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München
Gründer wollen Deutschland aus dem Mittelfeld holen

München. Kevin Spacey und Richard Branson fordern beim größten deutschen Start-up-Treff Bits & Pretzels mehr Mut. Von Daniel Fiene

Für die Teilnehmer der Gründerkonferenz Bits & Pretzels war es wie ein Auftritt des US-Präsidenten Frank Underwood aus der Serie "House of Cards", als Schauspieler Kevin Spacey appellierte: "Setzen Sie auf die, die nicht davor scheuen, die Mächtigen herauszufordern. Setzen Sie nicht auf die, die mitlaufen." Der Schauspieler, der auch Investor ist, eröffnete die dritte Auflag der Bits & Pretzels und ließ seine Erfahrung einfließen: "Kritiker können Sie für doof erklären, weil Sie ein Politik-Drama für einen Online-Streamingdienst machen. Aber keiner kann Märkte eröffnen, indem er auf Nummer sicher geht."

Ähnlich sieht es auch Richard Branson, der Gründer der Fluglinie Virgin. Auch er mahnte mehr Mut an. Und gab gleich noch ganz praktische Tipps: "Ein guter Unternehmer muss sich mit Leuten umgeben, die besser sind als er selbst", sagte er.

Wer bei dem Start-up-Treffen nach mehr solcher Weisheiten suchte, wurde schnell fündig: "Es geht darum herauszuragen und nicht reinzupassen", sagte beispielsweise Max Wittrock, Gründer von MyMüsli. Unternehmer wie er geben bis heute auf dem größten Start-up-Treffen in Deutschland ihr Wissen weiter. Dabei werden verschiedene Trends deutlich. Sigurd Jaiser vom Düsseldorfer Start-up Sipgate sagte: "Ich finde es spannend, dass Start-ups über regelmäßige monatliche Einnahmen nachdenken und ihre Strategien nicht mehr auf einen einmaligen großen Verkauf ausrichten." Die größten Trends der Szene: künftiger Handels, effiziente Mobilität, fortschrittlicher Lebensstil, ausgeklügeltes Internet der Dinge, smartere Firmen, effektivere Finanzen.

Aber auch Start-ups rund um Virtual Reality und Roboter spielen eine Rolle. So lobte Kevin Spacey ein Unternehmen, welches Medizinstudenten mit Virtual-Reality-Brillen trainiert. Auch Roboter haben den Spielebereich verlassen: Sie helfen in der Medizin. So beeindruckten die Macher von ReWalk mit einem Roboterskelett, das gehbehinderten Menschen wieder auf die Beine hilft.

Bits & Pretzels zeigt, dass die deutsche Start-up-Szene sich nicht verstecken muss. "Vor vier Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass wir in Deutschland mehrere Start-ups haben, für die sich US-Firmen interessieren", sagt Felix Haas, Konferenzmitgründer. Er nannte als Beispiel Rocket Internet, Zalando und das Düsseldorfer Unternehmen Trivago. "Die wurden zwar schon 2005 gegründet, haben aber einen langen Atem gehabt und gehen nun an die Börse Nasdaq." Das sei endlich mal Silicon-Valley-Niveau. Kampf gegen das Mittelmaß ist auch das Ziel von Kevin Spacey: "Wir sollen alle den Kampf gegen das Mittelmaß aufnehmen. Es sind die Risikoträger, die belohnt werden."

Quelle: RP
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