auch mehr Liquidität für kleinere und mittlere Unternehmen", sagte der stellvertretende hessische SPD-Vorsitzende in einem am Freitag verbreiteten Interview der Nachrichtenagentur AP. Bundesregierung und Landesregierungen müssten sich in Brüssel dafür einsetzen, dass Anstaltslast und Gewährträgerhaftung wieder zugelassen würden.

+++ 9.29 Uhr: Kurssturz auch an der Börse in Frankreich: 20 Minuten nach Handelsbeginn stand der Index der 40 wichtigsten Unternehmen (CAC 40) am Freitag mit 8,9 Prozent im Minus. Vom Abwärtsstrudel waren alle Firmen betroffen. Die Aktien des Stahlkonzerns Arcelor-Mittal verloren zwischenzeitlich mehr als 11 Prozent, der Stromkonzern GDF Suez büßte fast 14 Prozent ein, der Europäische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern EADS war mit 9 Prozent im Minus.

+++ 9.03 Uhr: Die Sparkassen in Deutschland wollen nach Angaben ihres Präsidenten Heinrich Haasis auf ihre Kunden zugehen, die Opfer der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers geworden sind. "Es gibt 446 Sparkassen, nur vier oder fünf davon haben Lehman-Zertifikate verkauft", sagte Haasis am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". "Wenn Einzelnen für 5000 Euro solche Zertifikate verkauft worden sind und sonst nichts, dann wird sich die Sparkasse kümmern", sicherte der Sparkassenpräsident zu. Wer allerdings "ein Depot hat mit 100.000 oder 200.000 Euro und für 5000 oder 10.000 Euro Zertifikate einmischt", der wisse genau, welches Risiko er habe.

+++ 7.55 Uhr: Die internationale Finanzkrise hat die Deutschen stark verunsichert. Laut dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" bejahten 22 Prozent der Befragten die Frage, ob das deutsche Bankensystem zusammenbrechen könnte. 41 Prozent verneinten dies. 37 Prozent trauten sich kein Urteil zu. Etwa jeder zweite Deutsche (55 Prozent) hält seine Spareinlagen und Girokonten für sicher, ergab die Umfrage weiter. Dieses Vertrauen fehlt mehr als jedem Dritten (37 Prozent), trotz der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugesicherten Staatsgarantie für private Spareinlagen. Acht Prozent der Befragten antworteten mit "weiß nicht" oder "trifft nicht zu".

+++ 6.58 Uhr: Japan erwägt die Einberufung eines Sondergipfels der sieben führenden Industrienationen und Russland (G8) zur globalen Finanzkrise. Sollten die G-7-Finanzminister am Freitag in Washington keine Lösung der weltweiten Probleme finden, sei er bereit, einen Krisengipfel einzuberufen, sagte Japans Regierungschef Taro Aso am Freitag. Japan hat derzeit den G-8-Vorsitz inne. Trotz diverser Rettungspakete, Finanzspritzen und Leitzinssenkungen verzeichnen die internationalen Aktienmärkte weiterhin massive Einbrüche.

+++ 6.38 Uhr: Nun soll die Einlagensicherung für Bankkunden auch in der Schweiz erhöht werden. Sie werde sich in der Regierung für eine Verstärkung aussprechen, sagte die interimistische Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf in einem Interview des "Tages-Anzeigers". Die Frage sei, wie weit die Schweiz gehen solle und ob es einen Schutz für Guthaben bis 80.000 Franken (rund 50.000 Euro) geben solle, wie dies die EU diese Woche beschlossen hat. Zurzeit liegt die Grenze in der Schweiz bei 30.000 Franken (knapp 20.000 Euro).

+++ 6.14 Uhr: Inmitten der Zuspitzung der Finanzkrise hat in Japan der erste Finanzkonzern Konkurs anmelden müssen. Es handelt sich um das Lebensversicherungsunternehmen Yamato. Es ist ein Versicherer mittlerer Größe mit rund 1.000 Beschäftigten und Policen in einem Gesamtumfang von 1 Billion Yen (10 Milliarden Dollar/7,3 Milliarden Euro). Firmenchef Takeo Kanazono sagte, wegen der ungewöhnlich schnellen und drastischen Abwärtsbewegung bei den Aktien sei Yamato mit 111 Millionen Dollar in die roten Zahlen gerutscht.

