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Düsseldorf
Glasfaser für alle - aber erst 2025

Düsseldorf: Glasfaser für alle - aber erst 2025
FOTO: dpa, Ferl
Düsseldorf. Während NRW beim Ausbau der Internetnetze nur langsam vorankommt, präsentiert der Wirtschaftsminister nun ganz große Pläne: Glasfaser für praktisch jedermann. Die Finanzierung ist völlig unklar. Von Reinhard Kowalewsky

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin ist ein Mann mit Charme und politischem Gespür: Zehn Monate vor der Landtagswahl spricht der Sozialdemokrat darum lieber über die großen Ziele der Zukunft als über die beschwerliche Arbeit im Moment: "Wir wollen, dass 2025 jedes Haus in NRW einen superschnellen Glasfaseranschluss hat", verkündete er gestern auf dem vierten Breitbandforum des Landes. Und damit jeder weiß, dass er in historischen Dimensionen denkt, fügte er leicht ironisch hinzu: "In zehn Jahren feiern wir ja wieder NRW-Geburtstag - Prinz William ist sicher wieder dabei, Kanzlerin Merkel auch, Ministerpräsidentin Kraft ebenso - aber an einem Punkt wird es anders sein: Wir haben dann flächendeckend Glasfaser."

Mit dem Ziel rennt Duin bei den meisten Experten offene Türen ein - doch bei der Realisierung der bis zu rund acht Milliarden Euro teuren Investitionen blieb er vage. Es müsse abgewartet werden, welche Mittel Bund und EU spendieren, um in Deutschland und Europa viel mehr Glasfaseranschlüsse zu legen - bisher liegen Korea oder die USA vorne. Dann müsse analysiert werden, wie viel Geld Unternehmen sowieso in den Ausbau dieser Zukunftstechnik stecken wollen - immerhin ködert die Firma Deutsche Glasfaser am Niederrhein zehntausende Haushalte mit unsubventionierten Glasfaseranschlüssen für monatlich rund 45 Euro, weil es da bisher überhaupt kein schnelles Web gibt. Glasfaser erlaubt dagegen ein Tempo von mehr als 1000 Megabit/Sekunde.

Gerade wegen dieser technischen Stärke hat der Glasfaser-Ausbau für Duin höchste Priorität: "Viele Zukunftstechnologien wie das selbstfahrende Auto oder die digitale Überwachung von Patienten brauchen Glasfaser direkt oder bis zur Mobilfunkstation. Damit NRW zukunftsfähig bleibt, müssen wir also wohl auch eigene Mittel in die Hand nehmen."

So richtig der Vorstoß ist, so sehr überdeckt er ein Problem: NRW droht den Vorsprung beim Ausbau schneller Online-Netze von wenigstens 50 Megabit zu verlieren.

So liegt das Land zwar mit einer Versorgungsquote von 76,2 Prozent vor allen anderen Flächenländern, aber die meisten anderen Länder haben ein höheres Ausbautempo. NRW legte bei Anschlüssen von mindestens 50 Megabit/Sekunde seit 2013 nur um 8,1 Prozent auf 76,2 Prozent zu, aber Schleswig-Holstein sprang um 19 Prozent auf 74,6 Prozent hoch. "Machen wir so weiter", warnt der CDU-Wirtschaftsexperte Hendrik Wüst, "erreichen wir das Ziel der kompletten Versorgung mit 50 Megabit nur im Schneckentempo und vielleicht nie."

Duin behauptet dagegen, er sei sicher, dass in NRW bis Ende 2018 jeder Haushalt Zugang zu mindestens 50 Megabit haben werde.

Einziger Weg dahin können nur viele Ausbauprojekte sein. Doch da zeigen die Zahlen ein schwaches Bild: Der Bund hat bisher für 651 Projekte zugesagt, die Planung zu subventionieren - aber nur 107 dieser Vorhaben sind in NRW. Ginge es nach Bevölkerungsgröße, müssten fast 140 solcher Projekte in NRW sein. Ginge es nach Ausbaubedarf, liegt die Zahl von 107 aber ungefähr im Bundesschnitt.

Schlecht sieht es bei den genehmigten echten Ausbauprojekten aus. Der Bund finanziert bundesweit 55 Vorhaben. Nur vier sind in NRW - ein Armutszeugnis.

Duins Experten rechnen nun bald mit neuen Anträgen für echte Bauprojekte aus 20 Kreisen oder Städten - darunter auch aus den Kreisen Kleve, Viersen, Borken. Bei den Kreisen Wesel, Heinsberg und Rhein-Erft ist sich das Ministerium dagegen im Moment nicht sicher, ob es Anträge geben wird. Duin: "In Einzelfällen wie Rhein-Erft muss nachgehakt werden."

Quelle: RP
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