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Düsseldorf
Henkel bereitet neues Umbauprogramm vor

Düsseldorf. Der Konzern meldet einen Quartals-Umsatzrekord. Gleichzeitig will der neue Vorstandschef deutlich sparen. Von Reinhard Kowalewsky

Der seit Mai amtierende Henkel-Chef Hans van Bylen hat ein Umbauprogramm angekündigt. Bei der Vorlage der Quartalszahlen sagte er gestern auf Nachfrage: "Insgesamt ist es so, dass wir weitere Effizienzmaßnahmen und Portfolio-Maßnahmen sehen, um kontinuierlich unsere Marge zu steigern." Details werde er am 17. November mitteilen, wenn der Vorstand seine Ziele für die nächsten vier Jahre vorstelle. Die Aktionäre interessiert dabei am meisten, welche Gewinnmarge der Konzern anpeilt, die Mitarbeiter, ob und wo Jobs gestrichen werden könnten.

Insider vermuten, dass van Bylen zumindest in Düsseldorf keinen größeren Jobabbau ankündigen wird. Weil der Konzern weiter schnell wachse, sei es eher das Ziel, mehr Arbeit mit einer ähnlich großen Mannschaft wie jetzt zu schaffen, als Stellen zu streichen. Vor einer Woche hatte van Bylen in der "Financial Times" erklärt, das Unternehmen werde voraussichtlich ungefähr am jetzigen Personalbestand festhalten. Er werde aber auch mehr "Ressourcen" innerhalb des Unternehmens umverteilen. Aktuell arbeiten 52.000 Menschen bei Henkel.

Teile des neuen Effizienzprogrammes zeichnen sich schon ab. So wird Henkel deutlich mehr in die Digitalisierung von Geschäftsprozessen investieren. Das soll Geld sparen und helfen, Kunden stärker direkt anzusprechen. Dabei glaubt van Bylen nicht, dass die Gewinne von Henkel sinken könnten, wenn mehr Waren im besonders wettbewerbsintensiven Web verkauft werden: "Es geht darum, starke Marken zu haben, um Kunden von seinem Angebot zu überzeugen. Die stärkeren Marken werden auch im Internet gewinnen."

Außerdem wird Henkel noch mehr auf Zukäufe setzen. Van Bylen und Finanzvorstand Carsten Knobel betonten, dass der Konzern sich weiter weltweit nach Akquisitionszielen umschaue. Den soeben vollzogenen, 3,2 Milliarden Euro teuren Zukauf des US-Waschmittelanbieters Sun konnte der Konzern bekanntlich praktisch ohne Zinsen finanzieren. "Wir haben das Vertrauen der Finanzmärkte", so Knobel.

Wie gut es dem Familienkonzern geht, bestätigen die Zahlen: Der Quartalsumsatz lag mit 4,75 Milliarden Euro so hoch wie nie. Das bereinigte operative Ergebnis der ersten neun Monate liegt bei 2,4 Milliarden Euro auch auf Rekordniveau. Und als Free-Cashflow (freie Mittel) meldet Henkel 1,6 Milliarden Euro in nur neun Monaten. Umgerechnet aufs Jahr kann Henkel also alle zwölf Monate Zukäufe von mehr als zwei Milliarden Euro finanzieren, ohne neue Schulden aufzunehmen.

Gleichzeitig zeigt die Bilanz, wie der Konzern auf höhere Gewinne getrimmt wird. Bis zu 300 Millionen Euro sollen noch dieses Jahr für Restrukturierungen ausgegeben werden. Damit soll vorrangig die Integration von Sun in den USA inklusive Rationalisierung bezahlt werden. Kurzfristig sinkt aber die Rendite im Waschmittelsektor, weil Sun weniger profitabel ist als Henkel. Gleichzeitig verringert der Vorstand die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Werte um rund 100 Millionen auf bis zu 600 Millionen Euro. Es wird also auch gespart.

Quelle: RP
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