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Berlin
Handel sieht Wachstum - "man gönnt sich wieder was"

Berlin. Rekordbeschäftigung, steigende Löhne, niedrige Energiepreise: Die deutschen Einzelhändler haben ihren Umsatz 2015 dank günstiger Rahmenbedingungen mit 3,1 Prozent so kräftig gesteigert wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Für dieses Jahr sagt der Branchenverband HDE ein Plus von zwei Prozent auf rund 482 Milliarden Euro voraus. "Der Einzelhandel bleibt eine Konjunkturstütze und ein Jobmotor", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Arbeitsplätze um 27.000 gestiegen.

Zur positiven Entwicklung trägt die starke Zuwanderung bei. "Wenn mehr Menschen in Deutschland sind, wird mehr konsumiert", erklärte Genth. Im Jahresverlauf 2015 erhöhte sich die Zahl der Einwohner Deutschlands um mehr als 700.000 auf mindestens 81,9 Millionen, wie das Statistische Bundesamt schätzt. Das reicht aber nicht aus, um den langfristig negativen demografischen Trend zu brechen, befürchtet der HDE: "Ab 2020/25 nimmt die Bevölkerung rapide ab", so Genth. Die Kaufkraft werde daher nicht steigen.

Große Hoffnungen setzt die Branche in den Online-Handel. Dieser soll im laufenden Jahr um elf Prozent auf gut 46 Milliarden Euro überdurchschnittlich zulegen. Der Umsatzanteil des Geschäfts über das Internet mache bereits rund zehn Prozent aus; bis 2020 könne er sich verdoppeln, sagt Genth voraus. Gleichzeitig werde sich aber der Strukturwandel fortsetzen. In den kommenden Jahren würden etwa 50.000 Läden verschwinden.

Gefragt waren im vergangenen Jahr besonders teure Güter. Der Umsatz mit Möbeln und Fahrrädern zog überdurchschnittlich stark an, ebenso der mit Kosmetik. "Man gönnt sich wieder etwas", sagte Genth. Auch im Lebensmittelhandel gehe der Trend hin zu mehr Qualität. 2015 endete für die Branche allerdings mit einer Enttäuschung: Im Dezember - auf den der Hauptteil des Weihnachtsgeschäftes fällt - sank der Umsatz um 0,5 Prozent zum Vormonat und damit so stark wie seit einem halben Jahr nicht mehr, wie aus Daten des Statistikamtes hervorgeht. "Das milde Wetter dürfte geschadet haben, denn die Winterware war bei frühlingshaften Temperaturen nicht verkaufbar", erklärte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Doch seien die Rahmenbedingungen weiter gut, "so dass der Konsum zur alten Stärke zurückfinden sollte".

(rtr)
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