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Düsseldorf
Für diese Azubis geht es jetzt los

Düsseldorf. Wir zeigen sechs junge Menschen zum Start ihrer Ausbildung. So weit sind andere noch nicht: In Nordrhein-Westfalen sind derzeit knapp 30 000 Plätze unbesetzt, 47 000 junge Menschen noch auf der Suche nach einer Lehrstelle. Von Joris Hielscher

Unternehmen gehen mitunter ungewöhnliche Wege, um Auszubildende zu finden. "Jeder Azubi, der dieses Jahr eine Ausbildung bei uns beginnt und die Abschlussprüfung besteht, bekommt eine Aida-Schiffsreise im Mittelmeer geschenkt", schreibt die Bäckerei Terbuyken, die 23 Filialen in Düsseldorf und Erkrath betreibt, auf ihrer Homepage. Zudem hat der Betrieb Plakate und Zettel mit dem verlockenden Angebot in den Filialen und überall in der Stadt aufgehängt.

"Wir haben wirklich Probleme, Auszubildende für den Beruf des Bäckers und des Fachverkäufers zu finden, und mussten uns was einfallen lassen", erklärt Guido Hahnen von der Bäckerei. Dank der Aida-Offerte und weiterer Aktionen hat das Unternehmen zwar sieben Lehrlinge gefunden, drei Stellen konnten aber bisher noch immer nicht besetzt werden.

So wie Terbuyken geht es vielen Betrieben in NRW zum Start des neuen Ausbildungsjahres. Allein für Düsseldorf und die Orte im Umkreis von 20 Kilometer sind in der Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer (IHK) noch mehr als 850 offene Stellen zu finden. Für ganz Nordrhein-Westfalen zählt die Arbeitsagentur noch knapp 30 000 unbesetzte Ausbildungsplätze. An einem grundsätzlichen Mangel an Bewerbern liegt es nicht, dass die Lücke so groß ist. Laut Arbeitsagentur sind über 47 000 junge Menschen in NRW noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Wie in den vergangenen Jahren übersteigt die Zahl der Bewerber die der angebotenen Stellen deutlich.

Warum kommen Azubis und Betriebe nicht zusammen? Zum einen sei der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen je nach Region sehr unterschiedlich geprägt, erklärt die Arbeitsagentur. Während sich zum Beispiel im Münsterland die Zahlen der Bewerber und gemeldeten Stellen ungefähr die Waage hielten, gebe es im Ruhrgebiet und im Rheinland deutlich mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. Zum anderen gebe es ein Ungleichgewicht bei den Ausbildungsberufen. Während bei beliebten Berufen die Unternehmen sehr viele Bewerbungen auf eine Stelle erhalten, suchen Betriebe für andere Berufe händeringend und oft mit viel Aufwand nach Auszubildenden. So hat die Arbeitsagentur für das Rheinland unter anderem folgende Problembereiche identifiziert: Für Mediengestalter, Veranstaltungskaufmann, Fotograf, Tischler und alle Berufe, die mit Sport und Tieren zu tun hätten, gebe es viel mehr Bewerber als Stellen, bei Restaurantfachmann, Lebensmittelverkäufer, IT-Systemkaufmann, Berufskraftfahrer und Werkzeugmacher sei es dagegen umgekehrt.

Ähnliche Erfahrungen hat Norbert Woehlke gemacht, der bei der IHK Düsseldorf für die Berufsbildung verantwortlich ist: "Jugendliche suchen oft das, was sie aus ihrem Alltag kennen und cool finden." Deshalb seien Berufe wie Mediengestalter, Sport- oder Veranstaltungskaufmann so beliebt und überlaufen. "Unser Sorgenkinder sind die Gastronomie und der Lebensmittelhandel", sagt Woehlke. Jugendlichen, die bislang noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, rät er zu mehr Flexibilität bei der Wahl des Lehrberufes: "Wer Lebensmittel verkaufen gelernt hat, der kann das später auch für andere Produkte anwenden - die Ausbildung ist nur ein Einstieg in das Berufsleben."

Noch bis November können Auszubildende dieses Jahr eine Lehre anfangen. "Wir sind also noch mittendrin im Bewerbungsprozess", erklärt eine Expertin von der Arbeitsagentur.

Quelle: RP
 
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