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Mountain View
Google greift Amazon an

Mountain View. Der Online-Konzern bringt ebenfalls ein Assistenzsystem fürs Wohnzimmer auf den Markt, das der Nutzer dann per Sprachbefehl befragen oder steuern kann. Gleichzeitig setzt der Konzern mit einem breiten Angebot auf Virtual Reality. Von Reinhard Kowalewsky

In den Wettbewerb um sprachgesteuerte Assistenzsysteme für zu Hause kommt Bewegung: Nachdem der Online-Händler Amazon seit wenigen Wochen sein Angebot Amazon Echo auch in Deutschland vermarktet, hat Google gestern Google Home vorgestellt. So ist klar, dass das in den USA für 129 Dollar ( 115 Euro) angebotene Gerät auch mit den Geräten des eigenen Hauselektronikanbieters Nest zusammengeschaltet werden kann. Google strebt an, dass die mit Mikrofon und vier Lautsprechern bestückte Box praktisch alle elektronischen Geräte im Haus inklusive Heizung, Garagentor, Musikanlage oder Fernseher steuern kann. Wann der Verkaufsstart in Deutschland ist, war gestern noch unbekannt. Aber zu lange wird es wohl nicht mehr dauern.

Gleichzeitig zeigte die Präsentation, wie sehr Google als größter Informationssammler der Welt bei dem neuen Angebot auch in Richtung künstlicher Intelligenz geht: Infos zur Verkehrslage und zum Wetter sind sowieso aufrufbar. Mails oder Kurznachrichten lassen sich vorlesen und beantworten. Dass sogar Kommunikation mit gleichzeitiger Übersetzung in fremde Sprachen möglich sein wird, wurde auch gezeigt. Auf Dauer ist absehbar, dass Google Home sich zum persönlichen Assistenten für jede Lebenslage entwickeln kann - inklusive Erinnerung an die Medikamenteneinnahme bei Kranken.

Zusammen mit Apples Siri treten nun drei sprachgesteuerte Assistenzsysteme gegeneinander an. Amazons Echo lässt sich vorrangig als Erweiterung des Online-Handels verstehen. Die Kunden können per Sprachbefehl Produkte, Musik oder Videos bestellen, allgemeine Infos sind eher Beigabe - also ist logisch, dass das 179 Euro teure Gerät in Deutschland besonders Abonnenten von Amazon Prime angeboten wird. Das sind Kunden, die für schnellere Lieferungen, freie Videofilme und andere Vorteile 49 Euro an jährlicher Gebühr zahlen. Sie erhalten 50 Euro Rabatt für die Echo-Box.

Der vor fünf Jahren gestartete Sprachassistent Siri von Apple ist vorrangig als Verkaufshilfe für iPhones und die Apple Watch gedacht. Zig Millionen Autofahrer in den USA und anderen Ländern können ihr Smartphone dank Siri auch während der Fahrt leicht nutzen. Nun wird es spannend zu sehen, ob Apple tatsächlich eine Extra-Box für das Wohnzimmer anbieten wird, oder ob das iPhone nicht selbst bevorzugt als Steuerzentrale für das Zuhause genutzt werden soll.

Wie Smartphones und digitale Dienste zu Hause zusammenwachsen, zeigt sich auch gestern bei Google: Die Liste für den Einkauf wird zuerst per Google Home diktiert. Doch unterwegs lässt sie sich dann auf dem Handy aufrufen.

Die Infos, die per Google Home aufrufbar sind, können auch auf zwei neuen Google-Handys aufgerufen werden, die unter dem Markennamen Pixel vorgestellt wurden und in Deutschland ab 760 Euro erhältlich sein werden.

So können Nutzer auf dem Smartphone gespeicherte Fotos nach vielen Kriterien durchsuchen lassen - in Sekunden zeigt der Bildschirm dann Fotos einer speziellen Feier. Genau die gleiche Suche von Fotos oder Videos ist dann auch per Zuruf zu Haus möglich - nur dass die Bilder dann auf dem Fernseher gezeigt werden.

Dabei ist das neue Assistenzsystem nur Teil einer Innovationsoffensive von Google. Der Konzern beschrieb gestern auch, wie entschlossen er in das Zukunftsgeschäft Virtual Reality (VR) einsteigt. Eine nur 69 Euro teure VR-Brille als Ergänzung zu den neuen Handys erlaubt, VR-Filme oder VR-Spiele zu sehen. Beim Google-Ableger Youtube lassen sich schon bald Tausende VR-Filme streamen. Google hat mit Museen oder der "New York Times" Partnerschaften für VR-Inhalte vereinbart. Natürlich können Teenager Krieg im Weltall per VR spielen, aber sie können auch das Sonnensystem so erkunden, als ob sie selber in einem Raumschiff sitzen.

Quelle: RP
 
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