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Überschuldung
Immer mehr Deutsche sind überschuldet

Immer öfter tappen ältere Menschen in eine Schuldenfalle
FOTO: dapd, Sebastian Willnow
Düsseldorf. Trotz guter Wirtschaftslage waren im Jahr 2015 mehr Deutsche verschuldet als in den Jahren davor. Das geht aus dem Schuldneratlas der Unternehmensgruppe Creditreform hervor. Rund 6,7 Millionen Bürger über 18 Jahren haben mehr Schulden, als sie begleichen können. Die Schuldnerquote ist um 0,7 Prozent auf 9,92 Prozent gestiegen. Die Quote beschreibt den Anteil der über 18-Jährigen, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Der Anstieg fiel aber geringer aus als erwartet, weil gleichzeitig die Bevölkerung gewachsen ist. Die bundesweite Schuldnerquote ist erstmalig wieder so hoch wie seit der Finanzkrise im Jahr 2008.

Die gute Wirtschaftslage beeinflusst zwar nicht die Anzahl der Schuldner, wohl aber die Gründe, warum Menschen in der Schuldenfalle landen. Immer noch ist Arbeitslosigkeit der Hauptgrund, es entfallen allerdings nicht mehr 28,2 Prozent wie im Jahr 2008, sondern nur noch 17,9 Prozent der Überschuldungsfälle auf den Verlust des Arbeitsplatzes. Dagegen stieg der Anteil derer, die wegen Erkrankungen, Unfällen oder unwirtschaftlicher Haushaltsführung zu viele Schulden haben.

Mit einer Schuldnerquote von 11,5 Prozent liegt NRW 1,6 Prozentpunkte über dem bundesweiten Durchschnitt. Das Ruhrgebiet gehört zu den Spitzenreitern, was die Anzahl der Schuldner betrifft. Die Stadt Duisburg führt die Liste der Städte mit über 400.000 Einwohnern hinsichtlich der höchsten Schuldnerquote an, es folgt ebenfalls eine Stadt aus dem Ruhrgebiet: Dortmund, kurz dahinter auch Essen.

In den neuen Bundesländern liegt die Schuldnerquote mit 10,26 Prozent über dem Wert der alten Bundesländer mit 9,86 Prozent. Männer sind stärker verschuldet als Frauen, doch auch bei diesen lässt sich eine steigende Tendenz erkennen.

Die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen hat am meisten Schwierigkeiten, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Außerdem nimmt die Überschuldung im Alter rapide zu. Zwar sind die absoluten Zahlen im Vergleich eher gering, der Anstieg in Prozent ist allerdings ein Warnsignal für die Zukunft. In den letzten beiden Jahren stieg diese bei den über 70-Jährigen um 35 Prozent. "Man sollte tunlichst schuldenfrei in die Rente gehen", sagt Rudolf Martens vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, der sich mit dem Thema Altersarmut beschäftigt hat. Denn im Rentenalter werde es extrem schwierig, seine Schulden abzubauen. Eine gute Nachricht gibt es: Die Zahl der Schuldner unter 30 Jahren ist weiterhin rückläufig. Und: "Die Lage für die deutschen Verbraucher ist im europäischen Vergleich relativ entspannt", sagt Helmut Rödl, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Creditreform.

(Katrin Haas)
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