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Berlin
Gewinne der Bauern brechen ein

Berlin. Der Verfall der Preise und das Russland-Embargo verhageln den Landwirten die Stimmung.

Für ihre Kalkulationen genügt den Bauern längst nicht mehr der fachmännische Blick auf die Felder und in den Stall. Wie viel sie mit Getreide oder Milch und Fleisch verdienen können, richtet sich maßgeblich nach den internationalen Rohstoffmärkten. Und die globalen Kursschwankungen schlagen gerade heftig ins Kontor: Nach Jahren mit ordentlichen Gewinnen sind die Preise, die die Landwirte erzielen können, großflächig abgestürzt. Da ärgert es viele Bauern, dass Lebensmittel in den Supermärkten teurer werden.

"Derzeit tragen fast ausschließlich unsere Landwirte die Folgen schwankender und niedriger Agrarpreise", schimpft Bauernpräsident Joachim Rukwied. Und macht keinen Hehl daraus, an wen er diese Kritik adressiert: Ernährungsindustrie und Handel könnten gerade zu Niedrigpreisen bei den Agrarproduzenten einkaufen. Zugleich habe sich aber der Abstand zwischen diesen Erzeugerpreisen und vielen Endpreisen im Laden deutlich vergrößert - zum Beispiel bei frischem Schweinefleisch, Milchprodukten oder Brötchen.

Was dahinterstecke, liege auf der Hand, moniert der Bauernverband: Da seien Margen in Vermarktung und Handel ausgeweitet worden, so dass weniger bei den Landwirten ankommt. Begünstigt werde dies durch die Marktmacht der wenigen Handelsriesen in Deutschland.

Gleichzeitig sind die Gewinne der deutschen Bauern angesichts gesunkener Weltmarktpreise und politischer Barrieren beim Export nach Russland massiv eingebrochen. Im vergangenen Wirtschaftsjahr 2014/15 sackte das Unternehmensergebnis im Schnitt um 35 Prozent auf 43.300 Euro ab, wie der Bauernverband mitteilte. Davon sind noch Investitionen zu finanzieren. "Die Situation ist schwierig", sagt Rukwied. Allein Wein- und Ökobauern konnten zulegen. Der Verband erwartet für die ersten Monate 2016 keine Verbesserung.

Die wirtschaftliche Lage der Betriebe bleibe angespannt, sagte Rukwied. Bei den Investitionen sei nochmals ein Rückgang zu erwarten. Vom Gewinneinbruch sind fast alle landwirtschaftlichen Bereiche erfasst. So verbuchten die Ackerbauern ein Minus von 22 Prozent auf 60.000 Euro, bei Milchviehbetrieben von 44 Prozent auf 38.800 Euro. Der russische Einfuhrstopp für Agrarprodukte als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise schlug besonders hart auf die Obstbauern durch, deren Gewinne sich halbierten.

Für die Berechnungen wurden Buchführungsergebnisse von knapp 14.000 Betrieben ausgewertet. Sie beziehen sich auf das Wirtschaftsjahr 2014/15, das von Juli 2014 bis Ende Juni 2015 lief. Insgesamt gibt es in Deutschland derzeit noch rund 286.000 Höfe.

(dpa)
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