Starke Verluste nach Handelsbeginn: Zick-Zack an der Wall Street
zuletzt aktualisiert: 10.10.2008 - 16:40Frankfurt/Main (RPO). Die Panikwelle an den Börsen macht auch vor der Wall Street nicht Halt. Nach Handelseröffnung stürzte der Dow Jones Index um über neun Prozent ab, drehte dann jedoch wieder ins Plus. In Frankfurt herrschte am Freitag Endzeitstimmung. Der Dax zog sofort nach und halbierte seine starken Verluste.
Nach dem schweren Absturz zum Handelsstart drehte der Dow-Jones-Index an der New Yorker Börse wieder ins Plus. Auch der Deutsche Aktienindex (Dax) erholte sich daraufhin wieder und halbierte seinen zuvor mehr als zehnprozentigen Tagesverlust.
Der Deutsche Aktienindex notierte kurz nach Börsenstart kurzzeitig bei 4371 Punkten. Eine Erholung war bis in den Nachmittag hinein nicht in Sicht. An der Börse herrschte Ausverkaufsstimmung. Im Laufe des Vormittags erholte sich der deutsche Leitindex zwar vorübergehend leicht auf 4495 Punkte, ging danach aber wieder in die Knie. Im Vergleich zum Vortag lag er fast zehn Prozent im Minus. Gemessen an den Kursen am Wochenanfang betrug das Minus 20 Prozent. Nach der überraschenden Wende an der Wall Street erholten sich die Kurse leicht.
Auch die Börsen in London und Paris dümpelten nach Abstürzen von mehr als zehn Prozent zum Handelsstart weiter tief im Minus. In Moskau blieben die Börsen wegen der starken Kursstürze an der Wall Street und an der Tokioter Börse geschlossen. Ein derartiges Verfahren ist in Frankfurt nicht vorgesehen.
Analysten zeigten sich angesichts des dramatischen Absturzes ratlos. Ein massiver Kurseinbruch an der Wall Street hatte zuvor die Börsen in Fernost in den Abwärtsstrudel gerissen. An der Tokioter Börse verlor der Leitindex Nikkei im Handelsverlauf teilweise 11,4 Prozent, er schloss mit einem Minus von 9,6 Prozent. Der Dow-Jones-Index war zuvor um 679 Punkte oder 7,3 Prozent eingebrochen und notiert erstmals seit fünf Jahren unter der Marke von 9.000 Zählern.
Kernschmelze an den Börsen der Welt
"Wir sehen eine Kernschmelze an den Börsen der Welt, ausgelöst durch die wachsenden Angst vor einer weltweiten Rezession", sagte Kazuhiro Takahashi vom Versicherer Daiwa Securities SMBC. "Was soll ein Berichtverfasser angesichts solch niederschmetternder Keulenschläge an den Weltbörsen noch von sich geben?", hieß es im Marktbericht der St. Galler Privatbank Wegelin ratlos.
Der Großrückzug der Investoren sei voll im Gang. Die Wertvernichtung des Sieben-Tage-Crashes sei signifikant und dies obwohl oder gerade weil die Regierungen, Notenbanken und Behörden rund um den Globus mit diversen Rettungsplänen und Maßnahmen versucht hätten, gegenzusteuern.
Unterdessen bereiten sich die Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten auf ihr Treffen in Washington vor. Die Börse bleibt aber skeptisch: "Die Investoren sind sich nicht so sicher, dass die G7 effektive Schritte einleiten werden, um die globale Finanzkrise einzudämmen", sagt Yutaka Miura von der Versicherung Shinko Securities.
Handelspause?
Nach einem Absturz des ATX Index um mehr als 10 Prozent hat die Wiener Börse bis Freitagmittag den Aktienhandel ausgesetzt, wie Börsen-Sprecherin Beatrix Exinger sagte. Auch in Wien waren die Aktienkurse in dieser Woche immer wieder drastisch gefallen. Die Handelsaussetzung sollte einem panischen Ausverkauf vorbeugen.
Diesen Schritt forderte der Finanzmarktexperte Joachim Goldberg von dem Beratungsunternehmen Cognitrend gegenüber dem Fernsehsender "n-tv" eine zeitweilige Schließung der Börsen: "Das muss allerdings eine globale Angelegenheit sein". Ab Sonntag solle man die Märkte eine Woche lang dicht machen, damit man zur Ruhe komme. "Derzeit sind die Verkäufe teilweise völlig kopflos", sagte er weiter.
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