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Berlin
In Berlin sind Azubis öfter krank als in Bayern

Berlin. Der Fehlzeitenreport der AOK zeigt, dass viele Lehrlinge ungesund leben. Von Franziska Hein

Auszubildende in Deutschland melden sich deutlich häufiger krank als ältere Arbeitnehmergruppen, fallen aber nicht so lange aus. Das hat eine neue Studie der Krankenkasse AOK ergeben. Die häufigsten Beschwerden waren demnach Atemwegserkrankungen. 1,4 Millionen Auszubildende gibt es in Deutschland, 60 Prozent von ihnen sind bei der AOK versichert. Ihnen widmete die Kasse einen Schwerpunkt in ihrem neuen Fehlzeitenreport, den die AOK gestern in Berlin vorstellte. Erstmals wurden 1300 Auszubildende dafür nach ihrem Gesundheitszustand gefragt.

Der Krankenstand der Azubis liegt bundesweit bei 4,3 Prozent, der aller AOK-Mitgliedern bei 5,2 Prozent. Das sei nicht überraschend, da mit zunehmendem Alter unter anderem chronische Erkrankungen zunähmen. Auszubildende seien im Schnitt zwar häufiger krank als ältere Menschen, aber nicht so lange, so die Autoren. In der Jugend lebe man risikoreicher als im Alter. Das zeige sich im Übrigen in der Studie besonders daran, dass Azubis wesentlich öfter kurzfristig erkältet seien als ältere Versicherte.

Die Unterschiede zwischen den Regionen sind groß: In Bayern ist der Krankenstand mit 3,4 Prozent am niedrigsten, in Berlin ist er mit 6,3 Prozent am höchsten. In Nordrhein-Westfalen bleiben die Azubis an 4,4 Prozent der Arbeitstagen im Jahr krank zu Hause.

Besorgniserregend ist laut AOK, dass sich schon früh gesundheitliche Probleme abzeichnen. Das Durchschnittsalter der bei der AOK versicherten Azubis beträgt 21 Jahre. Obwohl vier von fünf Azubis ihren allgemeinen Gesundheitszustand mit gut oder sehr gut bewerten würden, klagt mehr als die Hälfte über regelmäßige Kopf- oder Rückenschmerzen und Verspannungen. Ein Drittel der 1300 befragten Azubis gibt Anzeichen psychischer Belastung wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Schlafstörungen an.

Es zeigt sich, dass die Jugendlichen wenig auf ihre Gesundheit achten. Sie bewegen sich tendenziell zu wenig, ernähren sich ungesund, schlafen nicht genug, rauchen oder trinken regelmäßig Alkohol. Etwa 7,5 Stunden beschäftigen sich die Studienteilnehmer am Tag in ihrer Freizeit mit Smartphone, Computer oder Fernsehen. "Das hat uns überrascht und auch erschrocken", so die Autoren. Bereits jeder Fünfte verhält sich so, dass seine Gesundheit gefährdet ist. Die AOK rechnet dazu Menschen, die weniger als einmal im Monat Sport treiben oder mindestens einmal pro Woche übermäßig viel Alkohol trinken. Bei der Hälfte der Azubis führt das schon zu körperlichen und psychischen Beschwerden.

Der Gewerkschaftsbund meint, die hohen Krankenstände seien nicht nur Sache der Azubis. Auch die Arbeitgeber müssten sich an die Nase fassen. 40 Prozent aller Azubis müssten Überstunden leisten.

Quelle: RP
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