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Düsseldorf
Flugbegleiter drohen mit neuen Streiks

Düsseldorf. Die Gewerkschaft lässt offen, wann es zu neuen Ausständen kommt. Noch ist die Lufthansa-Führung unbeeindruckt. Von Maximilian Plück

Derzeit avanciert ein Handzeichen aus dem Hollywood-Blockbuster "Die Tribute von Panem" zum Erkennungssymbol des Flugbegleiter-Protestes bei der Lufthansa: In den sozialen Netzen kursieren Bilder, auf denen die Mitglieder der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo) kämpferisch die drei mittleren Finger in die Höhe recken, der Daumen drückt den kleinen Finger herunter - ganz so macht es die Film-Heldin Katniss in den "Tribute"-Filmen, während sie die Revolution gegen ein verbrecherisches System anführt.

Ein bisschen Revolution also auch bei der Lufthansa? Seit einer Woche überziehen die Flugbegleiter Deutschlands größte Airline mit einem Streik, der es in sich hat. Rund 4700 Flüge musste die Kranichlinie streichen, auf die mehr als 550.000 Passagiere gebucht waren. Und auch wenn in der Nacht zu heute um 0 Uhr der Streik offiziell beendet wurde, ist eine Fortsetzung so gut wie sicher. Das hatte Ufo-Chef Nicoley Baublies bei der zentralen Abschlusskundgebung zum Rekordstreik vor der Frankfurter Lufthansa-Zentrale bekannt gegeben, zu der etwa 1000 Mitglieder von Ufo, aber auch vonseiten der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und vereinzelt auch der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gekommen waren. Der Vorstand müsse ein deutliches Zeichen für eine neue Führungskultur setzen, verlangte der Chef der Kabinengewerkschaft. "Wenn sich nichts ändert, sind jederzeit Streiks wieder möglich", sagte er unter dem Jubel der Menge. Ein konkretes Datum nannte Baublies nicht.

Die Stimmung beim Lufthansa-Personal ist extrem angespannt. Die Beschäftigten befürchten, dass das Management mehr und mehr Personal in seine günstigere, weil tariflose Lowcost-Tochter Eurowings ausgliedern könnte. Die ist in Österreich stationiert. Allerdings will die dortige Luftfahrt-Gewerkschaft Vida einen Tarifvertrag mit der Lufthansa aushandeln - bislang jedoch ohne greifbares Ergebnis. Offiziell geht es bei der Auseinandersetzung jedoch um die Betriebsrenten und die Übergangsversorgung.

Noch scheint das Lufthansa-Management von 13 Pilotenstreiks und dem einwöchigen Flugbegleiterstreik gänzlich unbeeindruckt zu sein. Personalvorstand Bettina Volkens stellte sich den Gewerkschaftern gestern bei deren Protestkundgebung. Allerdings ohne den Demonstranten in irgendeiner Form entgegenzukommen. Ihre für Finanzen zuständige Vorstandskollegin Simone Menne erklärte sogar, die Lufthansa sehe ihre Geschäftsziele 2015 durch den aktuellen Arbeitskampf der Flugbegleiter nicht in Gefahr. "Das Ergebnis 2015 wird vermutlich von diesem November-Streik nicht so maßgeblich beeinflusst, dass wir unsere Guidance runternehmen müssen", so Menne. Sie rechne damit, dass die Treibstoffkosten rund 800 Millionen Euro unter dem Vorjahr liegen dürften.

Quelle: RP
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