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Kolumne Kurt Von Storch
Indexfonds sind etwas für Profis

Immer wieder gibt es Kritik an den Gebühren, die Fondsanleger zahlen müssen. Indexfonds kosten zwar weniger Geld, aber sie passen oft nicht zu den Zielen der Anleger. Wichtig: Fondsmanager müssen verstehen, worin sie investieren.

Düsseldorf Gebühren sind stets ein Thema für Anleger. Wer eine Dienstleistung bezahlt, erwartet eine Gegenleistung. Im Fondsgeschäft ist das wie in der Werkstatt, beim Friseur oder im Kino. Wer Gebühren für die Verwaltung seines Fonds bezahlt, darf zu Recht davon ausgehen, dass das investierte Geld möglichst rentierlich disponiert wird. Soweit die Theorie. In der Praxis gibt es aber immer wieder Kritik an der Gebührenhöhe. Viele Fonds seien zu teuer, weil sie nicht hielten, was sie versprächen, so der Vorwurf. Dazu einige Bemerkungen.

Das Angebot an Investmentfonds erscheint unüberschaubar groß. Genauso groß sind die Qualitätsunterschiede. Es gibt sehr gute, mittelmäßige und weniger gute Fonds - vorsichtig ausgedrückt. Die beiden letztgenannten sind der Grund dafür, dass die Kritik an den Gebühren stets aktuell ist. Warum einen teuren Aktien- oder Rentenfonds kaufen, wenn der ohnehin nicht besser abschneidet als der für ihn relevante Referenzindex? Warum also nicht gleich einen kostengünstigen Indexfonds (ETF) kaufen, der eben einen dieser Indizes abbildet?

Ich kann die Argumentation nachvollziehen. Die Frage, die sich mir dann aber stellt, ist die Frage nach Zielen und Erwartungen eines Anlegers. Indexfonds sind vor allem für erfahrene Investoren geeignet, die bestimmte Märkte oder Themen abbilden wollen und damit eine konkrete Markterwartung verbinden. Also für Investoren, die taktisch vorgehen und sich der Risiken genau bewusst sind. Wer davon ausgeht, dass sich der japanische Markt kräftig erholt, für den ist ein ETF, der den Topix abbildet, sicher ein gutes, obendrein kostengünstiges Instrument. Aber welcher Privatanleger hat so eine klare Meinung? Nicht viele.

Die meisten Anleger dürften zudem andere Anlageziele haben als Profis. In einer Welt ohne Zins die Kaufkraft des eigenen Vermögens zu erhalten oder langfristig überhaupt positive Renditen zu erwirtschaften. ETFs helfen dabei nur begrenzt; es gibt (noch) keine mit der Aufschrift "drei Prozent p.a." oder "1,5 Prozent nach Inflation und Steuern".

Für diese Anleger könnten aktiv gemanagte Mischfonds mit absoluter Renditestrategie ein gutes Instrument sein. Natürlich gibt es auch hierbei Qualitätsunterschiede. So sollte die Strategie möglichst flexibel und wenig regelgebunden sein. Es braucht ein "Weltbild" als Basis für eine möglichst treffende Einschätzung der Renditepotenziale einzelner Anlagen; Chancen und Risiken jedes Investments müssen stets aufs Neue abgewogen werden. Je besser sich die künftigen Erträge einer Anlage kalkulieren lassen, desto geringer ist das Risiko, nachhaltig Geld zu verlieren. Bei Aktien könnte das bedeuten, sich konsequent auf Qualitätstitel zu fokussieren.

Entscheidend für den Fondsmanager ist stets ein tiefes Verständnis der Anlagen, in die er investiert. Bei einem Aktienindexfonds ist das nicht nötig, da man zum Teil hunderte Unternehmen auf einen Schlag kauft - gute und weniger gute gleichermaßen. Eine Qualitätsauswahl findet nicht statt. Wenn sich der Index dann wie 2008/2009 halbiert, wird es für den Inhaber eines "anonymen" ETFs schwerer, standhaft zu bleiben und nicht panisch alles zu verkaufen, als mit einem Portfolio sorgfältig ausgesuchter Anlagen, in deren Werthaltigkeit man langfristig vertraut. Anders ausgedrückt: Sollte es an den Börsen das nächste Mal krachen, lässt es sich mit einem robust aufgestellten Portfolio weit besser schlafen als mit einem Indexfonds.

DER AUTOR IST GRÜNDER UND VORSTAND DER FLOSSBACH VON STORCH AG IN KÖLN.

Quelle: RP
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