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Stockholm
Ikea-Manager: Der Westen hat genug Möbel

Stockholm. Ikea-Nachhaltigkeitschef Steve Howard glaubt, dass viele westliche Konsumenten keine neuen Möbel mehr brauchen. Der schwedische Möbel-Riese sucht und probt daher verschiedene Alternativen zum klassischen Geschäftsmodell. Von André Anwar

Die Menschen auf den westlichen Märkten haben eigentlich schon genug Möbel. Das sagt ausgerechnet Ikea-Konzernleitungsmitglied Steve Howard bei einem von der britischen Zeitung "Guardian" veranstalteten Nachhaltigkeitssymposium. Westliche Konsumenten hätten im Grunde schon so viel Güter, dass sie ihr Limit beim "Sachen kaufen" erreicht hätten, sagte er dort. Man habe in vielen Branchen den Verkaufshöhepunkt erreicht.

Das Unternehmen ist nicht ganz glücklich über die Aussage seines Managers. "Dieses Zitat ist etwas aus seinem Zusammenhang gerissen", sagte Pressechefin Josefin Thorell. Ikea habe keine Probleme, weiter konventionell mit dem Verkauf von Möbeln zu wachsen. "Es gibt noch so viele kaum erschlossene Märkte."

In der Tat kann sich der Konzern bislang nicht beklagen. Erst kürzlich wies er einen Nettogewinn von 3,5 Milliarden Euro für das vergangene Jahr aus. Das ist ein Plus von 5,5 Prozent zum Vorjahr. Die Expansion in immer weitere Märkte läuft unvermindert fort. Im Sommer will Ikea in Wuppertal sein 51. Möbelhaus in Deutschland errichten.

Gleichzeitig räumt Thorell aber auch vorsichtig ein, dass der Billigmöbelkonzern mit neuen Strategien in den Startlöchern steht, um Sättigungsentwicklungen im westlichen Möbelmarkt zu begegnen. Denn bis 2020 will IKEA seinen Umsatz verdoppeln. In den bereits weitgehend erschlossenen europäischen Märkten ist das nicht nur mit der Gründung neuer Filialen zu schaffen.

Laut Nachhaltigkeitschef Howard will der Konzern deshalb mehr auf Nachhaltigkeit, Wiederverwertung und damit verbundene Verbraucherwünsche setzen. "Wir wollen im steigenden Maße ein zirkuläres Ikea errichten, wo Produkte repariert oder wiederverwertet werden können", sagte er. So unterstützt Ikea immer häufiger auch den Weiterverkauf gebrauchter Ikea-Möbel. "In mehreren europäischen Ländern organisieren wir Flohmärkte", sagte Josefin Thorell. In Schweden etwa können Kunden auf der ansonsten kostenpflichtigen Kleinanzeigenseite "Blocket" dank eines Abkommens mit dem Konzern kostenlos Ikea-Produkte verkaufen. Letztlich sei auch der Kauf gebrauchter Ikea-Produkte verkaufsfördernd, so der Hintergedanke der Konzern-Manager.

Auch der Einkauf wird immer weiter vereinfacht. Der Onlineverkauf wurde ausgebaut, Kunden können von daheim gegen ein geringes Aufgeld auch Ikea-Mitarbeiter anweisen, ihre Bestellung zusammenzustellen. Gleichzeitig gibt sich Ikea Mühe, den Besuch in einer Filiale mit günstigen Gerichten und Getränken sowie Kinderbetreuung zu einer schönen Freizeitaktivität aufzuwerten. Vom Gesamtumsatz von 31,9 Milliarden Euro wurden 2015 insgesamt 1,6 Milliarden Euro im Bereich Lebensmittel gemacht.

Daneben unternimmt Ikea viel für seinen Ruf in Sachen Nachhaltigkeit. Auch umweltbewusste Konsumenten sollen beim Möbelkauf kein schlechtes Gewissen bekommen - obwohl Ikea etwa ein Prozent des weltweiten Holzes und 0,6 Prozent der weltweiten Baumwolle verbraucht. Auch der CO2-Ausstoß in Fertigung und Transport ist groß. Um seine Ökobilanz zu verbessern, investiert das Unternehmen viel Geld in erneuerbare Energien. Bis 2020 sollen alle Betriebe der Ikea Industries CO2-neutral werden. Bis 2020 soll außerdem 100 Prozent des Ikea-Holzes aus nachhaltiger Forstwirtschaft kommen. Bei der Baumwolle setzt Ikea auf Bauern, die strenge Ökokriterien bei Wasser- und Chemikalienverbrauch erfüllen. Ganz uneigennützig ist das natürlich nicht: Einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Dr. Grieger & Cie. zufolge ist Nachhaltigkeit für drei Viertel der Käufer wichtig.

Quelle: RP
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