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Die Ära der Investmentbanken ist vorüber: Zeitenwende an der Wall Street

zuletzt aktualisiert: 22.09.2008 - 11:53

Düsseldorf (RPO). Die Finanzkrise lässt keinen Stein auf dem anderen. Das Geschäftsmodell der Investmentbank ist Geschichte. Mit den Branchenführern Morgan Stanley und Goldman Sachs gaben am Sonntag die letzten beiden großen Vertreter ihrer Spezies auf. Der Mythos der Wall Street und seine Ideologie der unbegrenzten Märkte sind am Ende.

Die Investmentbanken sind Geschichte Noch zu Beginn des Jahres gab es fünf große amerikanische Investmentbanken. Ihr Geschäftsmodell: Sie sind Spezialisten für die Anlage großer Vermögen, Handel mit Wertpapieren und der aktiven Beratung von Unternehmen bei kapitalintensiven Fragen wie zum Beispiel einem Börsengang oder einer Fusion.

Ihre Symbolik Ihr Wirken war mitverantwortlich für die weltweite Anlage, den globalisierten Fluss großer Geldmengen, den Shareholder-Value-Gedanken. Ein Symbol für die wirtschaftliche Ausrichtung der Wall Street.

Was tun Investmentbanken? Bei ihren Geschäften arbeiteten Investmentbanken mit höherem Risiko, erzielten aber auch riesige Gewinne. Die Finanzkrise stürzte sie in große Schwierigkeiten, die meisten erlitten Milliardenverluste. An der Börse waren in der vergangenen Woche ernsthafte Zweifel aufgekommen, ob die Investmentbanken die Finanzkrise überstehen können.

Die "Big Five" Die Namen der „Big Five“ sind mittlerweile auch weniger wirtschaftsinteressierten Menschen bekannt: Sie heißen Merrill Lynch,  Bear Stearns, Lehman Brothers,  Morgan Stanley (Nummer zwei der Branche) und Goldman Sachs (die Nummer eins). Keine hat in ihrer jetzigen Form die Umwälzungen der Finanzmarktbranche überlebt.

Das Schicksal der Investmentbanken Die hoch verschuldete Merrill Lynch wurde in der Vorwoche von der Bank of America übernommen, Bear Stearns rettete sich in die Arme von JP Morgan. Am schlimmsten traf es Lehman Brothers: Die Bank ging bankrott. Die Bilder der Investmentbanker, die mit ihren in einen Karton gepackten Habseligkeiten das Gebäude verließen, gingen um die Welt.

Die letzten beiden Großen geben auf Vergleichsweise solide erfolgt nun der Umbruch bei Morgan Stanley und Goldman Sachs: Beide geben ihren Sonderstatus auf, weil sie auf dem Markt ins Bodenlose stürzten. So kostete die Aktie von Morgan Stanley in der Vorwoche nur noch 21,75 Dollar. Der Höchststand innerhalb der vergangenen zwölf Monate lag bei fast 70 Dollar.

Sie werden gewöhnlich Die beiden Spezialisten für Anlage und Investment entschieden sich, ganz normale Banken werden und stellten einen entsprechenden Antrag. Wie die US-Notenbank bekannt gab, erteilte sie dafür die Genehmigung. Dafür  verlieren sie ihre Sonderrechte für riskante Spekulationen. Die Aufsichtsbehörden können nun weitaus striktere Kontrollen vornehmen.

Hilfe vom Staat Außerdem teilte die Fed mit, dass die beiden Banken Regierungskredite erhalten werden, um der derzeitigen Finanz- und Bankenkrise besser standhalten zu können. Beide Unternehmen können nun mit Hilfe von gewöhnlichen Spareinlagen ihre Finanzen auf eine breitere und somit weit weniger anfällige Basis stellen.

Das sagen Experten Nach Einschätzung von vielen Analysten und Investoren waren Morgan Stanley und Goldman Sachs zu sehr auf Fremdkapital angewiesen und hatten vor dem Hintergrund der teilweise doch sehr risikoreichen Investitionen mit kurzfristig geliehenem Geld zu wenig eigene Mittel. Ein Überleben als selbstständige Bank sei nur mit einem weniger riskanten Geschäftsmodell möglich, so ein Analyst.

Wie geht es weiter mit der Finanzkrise? Derzeit beraten US-Regierung und Kongress über ein Rettungspaket der Superlative für die Finanzmärkte. Washington plant, den Banken in den kommenden zwei Jahren für bis zu 700 Milliarden Dollar wertlos gewordene Kredite abzukaufen, um den Kollaps des angeschlagenen Finanzsystems zu verhindern. Es ist der vorläufige Höhepunkt der Krise.

Alle Infos zur Finanzkrise finden Sie in unserem Special.


 
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