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Handwerk
Immer mehr Bäcker und Metzger schließen

Berlin. 1995 zählte der Zentralverband des Deutschen Handwerks noch 51.764 Bäcker-und Fleischerbetriebe, 2015 nur noch 26.603. Immer mehr Betriebe (müssen) schließen. Die Zahlen hat die Bundesregierung gerade für eine Anfrage der Grünen zusammengetragen. Zum Thema Neugründungen heißt es in der Antwort: Bei den Bäckern sei ein "deutlicher Rückgang zu erkennen", bei Fleischern seien sie "eher die Ausnahme". Die Ursachen laut Bundesregierung: komplexe Rahmenbedingungen, harter Wettbewerb, Verdrängung.

Ganz so düster wollen die Fachverbände das Bild nicht zeichnen. So hätten etwa die 12.155 Bäckerbetriebe im Land ihren Umsatz um eine halbe Milliarde auf 14 Milliarden Euro gesteigert, sagt Daniel Schneider vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Allerdings: Gut 65 Prozent des Gesamtumsatzes wurde von nur 4,3 Prozent der Betriebe erwirtschaftet. Für die schönen Zahlen sind die großen Bäckereiunternehmen zuständig.

Bei den Fleischern sieht es ähnlich aus. Als Hauptursache für den Schwund sieht Gero Jentzsch, Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbands, einen "flächendeckenden Mangel an qualifiziertem Fachpersonal". Die Bäcker berichten ebenfalls von Nachwuchssorgen. Viele Lehrstellen bleiben frei.

Auch sonst ähneln sich die Klagen der Verbände: Die Konkurrenz durch Discounter ist gewaltig, steigende finanzielle Belastungen etwa durch den Mindestlohn und viel Bürokratie belasten die Handwerker. "Viele Bäcker müssen am Wochenende unzählige Stunden mit Büroarbeit verbringen", sagt Schneider. Und Politik werde hauptsächlich für die Großen gemacht.

Das kritisieren auch die Grünen. So müssen die kleinen Betriebe wie alle Stromkunden die EEG-Umlage bezahlen, die die Energiewende mitfinanziert. Rabatte bekommen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz dagegen "stromkostenintensive Unternehmen" im internationalen Wettbewerb. Aber nicht nur die, beklagen Bäcker, Metzger und Grüne. Rabatte bekämen auch Hersteller sogenannter Teiglinge, die auch den deutschen Einzelhandel mit backfertigem Teig belieferten.

"Hochgradig unfair" nennt Jentzsch das, Schneider spricht von "staatlicher Wettbewerbsverzerrung". Für einen kleinen Betrieb könnten die jährlichen EEG-Umlagekosten im hohen fünfstelligen Bereich liegen, weil Öfen viel Energie brauchen. "Die EEG-Umlage ist das beste Beispiel, wie aus einem harten ein unfairer Wettbewerb wird", sagt Markus Tressel, Sprecher der Grünen-Fraktion für regionale Wirtschaftspolitik.

(dpa)
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