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Stockholm
Gewerkschaft wirft H&M Ausbeutung vor

Stockholm. Der Modekonzern steht erneut wegen der Arbeitsbedingungen in Indien und Kambodscha in der Kritik. Von André Anwar

Hennes und Mauritz soll noch immer Frauen in Asien ausbeuten. Laut eines neuen Reports des Gewerkschaftsverbandes Asian Floor Wage Alliance (AFWA) lässt sich der schwedische Billigkleiderverkäufer H&M in Indien und Kambodscha von Kleiderproduzenten beliefern, die ihre Arbeiterinnen extrem schlecht behandeln. Laut dem Bericht werden dort extrem niedrige Löhne ausgezahlt, schwangere Arbeiterinnen werden einfach entlassen, Überstunden sind die Regel.

"Die Bedingungen in diesen Textilfabriken sind erschreckend, unsicher, gefährlich und den Arbeiterinnen werden fundamentale Menschenrechte verwehrt", sagt Anannya Bhattacharjee, bei AFWA für den Bericht verantwortlich. Bhattacharjee koordiniert die internationale Zusammenarbeit von Gewerkschaften in Asiens Textilindustrie.

Von August bis Oktober 2015 hat AFWA die Arbeitsbedingungen von 50 Textilarbeiterinnen im indischen Delhi und 201 Textilarbeiterinnen in Phnom Penh in Kambodscha untersucht. Demnach müssen die Arbeiterinnen in Indien bis zwei Uhr nachts arbeiten, um am nächsten Morgen wieder um neun Uhr einzustempeln. Die Gehälter seien so niedrig, dass sich die Arbeiterinnen nicht allein durch diesen Vollzeitjob versorgen können. Frauen, die schwanger sind, würden in beiden Ländern auf die Straße gesetzt, so Bhattacharjee. Nach der Geburt dürften sie zwar wieder in der Firma arbeiten, allerdings zum Gehalt von Neueinsteigerinnen.

H&M müsse aufgrund der engen Zusammenarbeit mit den Firmen informiert sein, kritisiert AFWA. Es sei nicht schwierig, sich ein Bild über die Situation der Arbeitsverhältnisse zu machen. Es reiche, die Arbeiterinnen zu befragen.

Der Bericht ist ein Rückschlag für H&M. Kaum ein anderes Bekleidungsunternehmen hat nach zurückliegenden Skandalen ähnlicher Art so viel für seinen Ruf in Sachen Menschenrechte getan. H&M räumte ein, dass der Bericht viele wichtige Fragen aufwerfe. Die Probleme ließen sich aber nur langfristig durch die Zusammenarbeit aller Branchenakteure lösen.

Bhattacharjee gibt zu, dass die Probleme für die ganze Branche gelten. Als einer der weltgrößten Kleiderverkäufer könne H&M die Produktionsbedingungen allerdings durch seine Bestellungen kontrollieren. "H&M hat die Preise so niedrig gesetzt, dass die Unterlieferanten keine Möglichkeit haben, den Schneiderinnen Rechte einzuräumen", sagt sie.

Quelle: RP
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