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Düsseldorf
In NRW ist Wuppertal die Hauptstadt der Schuldner

Düsseldorf. Zum dritten Mal in Folge ist die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland gestiegen. Das gilt auch für NRW. Besonders betroffen ist das Ruhrgebiet. Das haben aktuelle Untersuchungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ergeben. Sie veröffentlicht jährlich den Schuldneratlas und hat für 2016 eine bundesweite Überschuldungsquote von 10,6 Prozent gemessen. Das bedeutet, dass in Deutschland mehr als 6,8 Millionen Bürger über 18 Jahren überschuldet sind.

Im Ruhrgebiet zählen zu den Städten mit den höchsten Überschuldungsquoten Duisburg (16,64 Prozent), Dortmund (14,46), Essen (13,59),Gelsenkirchen (17,67) und Herne (17,61). Düsseldorf kommt auf 12,31 Prozent, Köln liegt bei 11,84 Prozent. Spitzenreiter im negativen Sinne ist Wuppertal (18,08).

Bei den über 70-Jährigen ist der Zuwachs mit 16,4 Prozent der stärkste in der aktuellen Statistik. Rund 174 000 Senioren in Deutschland werden als überschuldet eingestuft. Mit einer Quote von 1,3 Prozent ist der Anteil der Älteren im Vergleich zu anderen Altersgruppen zwar gering, doch Experten warnen vor einer deutlichen Zunahme der Altersarmut. "Der Trend ist eindeutig steigend", sagt Professorin Ute Klammer, Expertin für Altersarmut von der Uni Duisburg-Essen. Grund sei ein sinkendes Rentenniveau bei gleichzeitig steigenden Mieten.

Alarmierend ist auch, dass die Zahl jener steigt, die wegen Schulden bereits mit der Justiz zu tun haben, sprich insolvent oder wegen Zahlungsunfähigkeit vor Gericht gelandet sind. Ihre Zahl nahm in den vergangenen zwölf Monaten um 220.000 Fälle (plus 5,6 Prozent) zu. Die Zahl derer, die "nur"in Verzug gerieten, sank dagegen um rund 89.000 Fälle (minus 3,2 Prozent).

Insgesamt ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr um etwa 131.000 Personen (plus 1,9 Prozent) gestiegen. Nordrhein-Westfalen liegt im bundesweiten Vergleich auf dem vierten Platz mit einer Überschuldungsquote von 11,66 Prozent. Die Zahl der Überschuldeten ist hier auf 1,72 Millionen Menschen gestiegen. Das sind fast 160.000 mehr als 2004.

Noch deutlich schlechter als in NRW sieht es in Bremen (Überschuldungsquote 14,01 Prozent), Berlin und Sachsen-Anhalt (jeweils 12,74) aus - wobei die Zahlen in Bremen und Berlin rückläufig sind. Zugelegt hat hingegen Bayern. Das Bundesland hat zwar die wenigsten verschuldeten Bürger, aber die Zahl derer, die nicht mehr zahlungsfähig sind, stieg um über sieben Prozent.

(jeku/dpa)
 
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