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Berlin
Grube darf wohl Bahn-Chef bleiben

Berlin. Sein Rivale Kefer wurde ausgebremst, Pofalla fehlt die SPD-Zustimmung.

Wer als Chef eines Konzerns regelmäßig seine Ziele verfehlt und Milliarden-Verluste macht, muss eigentlich gehen. Zumal wenn er schon 64 Jahre alt ist. Doch bei der Deutschen Bahn ist alles anders. Morgen wird Rüdiger Grube seinem Aufsichtsrat berichten, dass das Geschäft 2016 erneut nicht rund läuft. Und doch ist es wahrscheinlich, dass Grube über 2017 hinaus die Bahn lenken wird. Das hat viel mit der Politik im Staatskonzern zu tun.

Grubes Trumpf: Die große Koalition will Ruhe bei der Bahn. "Es gibt so viele größere Baustellen für die Regierung als die Bahn. Und anders als Vorgänger Hartmut Mehdorn provoziert Grube weder die Öffentlichkeit noch attackiert er Politiker", sagt ein Regierungsvertreter. Dass die Verschuldung Richtung 20 Milliarden Euro steigt und die Pünktlichkeit der Züge sinkt, löse noch keine öffentliche Empörung aus. Grube habe ja Besserung gelobt.

Zudem haben Grubes Rivalen Handicaps. Vize-Chef Volker Kefer gilt zwar als Treiber der Bahn-Reformen. Doch als Infrastruktur-Vorstand ist er auch für Stuttgart 21 zuständig. Das Projekt wird nun noch mal eine halbe Milliarde Euro teurer, der Eröffnungstermin 2021 wackelt. Ronald Pofalla gilt als zweiter Kandidat für den Chefposten und profitiert von seiner Zeit als Minister im Kanzleramt. Allerdings ist der Jurist nicht mal zwei Jahre im Unternehmen und die SPD will die Beförderung nicht mitmachen - es sei denn, im Gegenzug wird ein SPD-Politiker Bundespräsident. Die Suche nach einem neuen Bahn-Chef vor der Bundestagswahl gilt ohnehin als heikel.

Grube selbst sagt, er sei noch nie einem Job hinterhergelaufen. Zugleich pflegt er intensiv Schwarz und Rot. Jüngst bewunderte er den Modellbahn-Keller von CSU-Chef Horst Seehofer, sein Trauzeuge ist Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

(rtr)
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