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Berlin
Im Kaufhaus kostet die Plastiktüte jetzt 30 Cent

Berlin. Umweltministerium und Handelsverband einigten sich auf eine Selbstverpflichtung. 260 Unternehmen machen mit. Von Laura Ihme

Wer beim Einkauf in der Innenstadt oder im Supermarkt nicht auf die Plastiktüte für seine Besorgungen verzichten mag, muss künftig in immer mehr Geschäften zahlen: Gestern haben das Bundesumweltministerium und der Handelsverband Deutschland (HDE) eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Darin verpflichten sich insgesamt 260 Unternehmen, künftig Plastiktüten nur noch gegen Geld an ihre Kunden auszugeben. Innerhalb von zwei Jahren sollen mit Hilfe dieser Vereinbarung rund 80 Prozent der in Umlauf gebrachten Plastiktüten kostenpflichtig werden.

Inkrafttreten wird die neue Maßnahme ab dem 1. Juli. Ab diesem Datum werden die Kunden in vielen Geschäften erstmals für die Plastiktüten zahlen müssen. Einen festgelegten Betrag gibt es dafür nicht. "Aus kartellrechtlichen Gründen ist es nicht möglich, festzulegen, was eine Plastiktüte zu kosten hat", sagte gestern ein Sprecher des Handelsverbandes. Der Verband erwartet jedoch Preise von fünf bis 50 Cent, hochwertigere Tüten könnten einen Euro kosten. Die meisten Geschäfte informieren ihre Kunden darüber bereits jetzt zum Beispiel mit Schildern an der Kasse. So hat etwa die Galeria Kaufhof gestern angekündigt, für kleine und mittlere Tüten bereits ab Mai zehn und für große Tüten 25 Cent zu verlangen. Karstadt hat sogar schon zum 1. März Gebühren von fünf bis 30 Cent je nach Größe der Taschen erhoben.

Aus dem Weg gehen können Kunden der neuen Regelung fast nicht: Unter den ersten 260 Unterzeichnern der Vereinbarung befinden sich fast alle großen Handelskonzerne, darunter außer den großen Kaufhäusern auch Modehäuser wie C&A und Hennes & Mauritz sowie Buchläden und Supermarktketten, bei denen etwa Aldi, Lidl, Rewe und Edeka zu den Unterzeichnern gehören. Dort ist es jedoch ebenso wie bei vielen anderen Unterzeichnern der Erklärung bereits seit Jahren Usus, dass Kunden für die Einkaufstüte aus Plastik Geld bezahlen. "Die Unternehmen haben trotzdem die Vereinbarung unterschrieben, um damit auch ein Signal für andere, die noch nicht mitmachen, zu setzen", heißt es vom HDE. Schließlich zählt allein der Verband insgesamt 100.000 Mitglieder, von denen viele ebenso wie Nicht-Mitglieder noch unterschreiben könnten.

Eine große Handelskette, die beispielsweise nicht mit dabei ist, ist die Supermarktkette Real. Derzeit seien dort weder Preiserhöhungen noch der komplette Wegfall des Angebots an Plastiktüten geplant, hieß es gestern auf Anfrage. Ein Teil der Plastiktüten dort wird ebenfalls bereits zum Schutz der Umwelt kostenpflichtig angeboten, an den dortigen Selbstbedienungskassen können Kunden jedoch kostenfrei ihre Einkäufe in Plastik verpacken - und werden dies auch künftig weiter tun können.

Am Ende ist die Selbstverpflichtung des Handels vor allem eine politische Maßnahme: Denn mit der Vereinbarung greift der HDE einer gesetzlichen Regelung vor. Diese gibt es nun zunächst nicht. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kündigte jedoch an, genau zu überprüfen, ob die Regelung umgesetzt und die Quote von 80 Prozent kostenpflichtiger Tüten binnen zwei Jahren erreicht wird. Passiert dies nicht, wird es wohl doch ein Gesetz geben, um auch die EU-Richtlinie zum Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten einzuhalten: Diese sieht vor, dass der Verbrauch bis 2019 auf höchstens 90 Tüten pro Einwohner und bis 2025 auf 40 verringert wird. Der Verbrauch der Deutschen liegt derzeit bei 71 Tüten pro Person und Jahr.

Quelle: RP
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