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Düsseldorf
Haushalt, Pflege, Fahrdienst: Wie Senioren sich absichern

Düsseldorf. Immer mehr Menschen leben allein, und sie werden immer älter. Nach einem Unfall sind sie auf Hilfe angewiesen. Das kann teuer sein.

Wer als älterer Mensch einen Unfall erleidet, hat vor allem als Single oft ein großes Problem. Dazu ein fiktiver Fall, den der Malteser-Hilfsdienst beschreibt: Maria G. aus Dresden ist 72 und seit zwei Jahren verwitwet. Die beiden erwachsenen Kinder leben in Berlin und Dortmund. Beim Einkauf stürzt Frau Gerlach im Supermarkt und erleidet eine schmerzhafte Knieprellung zu. Zwei Finger der rechten Hand sind ausgekugelt. In den nächsten Wochen wird sie auf Hilfe angewiesen sein. Der Sohn engagiert einen privaten Hilfsdienst, der für die ersten 48 Stunden eine Tag- und Nachtwache stellt. Zudem wird ein Hausnotrufgerät installiert und eine Pflegekraft beauftragt, die beim An-/Auskleiden und bei der Körperpflege hilft. Zusätzlich liefert mittags ein örtlicher Dienst ein Mittagessen. Für regelmäßige Nachbehandlung im Krankenhaus und Fahrten zur Krankengymnastik wird ein Fahrdienst gestellt. Insgesamt unterstützt der Hilfsdienst Frau G. fünf Monate. Dafür zahlt ihr Sohn 4750 Euro - fast 32 Euro pro Tag.

Allein von ihrer Rente hätte die Frau das alles nicht zahlen können. Aber solche Leistungen sind versicherbar. Geleistet wird in der Regel für Menüservice, Hausnotruf, Begleitung, Fahrdienst, Einkäufe, Wohnungsreinigung, Wäschepflege und Grundpflege. Dabei übernehmen professionelle, vom Versicherer beauftrage Dienstleister wie Johanniter, Malteser, Caritas und das Deutsche Rote Kreuz die Arbeit und kümmern sich um den Betroffenen. Der Versicherte hat keinen Anspruch auf direkte Geldleistung. Und: Bei Hilfsbedürftigkeit aufgrund von Krankheit wirkt der Schutz nicht.

Bei den meisten der rund 35 Anbieter am Markt gibt es die Hilfsleistungen für Senioren nur gekoppelt an eine private Unfallversicherung. Löbliche Ausnahmen: die Arag und der Maklerversicherer Interlloyd, die Signal Iduna und die Ergo Direkt. Solchen Soloschutz gibt es für 80 bis 100 Euro pro Jahr.

In Kombination mit der Unfallversicherung ist der Hilfeschutzteil aber auch günstiger. Wer vor allem Hilfsleistung sucht, sollte bei Kombipolicen die Versicherungssumme möglichst gering halten. Wer umfassenden Schutz möchte, sollte unbedingt einen Tarif wählen, der bei Invalidität eine Kapitalleistung zahlt. Rente dagegen ist für Senioren nach einem schweren Unfall wenig empfehlenswert. "Sinnvoll ist es, schon bei kleineren Invaliditätsgraden über eine sogenannte Progressionsstaffel eine hohe Leistung zu erzielen", sagt Marco Krieter, Versicherungsberater aus Bonn.

Im Schadenfall müssen Versicherte in der Regel einen Arzt hinzuziehen, der den Umfang der Verletzungen und Einschränkungen attestiert. Zudem muss der Versicherte "unverzüglich" eine Pflegestufe beantragen, wenn die Gefahr besteht, dass der Unfall zur Pflegebedürftigkeit führt. Wer gegen diese Pflichten verstößt, kann den Versicherungsschutz verlieren. Laut Sozialrecht muss die Pflegekasse spätestens nach fünf Wochen über den Antrag entscheiden.

Gleichzeitig kann auch eine kleine Verletzung nur langsam heilen, so dass auch unterhalb der Schwelle der gesetzlichen Pflegeversicherung eine längere "privat versicherte" Hilfebedürftigkeit entstehen kann. Kunden sollten die Höchstleistungsdauer der Tarife beachten.

(usk)
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