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Berlin/Athen
Griechischer Regierungschef zieht Verhandlungen an sich

Porträt: Alexis Tsipras - selbsternannter Retter Griechenlands
Porträt: Alexis Tsipras - selbsternannter Retter Griechenlands FOTO: dpa, sp ase tba
Berlin/Athen. Auf ihm ruhen die Hoffnungen der 19 Euro-Staaten: Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras zeigt endlich mehr Elan und greift in die schleppenden Verhandlungen mit den Geldgebern seines von der Pleite bedrohten Landes ein. Tsipras tausche den Chefunterhändler der griechischen Delegation, einen Vertrauten von Finanzminister Giannis Varoufakis, gegen einen erfahrenen Mann aus, der das Vertrauen der Geldgeber genießt, hieß es in Athen. Zudem sei eine neue Regierungs-Arbeitsgruppe für die Verhandlungen einberufen worden. Dieser gehöre Varoufakis zwar an, doch die Koordination der Gruppe habe der stellvertretende Außenminister Euklides Tsakalotos inne. Von Birgit Marschall

Varoufakis war in den vergangenen Wochen international in die Kritik geraten, weil er sich den Reformforderungen der Euro-Gruppe hartnäckig widersetzte. Zu den Treffen der Finanzminister erschien der Grieche aus Sicht seiner Kollegen oft unvorbereitet, eine genaue Übersicht über die Haushaltslage Griechenlands lieferte er bis heute nicht ab. Zuletzt gab es Spekulationen, der Ökonomie-Professor stehe vor der Ablösung. Tsipras nahm Varoufakis, der ein enger Freund ist, gestern allerdings in Schutz und ließ erklären, Varoufakis sei zur "Zielscheibe der internationalen Presse" geworden. Er werde weiterhin "für eine nachhaltige Lösung arbeiten".

Tsipras telefonierte am Sonntag erneut mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Inhalte wurden nicht bekannt. Der 40-jährige Regierungschef hat aber wohl erkannt, dass er sich von Wahlversprechen verabschieden muss, um Griechenland im Euro zu halten. Alle Hoffnungen richten sich jetzt auf das nächste Eurogruppen-Treffen am 11. Mai. Gerüchten zufolge will er nun Rentenkürzungen, schnelleren Privatisierungen und einer höheren Mehrwertsteuer auf Urlaubsinseln zustimmen. Allerdings dürfte der radikallinke Flügel des Syriza-Bündnisses diesen Maßnahmen im Parlament nicht zustimmen. In diesem Fall solle das Volk mit einem Referendum entscheiden, welchen Weg die Regierung gehen solle, empfehlen Tsipras' Berater.

(mar)
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