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Fortum-Chef Lundmark im Interview
"Wir wollen Uniper nicht zerschlagen"

Fortum-Chef Pekka Lundmark: "Wir wollen Uniper nicht zerschlagen"
Fortum-Chef Pekka Lundmark (Archivbild). FOTO: dpa, ase wst
Düsseldorf. Dass Eon seinen 47-Prozent-Anteil an der abgespaltenen Kraftwerkstochter Uniper an den finnischen Versorger Fortum verkaufen will, sorgt für Aufregung. Die Uniper-Führung wehrt sich gegen die Pläne, die Mitarbeiter sind besorgt. Im Gespräch versucht Fortum-Chef Pekka Lundmark zu beruhigen. Von Antje Höning und Stefan Weigel

Ihr Unternehmen, der finnische Versorger Fortum, will Eon die 47-Prozent-Beteiligung am Düsseldorfer Unternehmen Uniper abkaufen. Die Mitarbeiter sind besorgt. Was haben Sie vor?

Lundmark Die Uniper-Mitarbeiter müssen sich keine Sorgen machen. Uniper und Fortum haben Geschäfte, die sich gut ergänzen, in Deutschland gibt es keine Überlappungen. Gemeinsam haben wir viele Chancen im europäischen Energiemarkt.

Uniper-Chef Klaus Schäfer hält Ihren Übernahmeversuch für feindlich.

Lundmark Ich verstehe, dass Herr Schäfer verärgert ist, dass er aus den Medien von unseren aktuellen Gesprächen mit Eon erfahren hat. Wir mussten diese öffentlich machen, nachdem die Nachricht durchgestochen worden war.

Schäfer nennt Fortum einen Wolf im Schafpelz.

Lundmark Wir sind kein amerikanischer Hedgefonds, wir sind ein seriöses Unternehmen, das mehrheitlich im Besitz des finnischen Staates und an einer langfristigen, strategischen Partnerschaft interessiert ist. Wir hoffen, dass wir bald konstruktive Gespräche mit dem Uniper-Vorstand aufnehmen können.

Kann Herr Schäfer nach so scharfen Worten noch Uniper-Chef bleiben?

Lundmark Das ist eine spekulative Frage. Klar ist: Wir wollen Uniper nicht übernehmen, sondern Eons Anteil kaufen. Uniper ist für uns erstmal eine Finanzbeteiligung. Da man ab der Übernahme von 30 Prozent ein öffentliches Angebot machen muss, haben wir dies getan. Wir bieten jedem Uniper-Aktionär 22 Euro.

Analysten erwarten, dass Sie das Angebot aufstocken. Ist das möglich?

Lundmark Wir werden definitiv nicht aufstocken. 22 Euro ist und bleibt unser letztes Angebot. Wir werden sehen, wie viele Uniper-Aktionäre es annehmen.

Die Uniper-Mitarbeiter fürchten, dass Sie, wenn Sie mehr als 50 Prozent bekommen, das Unternehmen zerschlagen. Dass es derartige geheime Pläne gibt.

Lundmark Wir wollen Uniper nicht zerschlagen. Es gibt auch keine geheimen Pläne, dies zu tun. Uniper ist ein gutes Unternehmen mit einem breitgefächerten Portfolio, das unsere CO2-freie Energieerzeugung erheblich steigern wird.

Das Gros der grünen Geschäfte hat aber doch Eon behalten, in Uniper wurden vor allem die Kohle- und Gaskraftwerke abgespalten.

Lundmark Uniper macht 30 Prozent seines Umsatzes mit Kohle, 50 Prozent mit Gas, das schon mal viel klimafreundlicher ist als Kohle, und 20 Prozent mit CO2-freien Energiequellen wie Wasserkraft. Das bedeutet für uns eine gute grüne Ergänzung.

Was können Sie den Uniper-Mitarbeitern zusagen, um ihnen die Ängste zu nehmen?

