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Düsseldorf
Henkel: Milliardendeal in Nordamerika

Düsseldorf. Der Düsseldorfer Konzern übernimmt für etwa 3,2 Milliarden Euro den US-Waschmittelhersteller Sun Products und baut so sein Geschäft in Amerika deutlich aus. Der Zukauf ist der erste große Deal des neuen Henkel-Chefs Hans Van Bylen. Von Reinhard Kowalewsky

So selbstbewusst ist Henkel: Gestern hat der Konzern den 3,2 Milliarden Euro teuren Zukauf des US-Waschmittelherstellers Sun Products verkündet - und Vorstandschef Hans Van Bylen hielt nicht einmal eine Pressekonferenz für nötig. Das ist umso bemerkenswerter, als es die größte Akquisition seit acht Jahren ist. Auch eine Telefonkonferenz mit Analysten wie zur Vorlage der Quartalszahlen gab es nicht. Die Henkel-Aktie brauchte das auch nicht: Während der Dax wegen des Brexit abstürzte, ging der Henkel-Kurs leicht hoch.

Das Geschäft bestätigt, dass der neue Chef an der Strategie seines Vorgängers Kasper Rorsted festhält. Kleinere und größere Zukäufe sollen das Geschäft der drei Sparten Klebstoffe, Waschmittel und Schönheitspflege/Haarwaschmittel geschickt erweitern - da kommen in den USA und Kanada beliebte Marken wie All, Sunlight und Snuggle wie gerufen. Henkel will sein Portfolio ausgeglichen halten - nun hilft Sun, das Gewicht der eher auf Privatkunden gerichteten Sparte Waschmittel (Persil, Purex, Pril) von 28 auf 36 Prozent zu erhöhen, während das konjunktursensiblere Klebstoffgeschäft mit Marken wie Pritt und Loctite nur noch 46 statt 50 Prozent ausmacht. Rund 20 Prozent macht dagegen das bisher von Hans Van Bylen geleitete Schönheitspflegegeschäft rund um Schwarzkopf und Fa aus - da gibt es also Luft nach oben, Wella als möglicher Wunschkandidat war Henkel 2015 zu teuer.

Der Zukauf hilft auch, noch internationaler zu werden und sich in den USA besser aufzustellen. Nachdem Rorsted vergangenes Jahr bereits Persil mit vielen Millionen Dollar Werbegeld in den USA zur bekannten Marke gemacht hatte, wird Henkel mit Sun zweitgrößter Anbieter von Waschmitteln in den Staaten als weltweit wichtigstem Markt. Und so ganz nebenbei demonstriert das Familienunternehmen finanzielle Stärke. Statt den Kauf zum Teil mit der angesparten Finanzreserve von rund 500 Millionen Euro zu finanzieren, lässt Finanzvorstand Carsten Knobel die Deutsche Bank und andere Geldhäuser die Rechnung per Kredit bezahlen. "So halten wir das Pulver trocken für weitere Geschäfte", sagt ein Insider, "und die Banken sind froh, ihr Geld bei uns zu parken."

Gemessen daran, dass Van Bylen erst acht Wochen Vorstandschef ist, macht er damit enorm Tempo. Intern hat der Belgier auch schon gesagt, dass ihm Zukäufe sehr wichtig sind. Dabei sind noch deutlich größere Deals als mit Sun möglich. Schon vor vier Jahren hatte Rorsted aggressivere Akquisitionen angekündigt, aber da machte der Konzern erst 16 Milliarden Euro Umsatz statt der für 2016 erwarteten 20 Milliarden Euro. Jedes Jahr kann aus dem auf zwei Milliarden Euro gestiegenen Gewinn mindestens eine Milliarde Euro für Zukäufe abgezweigt werden. Macht vier Milliarden Euro in vier Jahren ohne Kredit.

Wie viele Milliarden könnte Henkel für einen neuen Deal einsetzen? Für Sun zahlen die Deutschen mit 3,2 Milliarden Euro mehr als das Doppelte des Sun-Umsatzes von 1,4 Milliarden Euro. Das ist ein stolzer Preis für eine Firma mit 2000 Mitarbeitern. Aber Henkel selbst wird von der Börse ähnlich teuer bewertet und kann in den Vereinigten Staaten nun viele andere Wettbewerber außer Marktführer Procter & Gamble abhängen. Insgesamt könnte Henkel locker sechs Milliarden Euro für ein weiteres großes Geschäft stemmen, glauben Insider.

Quelle: RP
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