Landesbank in der Krise: Zukunft von BayernLB-Chef weiter offen
zuletzt aktualisiert: 24.10.2008 - 09:21München (RPO). Streit um die Zukuft des Vorstands der BayernLB: Die bayerische Landesregierung dringt weiter auf den Rückzug von Vorstandschef Kemmer. Hunderte Mitarbeiter der Bank demonstrierten dagegen am Donnerstagabend für den Verbleib ihres Vorstands. Beratungen zur Personalie wurden ohne Einigung vertagt.
Im Streit über eine Ablösung des Vorstandes der angeschlagenen BayernLB gibt es zunächst keine Lösung. Die Beratungen wurden am späten Donnerstagabend ohne Einigung auf den Freitagmittag vertagt. Verwaltungsrat Hans Schaidinger sagte nach dem Treffen, es habe eine klare Front zwischen Sparkassen und Vertretern des Freistaates gegeben. "Von mir aus kann alles so bleiben wie es ist", sagte Schaidinger. "Diejenigen, die was anderes wollten, konnten sich nicht durchsetzen."
Die Landesregierung dringt nach dem Milliardendesaster bei der staatlichen Bank und dem Rücktritt von Finanzminister Erwin Huber (CSU) auf den Rückzug von Vorstandschef Michael Kemmer. Auch aus den Sparkassen geriet er unter Beschuss. Die BayernLB erwartet in diesem Jahr 3 Milliarden Euro Verlust und braucht eine Kapitalspritze von 6,4 Milliarden Euro von Bund, Freistaat und Sparkassen.
Hunderte Mitarbeiter der Bayerischen Landesbank demonstrierten am Donnerstagabend für den Verbleib ihres Vorstands. Vor dem Beginn der Verwaltungsratssitzung, in der über eine Ablösung der Manager beraten wurde, feierten sie die Vorstände im Innenhof der Bankzentrale mit Applaus und riefen zur Unterstützung des Vorstandschefs "Wir wollen Kemmer". Kemmer sagte vor den demonstrierenden Mitarbeitern: "Das ist ein unglaublicher Solidaritätsbeweis. Mit diesem Team wird die Bank es schaffen."
Huber ausgebuht
Für den amtierenden Finanzminister und Verwaltungsratschef Huber wurde der Gang zu der Sondersitzung zum Spießrutenlauf. Er wurde mit Buhrufen und gellenden Pfiffen empfangen. Auch der designierte Ministerpräsident Horst Seehofer geriet in die Kritik: Die Demonstranten zeigten Schilder mit der Aufschrift "Kemmer saniert - Seehofer torpediert". Bankmitarbeiter erklärten, Kemmer sei der "richtige Mann, den Karren aus dem Dreck zu ziehen". Ein Kabinettsmitglied hatte vor der Sitzung erklärt, alle sechs Vorstände "werden gegangen werden. Denn so geht es nicht."
Huber hatte am Mittwoch die politische Verantwortung für das Desaster übernommen und sein Amt zur Verfügung gestellt. Nach wachsender Kritik von CSU und FDP bot der Bankvorstand am Donnerstagmorgen ein Gespräch über Konsequenzen an, falls er nicht mehr das Vertrauen der Staatsregierung und der Sparkassen haben sollte. Seehofer bekräftigte seine Vorwürfe daraufhin: Ein solches Durcheinander, wie er es bei der Landesbank seit Samstag erlebt habe, "war einmalig und hoffentlich letztmalig", sagte Seehofer.
"Information war grottenschlecht"
CSU-Fraktionschef Georg Schmid kritisierte in einer Sondersitzung des Landtags, der Vorstand habe keine vernünftigen Auskünfte gegeben. Huber sagte: "Innerhalb von zwölf Tagen haben sich diese Zahlen, die uns der Vorstand vorgelegt hat, um 2,8 Milliarden Euro erhöht."
Auch die Sparkassen als Miteigentümer der Landesbank griffen Vorstandschef Kemmer scharf an. "Die Informationspolitik der Bank war grottenschlecht. So kann man mit den Gesellschaftern nicht umgehen", sagte der Münchner Sparkassenchef Harald Strötgen der "Welt": "Es ist schockierend, wie schnell sich die bisherigen Verlustprognosen vervielfacht haben."
Der frühere BayernLB-Finanzvorstand Kemmer rückte erst im März an die Spitze des Gremiums, nachdem Vorstandschef Werner Schmidt nach überraschenden Abschreibungen und Wertberichtigungen von 1,9 Milliarden Euro seinen Hut nehmen musste. Kemmer gehört dem sechsköpfigen Vorstand der BayernLB seit 2006 an.
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