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Düsseldorf
Henkel baut 1200 weitere Stellen ab

Henkel baut 1200 weitere Stellen ab
FOTO: dpa, jps fdt
Düsseldorf. In der Zentrale in Düsseldorf müssen 80 Beschäftigte gehen. Denn ausgerechnet die mit Milliardeninvestitionen ausgebaute Klebstoffsparte schwächelt bei der Rendite. Arbeitnehmervertreter warnen vor Aktionismus. Von Reinhard Kowalewsky

Arm ist Henkel wahrlich nicht: Rund fünf Milliarden Euro könnte der Dax-Konzern für Zukäufe mobilisieren. Das erklärte noch am 12. August Finanzvorstand Carsten Knobel. Auf derselben Pressekonferenz zu den Halbjahreszahlen kündigte aber Vorstandschef Kasper Rorsted "entsprechende Maßnahmen" an, um die von 17,1 Prozent auf 16,3 Prozent gesunkene Umsatzrendite in der Klebstoffsparte wieder hochzutreiben.

Zu seinem Schock rutschte der Kurs der Henkel-Aktie am selben Tag um zeitweise acht Prozent ab - die Anleger verkauften zehntausende Aktien, auch weil die Klebstoffsparte rund die Hälfte des Konzernumsatzes einfährt.

Einerseits trifft die China-Krise überdurchschnittlich, andererseits droht in der Klebstoffsparte nun auch noch ein weiterer Rückschlag, weil VW und die ganze deutsche Autoindustrie als wichtige Abnehmer wackeln.

Seit gestern ist klar, wie Rorsted die Gewinne wieder hochtreiben will: Rund 1200 Stellen im Klebstoffbereich fallen bis April 2016 weg. Das meldet die "Wirtschaftswoche". Das Unternehmen bestätigt dies. Konkret werden in Deutschland 100 Arbeitsplätze wegfallen, davon 80 in Düsseldorf, wo 5500 Arbeitnehmer beschäftigt sind.

Außerdem wird aus Firmenkreisen bekannt, dass in Asien 500 bis 600 Jobs gestrichen werden, in Nordamerika rund 200. Ausländische Standorte tragen also die Hauptlast des Umbaus. Henkel beschäftigt insgesamt weltweit knapp 50.000 Mitarbeiter, rund die Hälfte davon in der Klebstoffsparte.

Die Vertreter der Düsseldorfer Arbeitnehmer sind wegen des neuen Sparkurses alarmiert. "Kurzfristiger Aktionismus" lautete die Kritik auf einer internen Betriebsversammlung mit dem für die Klebstoffsparte zuständigen Vorstand Jan-Dirk Auris. Denn das Geschäft rund um Pritt und Loctite sei teuer ausgebaut worden - da bringe es wenig, nun hektisch Stellen zu streichen. So wurde National Starch im Jahr 2008 für 3,7 Milliarden Euro geschluckt.

Jetzt versucht der Betriebsrat, einigen der bereits angesprochenen rund 100 Mitarbeitern noch den Job zu retten: "Sicher ist ja nur, dass die Stellen im Klebstoffbereich wegfallen", heißt es aus Arbeitnehmerkreisen, "vielleicht gibt es ja Ersatzaufgaben in anderen Bereichen."

Gleichzeitig hat das Unternehmen ein großes soziales Problem: Wegen früherer Sparprogramme und wegen kontinuierlicher Rationalisierungen gibt es nur noch wenige Mitarbeiter über 55 oder 57 Jahren, denen man eine Frühpensionierung anbieten kann. Es müssen also hohe Abfindungen fließen, um wie gewollt auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu können. Immerhin hatte Henkel sowieso für das ganze Jahr bis zu 200 Millionen Euro an Kosten für "Umstrukturierungen" eingeplant - davon sind 117 Millionen Euro noch nicht verbucht.

"Rein rechnerisch werden also pro Job rund 100.000 Euro an Abfindung fließen", meint ein Personalexperte, "aber weil in Deutschland Stellenabbau viel schwerer ist, sind die zu erwartenden Zahlungen hierzulande besonders hoch.'"

Henkel selbst versucht die Bedeutung des neuen Personalabbaus herunterzuspielen. Es gehe nur darum, den bereits bis Ende 2016 geplanten Personalabbau vorzuziehen, erklärt die Pressestelle. Damit lässt sie die Vermutung zu, dass die nächsten Sparrunden folgen - Rorsted plant ja eine weitere Digitalisierung aller Geschäfte und den weiteren Ausbau von "Shared-Service-Zentren", um einfache Büroarbeiten in Billiglohnländer zu verlagern.

Zum Teil bestätigt die aktuelle Aktion diesen Kurs. Laut Insidern fällt kein Job in der eigentlichen Produktion in Deutschland weg, dafür aber eben rund 100 Bürojobs. Dies ist umso mehr auffallend, weil im Klebstoffbereich in Düsseldorf mit 1650 Mitarbeitern 200 Kollegen und Kolleginnen mehr beschäftigt sind als noch 2013. Auch in Düsseldorf ging die Zahl der Beschäftigten übrigens seit 2013 etwas hoch, erklärt die Firma.

Quelle: RP
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