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Essen
Innogy legt erfolgreiches Börsen-Debüt hin

Essen. Den Preis zahlt der Mutterkonzern RWE, der alle Problemgeschäfte behält. Die RWE-Aktie brach ein. Von Antje Höning

Aufatmen bei RWE: Deren Tochter Innogy ist erfolgreich an der Börse gestartet. Die Aktie begann gestern mit einem Kurs von 37,30 Euro. Damit lag die Erstnotiz über dem Ausgabepreis von 36 Euro. Seit Tagen hatten sich Anleger um die Aktie gerissen. RWE konnte daher seine Preisspanne voll ausreizen und die Aktien zum Maximalpreis anbieten. Innogy wird mit 20 Milliarden Euro bewertet und ist nun der wertvollste deutsche Energiekonzern, weit vor Eon und RWE. "Wir starten mit großem Vertrauen unserer Investoren", sagte RWE- und Innogy-Chef Peter Terium. "Wir werden die Chance nutzen, Energie neu zu denken."

RWE hat 25 Prozent der Innogy-Aktien an die Börse gebracht und hält nur noch 75 Prozent. Das Ganze hat fünf Milliarden Euro eingespielt: Drei Milliarden fließen dem angeschlagenen Mutterkonzern zu, zwei Milliarden gehen vor allem für Investitionszwecke an Innogy.

Der Champagner-Laune am Morgen folgte Ernüchterung. Die RWE-Aktie verlor zeitweise sechs Prozent und war größter Dax-Verlierer. Anleger schichteten von RWE in Innogy um, hieß es. Womöglich wird Investoren auch klar, dass sich an der grundlegenden Misere wenig geändert hat. Der Börsengang löse zwar die angespannte Finanzsituation von RWE auf, zugleich sei aber Tafelsilber teils abgegeben worden, erklärte Werner Eisenmann von der DZ Bank. Die Risiken der restlichen RWE-Geschäfte sollten nicht übersehen werden. Auch die Innogy-Aktie fiel später unter den Ausgabekurs. Der Preis sei zu hoch, sagte Analyst Ingo Becker. Er bewerte die Aktie mit 34 Euro.

Chancen und Risiken bei Innogy In die Tochter hat RWE die Bereiche Ökostrom, Netze und Vertrieb (23 Millionen Strom- und Gaskunden) sowie 40.000 Mitarbeiter abgespalten. Besonders die Netze haben es Anlegern angetan, hier locken wegen der staatlich regulierten Netzentgelte feste Renditen - in Zeiten von Nullzinsen ein Traum. Zudem hat Terium, der sich bald auf Innogy konzentrieren will, aus Sicht von Investoren alles Hässliche bei RWE gelassen: Innogy ist frei von Atomkraft und klimaschädlicher Braunkohle. Die klare Trennung ist ein Vorteil gegenüber dem Eon-Modell. Anders als bei Eon wurde zudem festgeschrieben, dass RWE der Innogy keine Konkurrenz machen darf. Schön für Innogy, schlecht für RWE.

Dennoch wachsen auch bei Innogy die Bäume nicht in den Himmel. Der Staat dürfte im Oktober die Netzentgelte senken. Beim Ökostrom sind die Goldgräberzeiten vorbei. Vor allem beim Windstrom, um dessen Erzeugung Versorger nun in Auktionen konkurrieren, fallen die Renditen. Und das Vertriebsgeschäft, das noch von trägen Kunden lebt, bekommt Druck.

Chancen und Risiken bei RWE Dem Mutterkonzern bleiben 18.000 Mitarbeiter, die Kohle- und Gaskraftwerke, von denen viele wegen des niedrigen Börsenstrompreises unrentabel sind, und die Abwicklung der Atomkraft. Immerhin kann RWE sich auf die hohe Innogy-Dividende freuen. Zudem hat die Mutter durch die Milliarden aus dem Börsengang finanziellen Spielraum gewonnen.

Doch das wird kaum reichen, um die vom Staat geforderten Summen zur Endlagerung des Atommülls und die Altlasten der Braunkohle zu stemmen. In Konzernkreisen zweifelt man bereits, ob RWE sein Versprechen, Mehrheitsaktionär von Innogy zu bleiben, auf Dauer halten kann. Der künftige RWE-Chef Rolf Martin Schmitz könnte gezwungen sein, noch mehr Tafelsilber abzugeben. Daneben fordert RWE staatlich organisierte Hilfe für seine Kraftwerke. "Terium macht sich mit der schönen Tochter davon und stellt RWE dem Staat auf den Hof", heißt es im Konzern. Greenpeace formuliert es so: "RWE ist nun noch weniger attraktiv, die Steuerzahler müssen fürchten, dass RWE seine Verpflichtungen nicht mehr alleine stemmen kann."

Quelle: RP
 
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