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Metall-Tarifverhandlungen: Wirtschaftsweiser für Lohnerhöhungen bis drei Prozent

zuletzt aktualisiert: 08.02.2006 - 07:44

Berlin (rpo). Unmittelbar vor Beginn der ersten Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie hat sich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger für eine spürbare Anhebung der Löhne in Deutschland ausgesprochen. Eine Lohnsteigerung in dieser Größenordnung hätte den Vorteil, dass die Kaufkraft der Bevölkerung wieder zunehmen würde und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhalten bliebe.

Die Produktivitätsentwicklung sei mit der in den meisten anderen europäischen Ländern vergleichbar, sagte Bofinger der "Berliner Zeitung". "Deshalb sollten bei uns auch die Löhne so stark ansteigen wie dort, und zwar um 2,5 bis 3 Prozent." Bofinger sagte, die deutsche Volkswirtschaft habe sich in den vergangenen Jahren deutliche Wettbewerbsvorteile erarbeitet, weil die Lohnentwicklung hinter der konkurrierender Länder zurück geblieben sei. "Wenn wir jetzt ein Jahr lang eine genau so starke Lohnerhöhung haben wie die anderen, dann bleibt unsere gute Wettbewerbsfähigkeit erhalten."

Kannegießer fordert Mäßigung

Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, ruft die IG Metall zu der heute in Darmstadt beginnenden regionalen Tarifrunde zur Mäßigung auf. "Eine Lohnerhöhung von fünf Prozent würde die durchschnittlichen Arbeitskosten von 27,60 auf 29 Euro pro Stunde ansteigen lassen", sagte Kannegiesser der "Rheinischen Post". "Damit würde weitere Produktion in Deutschland wegbrechen." Die IG Metall fordert für das Tarifgebiet Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt.

Die Tarifrunde für die rund 3,5 Millionen Metaller tritt an diesem Mittwoch mit ersten Verhandlungen im Tarifgebiet Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland in die heiße Phase. Die IG Metall fordert Lohnzuwächse von fünf Prozent. Die Arbeitgebervereinigung Gesamtmetall hat bereits angedeutet, dass sie allenfalls über Lohnerhöhungen von 1,2 Prozent verhandeln will.

Streikkassen gut gefüllt

Der Streik im öffentlichen Dienst könnte nach Expertenmeinung länger dauern als erwartet. Zwar habe der erste Streiktag mit 10 000 Teilnehmern die Gewerkschaft ver.di schätzungsweise 600 000 Euro an Streikgeld gekostet, sagte Hagen Lesch, Tarifexperte am unternehmernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Doch ver.dis Streikkasse sei gut gefüllt.

"Jedes Jahr legt die Gewerkschaft hierfür drei Prozent ihrer Einnahmen zurück, allein 2003 flossen 12,8 Millionen Euro in den Streikfonds", betonte Lesch. ver.di erstattet streikenden Mitarbeitern nach eigenen Angaben pro Streiktag das 2,5-fache des monatlichen Gewerkschaftsbeitrags.

Quelle: afp2

 
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