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Kommentar
Flucht in die Fusion

Ein Stahlwerk stirbt mindestens fünf Mal, lautet ein geflügeltes Wort der Branche. Damit ist gemeint: Bevor eine Hütte schließt, und sei sie noch so marode, versucht die Politik, dies mit allen Mitteln zu verhindern. Schließlich geht es meist gleich um Tausende Arbeitsplätze in einer Branche, die wie kaum eine zweite gewerkschaftlich organisiert ist.

Die Folgen dieser Politik sind in Europa gerade zu besichtigen: Mindestens jede fünfte Tonne Stahl wird zu viel produziert. Die Überkapazitäten machen die Preise kaputt und drücken auf die Gewinnmargen. Auf Dauer können Europas Stahlhersteller nur durch Fusionen überleben.

Gern machen sie China dafür verantwortlich: Dort würden jene Mengen produziert, die hier den Markt kaputtmachen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Im italienischen Tarent etwa steht ein völlig veraltetes Stahlwerk, das die Umwelt verpestet und eigentlich längst stillgelegt werden müsste. Doch die Politik hat es wieder zum Leben erweckt. Es hat noch einige Tode vor sich. (kib)

Quelle: RP
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