+++ 5.58 Uhr: Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Nordsee-Öl ist am Freitag auf dem asiatischen Markt unter 80 Dollar gesunken. Im frühen Handel kostete ein Fass Brent aus dem Novemberkontrakt zwischenzeitlich 79,08 Dollar. An der Londoner Börse hatte der Rohstoff am Vortag zum Handelsschluss bei 82,66 Dollar gelegen. In New York kostete die Sorte "Light Sweet Crude" am Donnerstag noch 85,59 Dollar. Sorgen wegen der globalen Finanzkrise und daraus folgenden Konjunktureinbrüchen führen zu einem Rückgang der Nachfrage und damit zu einem sinkenden Preis.

+++ 5.55 Uhr: Die deutschen Sparkassen profitieren anscheinend von der weltweiten Finanzmarktkrise. Wie die "Bild"-Zeitung vorab unter Berufung auf eine Umfrage bei mehreren großen Instituten berichtet, sind die Einlagen bei den Sparkassen seit Ende September um mehr als eine Milliarde Euro gestiegen.

+++ 2.47 Uhr: Der heftige Kurseinbruch an der Wall Street reißt auch die Börsen in Fernost in den Abwärtsstrudel. Die Börse in Tokio eröffnete am Freitag mit starken Verlusten: Der Leitindex Nikkei verlor im frühen Handel über zehn Prozent. Gut eine halbe Stunde nach Börsenöffnung lag der Nikkei mit 10,8 Prozent oder 991 Zählern im Minus bei 8.165,67 Zählern. Der Dow-Jones-Index war am Donnerstag an der New Yorker Aktienbörse um 679 Punkte oder 7,3 Prozent eingebrochen und notiert erstmals seit fünf Jahren unter der Marke von 9.000 Zählern.

+++ 1.44 Uhr: In den Niederlanden kündigte die Regierung am Donnerstag eine weitere Finanzspritze von 20 Milliarden Euro für gefährdete Banken an, um die Lage zu beruhigen. Außerdem gab sie eine Bürgschaft für die Einlagen niederländischer Kunden bei der Bank Icesave, einem britischen Online-Ableger der unter Staatsaufsicht gestellten isländischen Landsbanki, für bis zu 100.000 Euro ab.

+++ 1.22 Uhr: Die deutsche Automobilindustrie steht nach Ansicht des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer vor einem drastischen Produktionsrückgang und Stellenstreichungen. "Ich schließe nicht aus, dass die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland im nächsten Jahr auf unter drei Millionen sinken wird", sagte Dudenhöffer der "Berliner Zeitung".

+++ 0.54 Uhr: US-Präsident George W. Bush hat für Freitag eine weitere Ansprache zur Finanzkrise angekündigt, um die Bevölkerung zu beruhigen. "Wegen der andauernden Unbeständigkeit der Märkte wird der Präsident morgen im Rosengarten eine Erklärung abgeben", sagte seine Sprecherin Dana Perino am Donnerstagabend. Darin werde er "dem amerikanischen Volk versichern, dass die Wirtschaftsführer sehr offensiv alles tun, um unser Finanzsystem zu stabilisieren", sagte Perino. Trotz eines Rettungspaketes des Kongresses und einer konzertierten Zinssenkung mehrerer Zentralbanken war der US-Aktienindex Dow Jones am Donnerstag auf ein Fünfjahrestief abgesackt.

+++ 0 Uhr: Die Münchner Staatsanwaltschaft geht nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" dem Verdacht von Gesetzesverstößen bei der BayernLB nach, die wegen riskanter Kredite in den USA mehrere Milliarden Euro verlieren könnte. Es werde derzeit der "Anfangsverdacht von Straftaten geprüft", sagte der für Wirtschaftskriminalität zuständige Oberstaatsanwalt Stephan Reich dem Blatt. Der Ermittlungsbehörde lägen mehrere Anzeigen "empörter Bürger" vor. Es gehe um die Risiken in Milliardenhöhe, die der BayernLB entstanden seien und für die der Steuerzahler und die Sparkassen aufkommen sollten. Weitere Details nannte er nicht. Es gehe jedoch "in alle Richtungen".

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.


 
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