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Anfrage der Linksfraktion
Frauen arbeiten dreimal häufiger in Teilzeit als Männer

Frauen arbeiten mehr als dreimal so viel in Teilzeit als Männer
Eine Frau an ihrem Arbeitsplatz. (Symbolbild) FOTO: Flickr/Victor1558/CC BY 2.0
Berlin. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden von Teilzeitbeschäftigten ist nach Angaben der Bundesregierung um fast 70 Prozent gegenüber dem Jahr 2000 gestiegen. Frauen leisten mehr als dreimal so viel Teilzeitarbeit als Männer. Von Birgit Marschall

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach lag die Zahl der von Teilzeitbeschäftigten geleisteten Arbeitsstunden im Jahr 2016 um 67,9 Prozent höher als im Jahr 2000.

Der Anteil der Teilzeitarbeit am gesamten Arbeitsangebot erhöhte sich in dem Zeitraum von 13,4 auf 21,7 Prozent. Auch die durchschnittliche Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten stieg zwischen 2000 und 2016 um 18,3 Prozent, während Vollzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeit um 1,3 Prozent reduzieren konnten. Frauen haben den Daten der Regierung zufolge im vergangenen Jahr mehr als drei Mal so viel Teilzeit gearbeitet als Männer.

Der seit Jahren zu beobachtende Trend zur Teilzeitarbeit setzt sich demnach ungebremst fort. Die Zahl der Beschäftigten in Teilzeit stieg innerhalb von 20 Jahren von 8,3 Millionen auf 15,3 Millionen im vergangenen Jahr, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit bereits im Sommer ermittelt hatte.

Allerdings nimmt der Anteil der Männer in Teilzeit nur langsam zu, während zwei Fünftel aller erwerbstätigen Frauen teilzeitbeschäftigt sind. Dem Regierungspapier zufolge hatten 39,1 Prozent der weiblichen Beschäftigten 2016 einen Teilzeitjob - aber nur 9,2 Prozent der Männer.

Weniger Arbeitszeit, geringere Rentenansprüche

Die hohe Zahl der weiblichen Teilzeitbeschäftigten verhindert auch, dass Frauen einen höheren Teil der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden übernehmen. Im Jahr 2016 entfielen 36 Milliarden Arbeitsstunden auf männliche Erwerbstätige, heißt es in der Regierungsantwort. Das waren knapp 61 Prozent des gesamten Arbeitsangebots. Frauen dagegen leisteten nur 39 Prozent der Arbeitsstunden. Sie konnten damit ihren Anteil gegenüber dem Jahr 2000 kaum steigern.

FOTO: Grafik: Thinkstock, Podtschaske

Wer aber weniger Stunden arbeitet, verdient auch weniger und erwirbt geringere Rentenansprüche. Neben der Tatsache, dass die Brutto-Stundenlöhne für Frauen im Schnitt weiterhin deutlich geringer sind, ist dies eine der Ursachen für die geringeren Alterseinkünfte von Frauen. "Das Angebot an Erwerbsarbeit verteilt sich immer ungleicher. Während die einen bis zum Umfallen schuften, müssen sich die anderen, unverhältnismäßig oft Frauen, mit Teilzeitstellen und Minijobs begnügen", sagte Linken-Politikerin Jutta Krellmann.

Drastisch gestiegen - und zwar um 156 Prozent - sind seit 2007 die Hartz-IV-Aufstockerleistungen für die 377.000 Haushalte mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigten. Für die Hilfe zum Lebensunterhalt gab der Staat im vergangenen Jahr 3,3 Milliarden Euro aus. Die Steuerzahler müssten für die ungleiche Verteilung des Arbeitsangebots in Milliardenhöhe aufkommen, beklagte Krellmann. Das zeige der rasante Anstieg bei den Aufstockerleistungen für Teilzeitbeschäftigte.

Das Arbeitsvolumen insgesamt ist in den 16 Jahren bis 2016 nur mäßig um 2,9 Prozent gestiegen, wie aus der Regierungsantwort hervorgeht. Die Zahl der Nebenjobs, die nur 1,3 Prozent des gesamten Arbeitsangebots ausmachen, stieg jedoch kräftig um 63 Prozent gegenüber 2000.

Quelle: RP
 
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