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Abrutschungen
Grüne warnen vor Spätfolgen des Braunkohle-Tagebaus

Abrutschungen. Vielleicht baggert RWE im Rheinland tatsächlich noch wie geplant bis 2045 nach Braunkohle. Vielleicht lohnt sich der Abbau wegen der Energiewende auch schon viel früher nicht mehr. Aber wann auch immer Schluss ist mit den riesigen Baggerlöchern in Inden, Garzweiler und Hambach: Nach dem Ende des Tagebaus droht den Reviernachbarn ein gefährlicher Grundwasseranstieg, der ihre Keller überschwemmen und die Ränder der Tagebau-Krater zum Einstürzen bringen könnte. Das befürchten die NRW-Grünen, die sich bei einer Exkursion in Ostdeutschland über die Spätfolgen des dortigen Tagebaus informiert haben. Von Thomas Reisener

Der Fraktionschef der Grünen im NRW-Landtag, Reiner Priggen, sagte gestern: "Wir müssen uns dringend um die Frage kümmern, was mit dem Rheinischen Revier nach dem Ende der Tagebaue passiert." Mindestens zwei Spätfolgen sind ohne Gegenmaßnahmen aus seiner Sicht auch in NRW zu befürchten:

Im sächsischen Neustadt an der Spree haben Hunderte Häuser, die vor Beginn des dortigen Tagebaus errichtet wurden, Wasser in den Kellern. Ursache: Durch das jahrelange Abpumpen von Wasser aus den Gruben ("Sümpfung") sank die Erdoberfläche um teilweise mehrere Meter ab. Mit dem Ende des Tagebaus wurde auch nicht mehr gesümpft. Folge: Das Grundwasser stieg wieder auf das ursprüngliche Niveau an und überschwemmte die abgesunkenen Keller. So steht heute in Neustadt ein in den 1990-er Jahren errichtetes Neubaugebiet beinahe komplett im Wasser. Im brandenburgischen Senftenberg sind aus demselben Grund 850 Gebäude bedroht.

Der Tagebau Inden, der als erster ab 2030 auslaufen soll, wird sich danach in einen riesigen See verwandeln. Später sollen Garzweiler und Hambach dem Beispiel folgen. In Sachsen wurden die ersten Tagebau-Seen schon in den 1970-er Jahren geflutet. Aber anders als geplant sind sie keine blühenden Freizeit-Landschaften. Bei 60 Prozent der Seen in der Lausitzer Landschaft ist das Betreten der Umgebung sogar verboten. Grund ist die Angst vor großen Ufer-Rutschungen an den künstlichen Seen. Wie am 13. Oktober 2010 am Bergener See, als plötzlich eine 1,8 Kilometer lange und 600 Meter breite Uferzone abbrach und in den See stürzte.

Priggen fordert eine "öffentliche Kartierung der Grundwasser- und Bodenstände vor Tagebaubeginn" für NRW. Damit könnten sich Bauherren über das Grundwasser-Risiko einzelner Grundstücke informieren. Zudem müssten die Abstände der Dörfer zur Kante der Tagebau-Löcher vergrößert werden. "Die doppelte Tagebau-Tiefe ist das Minimum. Das heißt, wir brauchen einen Abstand von deutlich mehr als 100 Metern", so Priggen.

Quelle: RP
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