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Griechenland
Banken immer mehr auf EZB-Notfall-Hilfen angewiesen

Griechenland: Banken immer mehr auf EZB-Notfall-Hilfen angewiesen
Die Mauern der Bank of Greece. FOTO: AP
Athen . Die Schuldenkrise in Griechenland schwelt weiter: Nun hält die Europäische Zentralbank (EZB) unter bestimmten Bedingungen den Geldhahn für Griechenlands Banken weiter offen.

Die Geldhäuser müssten zahlungsfähig sein, zudem seien angemessene Sicherheiten nötig, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Freitag nach einem Treffen der Euro-Finanzminister in der lettischen Hauptstadt Riga. Die Lage sei labil, es fließen laut Draghi immer noch Einlagen von den griechischen Banken ab.

Die EZB hatte zuletzt den Spielraum der griechischen Notenbank bei der Vergabe von Notkrediten ("Emergency Liquidity Assistance"/ELA) an heimische Institute mehrfach aufgestockt. Die jüngsten Fortschritte in den Verhandlungen mit der griechischen Regierung seien nicht zu leugnen, sagte Draghi weiter. Zugleich betonte er, dass bestimmte Strukturreformen absolut entscheidend seien: "Die Zeit läuft uns davon." Es müsse jetzt aufs Tempo gedrückt werden.

In der Frage der direkten Geldversorgung griechischer Banken hielt sich Draghi zurück. Seit Mitte Februar können griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten für EZB-Kredite genutzt werden. Es müsse eine "begründete Aussicht" auf einen erfolgreichen Abschluss der laufenden Überprüfung in Griechenland geben, sagte der Notenbankchef.

Die wichtigsten griechischen Banken

Großbanken: In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse.
Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen: Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem: Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen. Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten: Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleiehn: Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

 

 

(REU/dpa)
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