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Düsseldorf
Genossen-Fusion: zehn Jahre Altersteilzeit

Düsseldorf. Beim Zusammenschluss der WGZ Bank (Düsseldorf) mit der DZ Bank (Frankfurt) sind wesentliche Details für den Stellenabbau geklärt. Heftig diskutiert wird bei der DZ Bank in Frankfurt aber noch über Altersvorsorge. Von Georg Winters

In neun Tagen ist in Deutschland nur noch eine Zentralbank für die Volks- und Raiffeisenbank im Lande tätig. Am 1. August startet die "DZ Bank. Die Initiativbank". Dass das neue Institut diesen Namen trägt, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass formalrechtlich das Vermögen der WGZ-Bank aus Düsseldorf auf die DZ Bank in Frankfurt übertragen wird und die Aktionäre der WGZ Anteilseigner des neuen Instituts werden.

Der Name indes könnte für manche Mitarbeiter eh wenig interessant sein - vor allem für jene, die bei dem Zusammenschluss ihren Job verlieren. Rund 700 Vollzeitstellen (das entspricht etwa 1000 Mitarbeitern) sollen bei dem Deal abgebaut werden. Der Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter, den das Management und der Betriebsrat ausgehandelt haben, steht mittlerweile. Zu den Punkten, die vereinbart worden sind, gehört, dass Mitarbeiter bis zu sechs Jahre vor Erreichen des Rentenalters den Vorruhestand beantragen können - abhängig von ihrer Betriebszugehörigkeit - und die Bank die entstehenden Abschläge bei der Rente teilweise ausgleicht. Außerdem können Mitarbeiter die Altersteilzeit je nach Betriebszugehörigkeit bis zu zehn Jahre in Anspruch nehmen - "im Block- oder Teilzeitmodell".

Wer mit einer Abfindung geht, erhält aber auf jeden Fall über zwei Jahre die Möglichkeit, sich in einer Beschäftigungsgesellschaft weiterzuqualifizieren. Schließlich sollen Mitarbeiter, die an einen anderen Standort wechseln, finanziell unterstützt werden - egal, ob sie an den neuen Ort umziehen, zwischen Wohn- und Arbeitsort pendeln oder sich einen zweiten Wohnsitz nehmen.

Dies alles haben Vorstand und Gesamtbetriebsrat der DZ Bank den Mitarbeitern in einem Vorstandsbrief im Intranet mitgeteilt. Damit sind zwar wesentliche Details für den geplanten Stellenabbau geklärt, aber es sind nicht alle Streitpunkte im Rahmen der Fusion ausgeräumt. Seit geraumer Zeit tobt bei der DZ Bank ein Streit vor allem um die Altersvorsorge. Die Mitarbeiter wollen die verbessert sehen - auch vor dem Hintergrund, dass ihre künftigen Kollegen von der WGZ-Bank besser gestellt sind als sie. Andererseits ist bei der DZ Bank das Gehaltsniveau höher. Dort verfügten vier von fünf Mitarbeitern über außertarifliche Verträge, heißt es, während bei der WGZ Bank 80 Prozent der Beschäftigten nach Tarif bezahlt würden. Das kann durchaus einen Gehaltsunterschied von 10.000 Euro oder mehr pro Jahr ausmachen.

Jedenfalls hat die Gewerkschaft Verdi schon im Juni beklagt, dass sich die Verantwortlichen bei der größeren der beiden Zentralbanken Verhandlungen über einen Haustarifvertrag für 4500 Beschäftigte verweigerten. Die Bank sprach stattdessen mit den Betriebsräten und wollte "mit einer dritten Partei" nicht verhandeln - auch wenn die wie Verdi mehr als 1000 Mitglieder unter den Beschäftigten hat. Das Argument der Bank: Man sei Mitglied im Arbeitgeberverband der Genossenschaftsbanken, und der habe Tarifverträge mit den kleineren Gewerkschaften DBV und DHV - die angeblich kaum Mitglieder bei der DZ Bank haben.

Der Versuch der Arbeitnehmer, Verhandlungen mit Verdi zu erzwingen, soll jedenfalls in einem Fiasko geendet haben. Am Tag nach der Brexit-Abstimmung in Großbritannien streikten mehrere hundert DZ-Bank-Mitarbeiter. Die Bank soll dadurch an diesem 24. Juni rund zehn Millionen Euro verloren haben. Bestätigt worden ist diese Zahl zwar nicht offiziell, aber das Management des Unternehmens soll die Zahl intern gegenüber Arbeitnehmern eingeräumt haben.

Seither herrschte angespannte Stimmung, und die ist durch die Einigung in Sachen Sozialplan längst nicht beseitigt.

Quelle: RP
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