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Düsseldorf
Gewerkschafter rebellieren gegen Verdi-Gebietsreform

Düsseldorf. Unter der Überschrift "Baustelle Zukunft" will sich der Verdi-Bezirk NRW eine neue Struktur geben. Mehrere der 21 Bezirke sollen zusammengelegt werden. Im Gespräch sind ein Modell mit elf und eines mit neun Bezirken. Morgen will der Landesbezirksvorstand das Thema beraten. Doch schon jetzt rumort es gewaltig. Die Bezirke Rhein-Wupper und Dortmund lehnen das Vorhaben offen ab. Auch anderswo formiert sich Gegenwind. Für die Umsetzung benötigt die Landesbezirksleitung eine Zweidrittelmehrheit im Vorstand. Von Maximilian Plück

In einer ersten Projekt-Phase waren ehrenamtliche Funktionäre und Mitglieder befragt worden, was denn die Anforderungen für ihre Arbeit seien. "Dabei ist ganz klar rausgekommen, dass Verdi nicht aus der Fläche verschwinden darf", sagt Klaus Hebert-Okon, Verdi-Bezirksleiter Rhein-Wupper und einer der Hauptkritiker. "Wir müssen als Gewerkschaft Gesicht vor Ort zeigen, schnell auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen reagieren. Weiße Flecken darf es auf der Landkarte deshalb nicht geben." Zudem hätten die Mitglieder klar gesagt, dass sie sich schnell eine Antwort auf brennende Fragen und Probleme von ihrer Gewerkschaft wünschen. "Das soll künftig mit drei Verdi-Zentren in NRW (Ost, West und Mitte) passieren, die dann Anfragen per Mail oder Hotline zeitnah und über alle Einheiten hinweg beantworten sollen." Dafür werde allerdings Personal aus den Fachbereichen und insbesondere den Bezirken benötigt. "Und dafür ist es angeblich notwendig, dass Bezirke fusioniert werden", kritisiert Hebert-Okon. "Wir sehen das Streben nach Großbezirken mit großer Sorge." Zwar werde man mit den Verdi-Zentren besser auf Mitglieder eingehen können, schwäche aber mit Großbezirken deutlich die von ehrenamtlichen Funktionären und Mitgliedern ebenso gewünschte Arbeit vor Ort. Hebert-Okons Sorge: Kleinere Betriebe und Gemeinden in der Fläche würden deutlich benachteiligt, weil sich die für einen größeren Bezirk verbliebenen Hauptamtlichen stärker auf die Ballungszentren konzentrieren dürften - allein schon wegen der weiteren Anfahrtswege.

Der Widerstand liege zudem daran, dass die für die verbleibenden Bezirke ausgesuchten Kriterien so angelegt wurden, dass zwangsläufig Großbezirke herauskommen mussten, sagt Hebert-Okon. "Da werden von der Landesbezirksleitung unter dem Deckmäntelchen der Objektivität vollendete Tatsachen geschaffen." Er schlägt stattdessen vor, dass die vom Wegfall bedrohten Bezirke zwar Hauptamtliche für die Zentren abstellen, aber ansonsten die funktionierenden ehrenamtlichen Strukturen beibehalten werden.

Die Bezirksleitung wollte sich gestern nicht zu den Vorgängen äußern. Man wolle zunächst die Beschlussfassung abwarten, so ein Sprecher.

Quelle: RP
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