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Spekulation um Eigenkapitalaufstockung: Gerüchte belasten HypoVereinsbank

zuletzt aktualisiert: 27.02.2003 - 17:00

München (rpo). Angeblich will die HypoVereinsbank ihr Eigenkapital mit einer milliardenschwere Anleihe aufstocken. Obwohl die Spekulationen in Bankenkreisen als falsch zurückgewiesen wurden, reagierte die Branche verunsichert.

Obwohl die Spekulationen in Bankenkreisen als falsch zurückgewiesen wurden, brach der Aktienkurs der zweitgrößten deutschen Bank am Donnerstag massiv um zeitweise mehr als zehn Prozent ein.

Während das Münchner Bankhaus entsprechende Medienberichte nicht kommentieren wollte, stellte sich die Bundesbank demonstrativ hinter das Institut. Für eine Kapitalerhöhung bestehe kein zwingender Bedarf: "Vielmehr sind Solvenz und Liquidität des Instituts gewährleistet", betonte die Bundesbank.

Zuvor hatte das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, Vorstandschef Dieter Rampl plane eine Zwangswandelanleihe - diese wird nach Ablauf der Laufzeit automatisch in Aktien umgewandelt - von drei bis vier Milliarden Euro, um den Kapitalbedarf des Bankhauses zu stillen. Die Bank müsse ihre Kapitalbasis vor allem stärken, um die internationalen Ratingagenturen zu beruhigen, die die Bonität von Banken und Unternehmen benoten, schrieb das Blatt weiter.

Die HypoVereinsbank wollte sich dazu nicht äußern: "Marktgerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht", betonte eine Sprecherin. Bankenkreise reagierten dagegen empört auf den Bericht. Aus dem Haus seien weder Pläne noch Überlegungen für eine Wandelanleihe bekannt, hieß es im informierten Umfeld.

Auch Bundesbank-Direktoriumsmitglied Edgar Meister kritisierte die Spekulationen und stellte sich hinter die Münchner Bank: "Die HVB hat aus Sicht der Bundesbank bereits vor einiger Zeit geeignete Maßnahmen zur Stärkung ihrer wirtschaftlichen Situation getroffen und ist meines Erachtens auf gutem Wege", sagte Meister. Ebenso erklärte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, er sehe keinen Grund dafür, dass die HypoVereinsbank ihr Kapital erhöhen müsste. Die Eigenkapitalquote sei deutlich über dem aufsichtsrechtlich erforderlichen Minimum.

In Bankenkreisen wurde zudem die Höhe der genannten Summe als absurd und ein Vielfaches über dem rechtlich zulässigen bezeichnet. Zurückhaltend reagierten auch Analysten. Es gebe derzeit einen Trend, quer durch die Branchen renommierte Aktientitel "über Gebühr abzuschlachten", meinte ein Finanzmarktexperte. Die großen Banken seien durchaus dabei, ihre nötigen Hausaufgaben zu machen, fügte er hinzu.

In Branchenkreisen hieß es allerdings auch, die HypoVereinsbank habe keine andere Wahl, als ihre Kernkapitalquote von zuletzt 5,6 Prozent auf sieben aufzustocken, die von den internationalen Ratingagenturen als Standard angesehen würden. Dazu müsse die Bank entweder, wie angekündigt, ihr Kreditbuch um Risikodarlehen verkleinern oder doch ihr Eigenkapital erhöhen. Letzteres würde die Aktie weiter unter Druck setzten, betonte ein Analyst.

Die HypoVereinsbank hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 858 Millionen Euro ausgewiesen und kündigte an, noch stärker die Kosten reduzieren zu wollen. Statt der angekündigten 9.100 Arbeitsplätze will die Bank bis Jahresende rund 10.100 Stellen streichen. Vorstandschef Rampl hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, bis Ende 2003 wieder die schwarze Null erreichen zu wollen.


 
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