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Düsseldorf
Handy-Police - ein teurer Unsinn

Düsseldorf. Vielfach ist der Versicherungsschutz eingeschränkt. Und Kunden sind lange an den Vertrag gebunden. Von Uwe Schmidt-Kasparek

Smartphone-Käufer haben schnell eine Versicherung abgeschlossen. Ob im Handy-Laden oder im Internet, überall werden solche Policen angeboten und als unerlässlich gepriesen. Tatsächlich ist der Schutz mager, die Police meist teuer. Kunden sollten deshalb genau abwägen - und auf jeden Fall prüfen, was die Versicherung leistet.

So wirbt beispielsweise der Versicherungsmakler Friendsurance für seine Handyversicherung mit einem Testsiegel als Sieger eines Vergleichs. Tatsächlich wurde aber ein altes Produkt untersucht. Die aktuelle Police ist schlechter. Sie leistet bei einfachem Diebstahl keinen Cent, wie eine Sprecherin einräumt.

Aber selbst bei Anbietern, die einfachen Diebstahl absichern, können die Kunden nicht damit rechnen, dass sie tatsächlich Schadenersatz erhalten. Bei Schutzklick (dahinter steht der Versicherungsmakler Simplesurance) zum Beispiel ist der Kunde gegen Diebstahl nur geschützt, wenn das Gerät "in persönlichem Gewahrsam sicher mitgeführt wird". Eine Frau, der aus einer verschlossenen Tasche ein Smartphone gestohlen wurde, erhielt dagegen kein Geld. Nach Meinung des Landgerichts Berlin verlangt diese Versicherungsklausel, dass der Kunde den Verschluss durch Handauflegen oder ein Zahlenschloss sichert (Az.: 7 S 26/10). Auch Telefonkosten, die ein Dieb verursacht, werden meist nicht oder nur sehr begrenzt übernommen. Und wer sein Handy liegen lässt oder es vergisst, erhält keinen Ersatz. Bei Einbruchdiebstahl aus einem Pkw - einer Leistung die es bei den meisten Anbietern gibt - muss das Handy im nicht einsehbaren Handschuhfach oder Kofferraum gelegen haben, und der Kunde muss nachweisen, dass der Einbruch zwischen 6 und 22 Uhr verübt wurde.

"Der Verbraucher wiegt sich erst in Sicherheit und ist im Schadensfall oft enttäuscht, denn es gibt eine ganze Reihe von Ausschlüssen", warnt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Der Rat des BdV ist daher eindeutig. "Hände weg von diesen überteuerten Versicherungsverträgen." Schutz gibt es in der Regel nur, wenn das Handy durch einen Bedienungsfehler oder Sturz kaputtgeht. Das Risiko ist aber klein. Sogenannte Flüssigkeitsschäden sind nicht abgesichert, wenn sie wetterbedingt sind.

Zudem sind Kunden vielfach zwölf oder 24 Monate an die Police gebunden. Außerdem wird fast immer nur auf Basis des Zeitwertes entschädigt, vielfach gibt es Selbstbeteiligungen. Dagegen zahlt die Hausratversicherung immer den Neuwert, wenn das Smartphone durch Einbruchdiebstahl aus einem geschlossenen Gebäude oder durch Raub abhandenkommt.

Wer bei Schutzklick ein 850 Euro teures Smartphone voll absichert, erhält nach einem Diebstahlschaden im 13. Monat vom Versicherer noch rund 297 Euro ersetzt. Das gilt aber nur bei sehr wertstabilen Geräten. "Maßgeblich ist der von uns ermittelte Zeitwert des Gerätes", erläutert Geschäftsführer Manuel Kester. Im Beispiel lag der Zeitwert noch über der Maximalentschädigung laut Bedingungen. Wäre das Handy nach 13 Monaten nur noch 400 Euro wert gewesen, hätte die Entschädigung bei rund 190 Euro gelegen. Zieht man davon die Prämie von rund 120 Euro ab, bleibt dem Kunden als reale Entschädigung 70 Euro übrig. Und das gilt natürlich nur für einen akzeptierten Schaden. "Wir sind aber kulant", verspricht Kester.

Quelle: RP
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