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Neue Studie
Zuwanderer sorgen für Plus in den deutschen Sozialkassen

Aus diesen Ländern kommen die meisten Einwanderer
Aus diesen Ländern kommen die meisten Einwanderer
Gütersloh. Armutszuwanderung und möglicher Sozialmissbrauch waren die Stichworte der vergangenen Monate, wenn es um das Thema Zuwanderung ging. Aber belasten in Deutschland lebende Ausländer eigentlich wirklich die Sozialkassen? Nein, besagt nun eine neue Studie. Vielmehr sorgten sie für eine Entlastung. Von Dana Schülbe

Um Sozialmissbrauch durch EU-Bürger zu verhindern, hatte das Bundeskabinett erst im August dieses Jahres ein Maßnahmenpaket verabschiedet. In der Debatte ging es vor allem um steigende Zuzüge aus den osteuropäischen EU-Ländern Rumänien und Bulgarien und die damit verbundene Sorge eines möglichen Sozialmissbrauches durch Menschen aus diesen Ländern. Doch eines steht auch für die Bundesregierung fest: Deutschland braucht angesichts des demografischen Wandels qualifizierte Zuwanderer – nicht nur aus der EU, sondern auch aus Drittstaaten.

Dass sich das auszahlt, zeigt nun auch eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Denn sie wollten wissen, inwieweit Ausländer in der Bundesrepublik die Sozialkassen be- oder entlasten. Das zentrale Ergebnis: Sie sorgen für ein erhebliches Plus in den deutschen Kassen.

"Gute Bildungspolitik ist beste Integrationspolitik"

Nach der Studie sorgten die 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass in der Bundesrepublik im Jahr 2012 für einen Überschuss von 22 Milliarden Euro. Entsprechend zahle jeder Ausländer pro Jahr durchschnittlich 3300 Euro mehr an Steuern und Sozialabgaben, als er an staatlichen Leistungen erhalte.

Als einen zentralen Grund dafür sehen die Studienmacher die gute Lage am deutschen Arbeitsmarkt, von der auch die hier lebenden Ausländer profitierten.  Zwar liege die Arbeitslosenrate der Ausländer derzeit immer noch 10,8 Prozent über der der Deutschen, doch im Vergleich zum Jahr 2005 sei sie um gut ein Drittel niedriger.

Zugleich wird aber darauf hingewiesen, dass in früheren Untersuchungen schon festgestellt worden sei, dass die hier lebenden Menschen ohne deutschen Pass mehr in die Sozialkassen einzahlten als sie Leistungen beziehen würden. So sei bereits im Jahr 2004 ein Überschuss von 2000 Euro pro Ausländer geblieben.

Dabei sehen die Studienmacher durchaus Möglichkeiten, dass der Beitrag der Ausländer zu den öffentlichen Haushalten noch gesteigert werden könne – und zwar durch ein deutlich höheres Bildungsniveau in dieser Bevölkerungsgruppe. "Gute Bildungspolitik ist die beste Integrationspolitik", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Und Holger Bonin vom ZEW und Autor der Studie sagte: "Je besser qualifiziert die Zuwanderer, desto höher der Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen Kassen." Das wird in der Studie auch durchgerechnet.

Qualifikationsniveau deutlich gestiegen

Wenn die Ausländer unter 30 Jahren, die bereits jetzt in Deutschland leben, durchschnittlich das gleiche Bildungsniveau wie die Deutschen erreichten, dann würden sie auch besser im Job verdienen und über die gesamte Lebenszeit 118.400 Euro pro Kopf mehr an Steuern und Sozialabgaben zahlen. Das sei auch nicht unrealistisch, weil das Qualifikationsniveau der Zuwanderer in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen sei.

Auch wurde in Zukunftsszenarien errechnet, wie sich eine verstärkte Zuwanderung auf die öffentliche Haushaltslage hierzulande auswirken würde. Demnach könnte jeder Bürger in Deutschland um 400 Euro pro Jahr entlastet werden, wenn jährlich mindestens 200.000 Zuwanderer in die Bundesrepublik kämen und 30 Prozent von ihnen hoch und 50 Prozent mittel qualifiziert wären.

Daher sehen die Studienmacher die gesteuerte Zuwanderung auch als eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür. Derzeit, so heißt es weiter, profitiere Deutschland sehr von der Arbeitsmigration innerhalb der Europäischen Union insbesondere durch die Krise in den südeuropäischen Ländern. Doch für internationale Fachkräfte aus Drittstaaten sei die Bundesrepublik noch nicht attraktiv genug.