Lundmark Wir sind mit Eon eine bindende Vereinbarung eingegangen. Teil dieser schriftlichen Vereinbarung sind auch klare Verpflichtungen gegenüber den Arbeitnehmern: Wir sagen zu, dass die Uniper-Zentrale in Düsseldorf bleibt. Wir stehen zu allen Vereinbarungen, die Uniper mit der Belegschaft getroffen hat. Wir werden Uniper nicht zu betriebsbedingten Kündigungen veranlassen. Und nochmal: Wir planen gar keine Übernahme.

Im Sommer hatten Sie aber Uniper ein Angebot gemacht und wollten 75 Prozent. Warum sollte sich an der ursprünglichen Zielsetzung etwas geändert haben?

Lundmark Klaus Schäfer hat unser Angebot im Sommer sehr deutlich zurückgewiesen. Wir haben das respektiert, denn wir wollen mit und nicht gegen das Management arbeiten. Die jetzige Transaktion ist im Einklang mit unserer angekündigten Strategie und ändert nichts an der Logik. Als Großaktionär profitieren wir von attraktiven Dividenden, gleichzeitig können beide Unternehmen von einer engeren Zusammenarbeit profitieren.

Haben Sie auch mit RWE gesprochen? Welcher deutsche Versorger ist das bessere Investment?

Lundmark Nein, wir sprechen nicht mit RWE und haben es auch in der Vergangenheit nicht getan.  Für uns ist Uniper das bessere Investment: grüner, ertragsstärker – und gerade auf dem Markt.

Gewerkschaft und Betriebsrat von Uniper wollen ihre Zustimmung zum Sparprogramm zurückziehen, wenn Fortum einsteigt. Es geht um 50 Millionen Euro.

Lundmark Ehrlich gesagt: Das ist das Problem des Uniper-Managements, nicht das Problem der Aktionäre. Wir wollen den Mitarbeitern aber gerne zeigen, dass wir ein seriöser Partner sind. Wir haben mit unseren Mitarbeitern immer vertauensvoll zusammengearbeitet. In den 20 Jahren, in denen es Fortum gibt, hat die Belegschaft kein einziges Mal gestreikt.

Fürchten Sie, dass es Uniper gelingt, einen weißen Ritter zu holen – also ein anderer Käufer, den  Uniper lieber als Investor sehe?

Lundmark Nein, die Sorge habe ich nicht. Ein weißer Ritter hätte kaum Chancen. Wir haben einen bindenden Vertrag: Falls der Eon-Konzern seinen Anteil nicht andienen sollte, muss er uns mindestens 750 Millionen Euro Ausfallgebühr zahlen. Da müsste ein weißer Ritter Eon schon sehr viel mehr bieten.  

Erwarten Sie Probleme mit den Kartellbehörden – und haben Sie schon Gespräche geführt?

Lundmark In der Tat benötigen wir mindestens die Zustimmung der Kartellbehörden in den USA, Russland und von der EU-Kommission. Wir haben auch bereits erste informelle Gespräche mit den Behörden geführt. Ich bin zuversichtlich, dass wir alle Fragen beantworten können.

Was sind die nächsten Schritte?

Lundmark Als nächstes werden wir die Angebotsunterlage bei der Finanzaufsicht Bafin einreichen. Sobald diese das Angebot freigibt, startet eine zehnwöchige Periode, in der sich die Uniper-Aktionäre für die Annahme entscheiden können. Wenn alles gut läuft, können wir den Kauf Mitte 2018 abschließen.

Sie waren zuvor Chef von Konecranes. Das finnische Unternehmen hat einst Demag Cranes gekauft. Fürchten Sie nicht, als finnischer Aufkäufer von Düsseldorf zu gelten?

Lundmark (lacht) Nein. Ich habe zwar mit Demag vor rund 5 Jahren verhandelt, aber das Unternehmen wurde von einer amerikanischen Firma gekauft, die Demag wiederum vergangenes Jahr an Konecranes verkauft hat. Das geschah alles nach meiner Zeit. Ich glaube, die Demag-Mitarbeiter sind heute sehr zufrieden.

Was unterscheidet finnisches und deutsches Management?

Lundmark Es ist sich vor allem sehr ähnlich. Wir beiden schätzen verbindliche Ansagen, präzises Arbeiten – und die Mitbestimmung.

Quelle: RP
 
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