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Berlin
Hebammen kritisieren Kreißsaal-Schließungen

Berlin. Wenn eine Geburtshilfe-Station geschlossen werden soll, formiert sich Protest - ganz gleich ob im westfälischen Meschede, auf der Ostsee-Insel Fehmarn oder in Burgwedel bei Hannover. Doch in den meisten Fällen demonstrieren Bürger vergeblich. 1991 gab es noch 1.186 Krankenhäuser mit Geburtshilfe, 2014 waren es nur noch 725. Die Geburtenrate sank im gleichen Zeitraum nur um etwa 12 Prozent. "Es ist eine dramatische Entwicklung", sagt die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes, Martina Klenk. "Wenn sich die Bedingungen zur Berufsausübung nicht verbessern, wird sich das Problem verschärfen." Dabei, fordert sie, müsste jede Frau und Familie wohnortnah Hebammenhilfe bekommen können.

Aktuell gibt es in vielen ländlichen Regionen kein Krankenhaus mit Geburtshilfe mehr. Und die bundesweit verbliebenen Geburtskliniken klagen häufig über Personalnot. Nach einer vom Hebammenverband in Auftrag gegebenen Umfrage betreuen angestellte Hebammen aktuell drei bis fünf Frauen während der Geburt gleichzeitig. "Aufgrund der enormen Arbeitsverdichtung und des Zeitdrucks wollen viele Kolleginnen nicht mehr im Kreißsaal arbeiten", berichtet Klenk. Vielerorts müssen Kliniken ihre Kreißsäle vorübergehend schließen. "Frauen, die mit Wehen vor der Tür stehen, werden abgewiesen. Wir kennen das aus München, Stuttgart oder Freiburg", sagt Klenk.

"Ein Drittel der Krankenhäuser in Deutschland macht Verluste. Vielfach bleibt den Häusern nichts anderes übrig, als die personalintensive Geburtshilfe-Station zu schließen", sagt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKGEV), Georg Baum.

Im Gemeinsamen Bundesausschuss steht heute der Sicherstellungszuschlag auf der Tagesordnung. Mit diesem Instrument sollen Krankenhäuser im ländlichen Raum, die für Notfälle wichtig sind, ergänzende finanzielle Mittel bekommen, um überleben zu können. Aus Sicht der DKGEV sollten auch Geburtshilfestationen auf diese Weise unterstützt werden. "Die Krankenkassen lehnen dies ab. Das halten wir für nicht gerade familienfreundlich", sagt Baum.

(dpa/kna)
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