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Mai-Kundgebungen
Für Verdi-Chef Frank Bsirske ein "Tag des Triumphes"

Für Verdi-Chef Frank Bsirske ein "Tag des Triumphes"
Verdi-Chef Bsirske hat mit heftigen Warnstreiks früh einen Erfolg erzielt. FOTO: dpa, ade vfd
Düsseldorf/Krefeld. Für Verdi-.Chef Bsirske war der "Tag der Arbeit 2016" ein Tag, an dem er sich feiern lassen kann. Doch zufrieden zeigt er sich lange noch nicht. Bsirske visiert bereits das nächste Thema an. Bei den Metallern ist der Tarifkonflikt in vollem Gange.  Von Maximilian Plück

Gerade hat der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit heftigen Warnstreiks 4,75 Prozent mehr Lohn für die 2,14 Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen erstritten. Ein Ergebnis, das ihm im Arbeitnehmerlager viel Beifall einbringt. Gewerkschaftliche Erfolge passen hervorragend in die Choreografie zum Tag der Arbeit, zu dem sich nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes 390.000 Teilnehmer gestern auf die Straßen gemacht haben. So jubelt etwa DGB-Chef Reiner Hoffmann in seiner Rede in Stuttgart: "Herzlichen Glückwunsch an die Kolleginnen und Kollegen von Verdi, die einen ordentlichen Tarifabschluss erzielt haben."

Wer jedoch glaubt, ein ordentlicher Abschluss genüge einem Gewerkschafter vom Schlage Bsirskes, der irrt. Der Verdi-Chef hat sich für seinen Auftritt im Krefelder Stadtwald schon das nächste Thema bereitgelegt und verlangt eine Kehrtwende in der Rentenpolitik. Das Rentenniveau müsse angehoben werden, sagt er unter dem Jubel der Zuhörer. Mindestens auf 50 Prozent. "Nach jahrzehntelanger Arbeit haben alle Menschen das Recht, ein anständiges Leben in Würde führen zu können", sagt er und nennt die Riester-Rente eine Fehlkonstruktion. Staatliche Riester-Mittel seien in der gesetzlichen Rentenversicherung besser aufgehoben.

IG Metall schaltet um in Warnstreikmodus

Bsirske kann entspannt schon mal auf das große Wahlkampfthema 2017 einschwenken. Der Abschluss im öffentlichen Dienst macht es möglich. Bsirskes Erfolg treibt aber auch die Erwartungshaltung für andere Branchen in schwindelerregende Höhen. Die IG Metall, Deutschlands größte Gewerkschaft, verhandelt derzeit für die Metall- und Elektroindustrie, verlangt dort fünf Prozent mehr Lohn. Das haben die Arbeitgeber schon in Bausch und Bogen zurückgewiesen.

Die IG Metall hat deshalb am vergangenen Freitag in den Warnstreikmodus geschaltet. Ihr Vorsitzender, Jörg Hofmann, drohte im Gespräch mit unserer Redaktion mit Urabstimmung und unbefristeten Streiks, sollten die Arbeitgeber nicht nachbessern.

Hofmann nutzt seinen Auftritt in Düsseldorf, um noch einmal zu attackieren: "Wir lassen uns mit dem provokanten Angebot der Arbeitgeber nicht abspeisen und antworten in den nächsten Tagen mit massiven Warnstreiks", sagt er. "Gerecht ist, wenn die Beschäftigten ihren verdienten Anteil bekommen."

Oliver Zander von Gesamtmetall widerspricht

Die Arbeitgeber haben 2,1 Prozent in zwei Stufen und eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent geboten. "Das Angebot enthält wegen der niedrigen Inflation einen hohen Reallohnzuwachs für die Mitarbeiter", sagt Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, im Gespräch mit unserer Redaktion. Zudem sei der Produktivitätszuwachs sehr gering. "Das Angebot ist also fair und gerecht."

Hofmanns Vorwurf, dass allein die Dividendenzahlung der vier größten Branchenkonzern reichte, um die Forderung zu begleichen, lässt Zander nicht gelten: "Der Hinweis auf die Dividenden ist irrelevant für die Tarifrunde, denn Dividenden steigen und sinken je nach dem Ergebnis des Geschäftsjahres im Unternehmen. Nach dieser Logik würden dann auch die Löhne mal steigen und mal sinken."

Zudem habe Hofmann vergessen zu erwähnen, dass in manchen Unternehmen bereits Sonderprämien in Rekordhöhen an die Mitarbeiter gezahlt wurden. "Der Flächentarifvertrag mit hoher Tarifbindung funktioniert nur, wenn Mindestbedingungen tarifiert werden, sonst entsteht Tarifflucht", so Zander. "Nach den zwei alternativen Arbeitgeberangeboten tragen Kraftmeierei und Streikdrohungen der IG Metall zur notwendigen Kompromissfindung leider nichts bei."

Quelle: RP
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