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Frankfurt
Höhere Lasten für Lebensversicherer

Frankfurt. Laut Assekurata sind zwölf Milliarden Euro für die Zinszusatzreserve fällig.

Auf die deutschen Lebensversicherer kommen nach Schätzungen von Experten angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen noch höhere Belastungen zu. Die Firmen müssten branchenweit voraussichtlich zwölf Milliarden Euro als Zinszusatzreserve zurücklegen, so viel wie noch nie, sagte gestern der Geschäftsführer der Kölner Ratingagentur Assekurata, Reiner Will.

Die Lebensversicherer müssen auf Geheiß der Finanzaufsicht Bafin seit fünf Jahren zusätzlich Geld zurücklegen, um die versprochenen Zinsgarantien erfüllen zu können. Diese Zinszusatzreserve summiert sich inzwischen auf 32 Milliarden Euro, allein im vergangenen Jahr legten die Versicherer laut Bafin rund zehn Milliarden Euro dafür zurück.

Im Durchschnitt geht die Überschussbeteiligung der deutschen Lebensversicherer für private Rentenversicherungen nach einer Erhebung von Assekurata in diesem Jahr auf 2,86 (Vorjahr: 3,16) Prozent zurück. Nur vier von 59 untersuchten Lebensversicherern hielten die laufende Verzinsung konstant, bei allen anderen sank sie. Für bestehende Verträge müssen die Lebensversicherer aber zum Teil deutlich höhere Überschussbeteiligungen zahlen, weil die garantierte Verzinsung bis 2003 bei mehr als drei Prozent gelegen hatte. Mehr als die Hälfte der Verträge bekommen damit laut Assekurata 2016 mindestens drei Prozent gutgeschrieben. Im Schnitt liege die Überschussbeteiligung im Bestand bei knapp drei Prozent. Die laufende Verzinsung bezieht sich jeweils nur auf den Sparanteil der Beiträge - nach Abzug von Abschluss- und Verwaltungskosten. "Wer heute eine private Rentenversicherung mit 1,25 Prozent Garantiezins abschließt, hat aus heutiger Sicht nach 25 Jahren eine garantierte Beitragsrendite von 0,42 Prozent", sagte Assekurata-Analyst Lars Heermann.

Versicherer wie Allianz oder die Munich-Re-Tochter Ergo versuchen der Misere an der Zinsfront mit neuartigen Vertragsmodellen ohne klassischen Garantiezins zu begegnen.

(rtr)
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