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Berlin
Höchste Zahl an Baugenehmigungen seit 16 Jahren

Berlin. Die Zahlen bleiben nach Einschätzung von Branchenverbänden allerdings immer noch weit hinter dem Bedarf zurück.

Die Zahl der Genehmigungen für den Bau neuer Wohnungen in Deutschland ist in den ersten sechs Monaten so hoch ausgefallen wie seit 16 Jahren nicht mehr. Bis Ende Juni lag sie um mehr als 30 Prozent über dem Niveau des gleichen Vorjahreszeitraums, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Insgesamt genehmigten die Behörden 182.800 Wohnungen. "Eine höhere Zahl hatte es im ersten Halbjahr zuletzt im Jahr 2000 gegeben", hieß es. Damals waren es 185.000.

Der Bauboom wird derzeit von niedrigen Zinsen, dem steigenden Bedarf durch die hohe Zuwanderung, wachsenden Großstädten wie Berlin und der guten Konjunktur befeuert. Investoren stecken auch mangels attraktiver Anlagealternativen mehr Geld in Wohnungen und Häuser.

Die Zahlen bleiben nach Einschätzung von Verbänden der Branche allerdings weit hinter dem Bedarf zurück. "Mit dem erhofften Wohnungsbau-Boom hat das bis jetzt nichts zu tun", kommentierte der Präsident des GdW-Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft, Axel Gedaschko, "genehmigt ist noch lange nicht gebaut." Wie der GdW verwies der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) darauf, der größte Anstieg von Genehmigungen sei für Wohnheime zu verzeichnen, zu denen auch Flüchtlingsunterkünfte zählten. Diese trügen nicht zu einer dauerhaften Entlastung auf den Wohnungsmärkten bei. Allerdings gab es auch ohne Berücksichtigung der Wohnungen in Wohnheimen noch ein Plus von 22,5 Prozent.

Bundesregierung und Immobilienwirtschaft schätzen den jährlichen Neubaubedarf auf 350.000 bis 400.000 Wohnungen. Im vergangenen Jahr wurde das Ziel merklich verfehlt: Rund 250.000 Wohnungen wurden fertiggestellt. Mieterbund und der GdW-Bundesverband fordern deshalb mehr öffentliche Gelder für den sozialen Wohnungsbau, attraktivere Förderbedingungen und die Überarbeitung gesetzlicher Vorgaben, die das Bauen einschränken. "Die Politik muss vom Erkenntnismodus nun endlich in den Entscheidungsmodus umschalten", forderte Gedaschko. Das richte sich vor allem an Stadträte: "Eines fehlt ganz besonders, und das ist bezahlbares Bauland." Der GdW-Präsident kritisierte erneut Pläne von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), die Grundlage für Mietspiegel zu verbreitern, was Spielräume für Mieterhöhungen verringern würde.

(rtr)
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