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Berlin/Athen
Letzte Chance für Griechenland

Porträt: Alexis Tsipras - selbsternannter Retter Griechenlands
Porträt: Alexis Tsipras - selbsternannter Retter Griechenlands FOTO: dpa, sp ase tba
Berlin/Athen. Die Geldgeber wollen Athen ein Angebot für einen Kompromiss machen. Nach monatelangen erfolglosen Verhandlungen mit der Regierung in Griechenland dringen die Geldgeber jetzt auf einen Durchbruch. Eine neue Hilfs- und Reformvereinbarung mit Athen stehe kurz vor der Fertigstellung, hieß es aus Verhandlungskreisen. Von Birgit Marschall

Am Montag hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Präsident Francois Hollande, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, IWF-Chefin Christine Lagarde und EZB-Präsident Mario Draghi auf eine gemeinsame Linie geeinigt. Nach der Spitzenrunde ist ein Verbleib Griechenlands im Euro wahrscheinlicher geworden. Premier Alexis Tsipras hatte Entgegenkommen in einzelnen Reformfragen, etwa bei der Angleichung der Mehrwertsteuersätze auf Luxusinseln und der Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre, signalisiert. Merkel möchte vermeiden, dass Griechenland das G-7-Treffen am Sonntag und Montag in Bayern überschattet.

Für Griechenland wird die Zeit knapp. Am Freitag muss es 300 Millionen Euro an den IWF zahlen. Danach fallen zwei weitere Tranchen an; insgesamt muss Athen dem IWF im Juni 1,6 Milliarden Euro überweisen. Der Währungsfonds könnte Griechenland die Möglichkeit einräumen, alle drei fälligen Juni-Raten gebündelt erst am Ende des Monats zu zahlen. Diese Option werde unter den Geldgebern erörtert, hieß es. Tsipras erklärte, sein Land habe den Kreditgebern am Montagabend einen neuen Reformkatalog vorgelegt. Nun liege der Ball bei den Geldgebern. Die sehen das anders: Man werde Tsipras eine Art letztes Kompromissangebot unterbreiten, dieser könne nur Ja oder Nein sagen.

Bei einer Einigung erhält Griechenland die verbleibenden 7,2 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfspaket, das Ende Juni ausläuft. Da Athen aber danach weiter Geld benötigt, wird über eine Brückenfinanzierung durch die EZB spekuliert. Sie könnte Athen erlauben, weitere kurzfristige Staatsanleihen auszugeben. "Parallel zur Kompromisslösung für Juni müssen die Chefs eine Brückenfinanzierung für den Sommer finden. Griechenland braucht bis Ende September 15 Milliarden Euro", sagte der in Athen lebende Experte Jens Bastian. In der Unionsfraktion gibt es weiter Widerstand. "Entweder die griechische Regierung hält sich an die Regeln oder nicht. Tut sie es nicht, gibt es von uns nichts mehr", so Unionsfraktionsvize Michael Fuchs. Das sei aus seiner Sicht Mehrheitsmeinung in der Union.

Quelle: RP
 
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