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Serie Pop-Ökonomen: Hans-Werner Sinn - Einer für die Radikalkur

VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 27.01.2006 - 14:15

Düsseldorf (RP). Die Weltwirtschaft hat Hans-Werner Sinn auf 18 Folien in seinem Laptop abgebildet. Dort erklärt der Münchener Volkswirtschaftsprofessor, warum freier Handel über Länder und Kontinente hinweg gut ist, die Löhne zu hoch sind und die ausufernden Sozialsysteme unsere Wirtschaft ersticken - wirkungsvoll untermauert durch einfache, leicht verständliche Zahlen. Quadratisch, praktisch, gut. Und höchst erfolgreich.

Wohl kaum ein deutscher Volkswirt verkauft seine Ansichten so effektvoll wie der Ökonom aus München. In Talkshows, bei Podiumdiskussionen, aber auch in Magazinen und Zeitungen ist Sinn ein höchst gefragter Partner. Das „Handelsblatt“ hat sogar ermittelt, dass kein Wirtschaftsprofessor in deutschen Medien so viel zitiert wird wie Sinn.

Dabei ist der begabte Volkspädagoge durchaus auch in der elitären Welt der Wirtschaftstheoretiker zu Hause. Sein Erstlingswerk „Capital Income Taxation“ (zu deutsch: Kapitaleinkommensbesteuerung) gilt als eine der wichtigsten Schriften zur richtigen Besteuerung von Unternehmen. Sie brachte ihm Ruhm über Deutschlands Grenzen hinweg - vor allem in der führenden Wissenschaftsnation USA.

In Deutschland hat Sinn den Durchbruch zum Pop-Ökonomen mit reichlich zugespitzten Urteilen geschafft. Sein Buch „Kaltstart“ beschrieb die Wiedervereinigung als ökonomisches Desaster und erklärte den Osten zum „Mezzogiorno“ Deutschland - analog zum unterentwickelten Süden Italiens.

„Ist Deutschland noch zu retten?“ hieß sein effektvoll inszenierter Bestseller zu den aktuellen ökonomischen Problemen der Republik. Hier empfahl er eine Radikalkur, die selbst FDP-Chef Guido Westerwelle das Fürchten lehren könnte. Und mit seinem jüngsten Buch „Basarökonomie“ brachte er die gesamte Wirtschaftselite gegen sich auf. Das „ehemalige“ Industrieland Deutschland als gigantischer Basar der Weltwirtschaft - das war selbst Top-Managern zu viel. Den Professor auf Lebenszeit muss das nicht kümmern. Und in punkto Management lässt er sich von niemandem etwas sagen. Schließlich hat er als Präsident des altehrwürdigen Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung dessen Ruf kräftig aufpoliert.

Quelle: Rheinische Post

 
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