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Berlin
Teuer und unsicher - digitale Stromzähler sind umstritten

Intelligente Stromzähler sind umstritten, da teuer und unsicher
FOTO: dpa, mjh htf kat axs
Berlin. Ab 2017 wird der Einbau von intelligenten Zählern für Großkunden Pflicht. Für Privathaushalte lohnen sie oft nicht.

Die Energiewende wird digital: Mit der Einführung intelligenter Stromzähler sollen Verbraucher langfristig Geld sparen. Doch für private Kunden lohnt es sich noch nicht, wie aus dem Gesetzentwurf von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hervorgeht.

Was bringen clevere Stromzähler? Als erster Schritt werden die alten schwarzen Kästen durch intelligente Stromzähler mit Display ersetzt, die zum "Smart Meter Gateway" umgerüstet werden können. Damit kann der Energieverbrauch gesteuert werden: Wenn das Angebot an Ökostrom groß ist, schalten Haushalte günstig ihre Waschmaschinen ein. Tankstellen für Elektroautos oder Nachtspeicher-Heizungen können als Energiespeicher dienen. Verbraucher sollen durch günstige Stromtarife für ihre Flexibilität belohnt werden.

Wird der Einbau Pflicht? Für den Normalverbraucher (unter 6000 Kilowattstunden pro Jahr) gibt es keinen Zwang. Er kann sich ab 2020 freiwillig für Smart Meter entscheiden. Eine Einbaupflicht greift ab 2017 für große Stromkunden in der Wirtschaft, die mehr als 20.000 Kilowattstunden verbrauchen. Auch Betreiber von Ökostromanlagen mit über sieben Kilowatt Leistung sind davon betroffen. Die EU hat das Ziel, dass 80 Prozent der Verbraucher intelligente Zähler bekommen.

Rechnen sich Smart Meter? Wegen der Kosten für Einbau und Betrieb für den Einzelnen kaum - es sei denn, in einem Mehrfamilienhaus wollen alle die neue Technik. Die Energiekonzerne können Verbrauchern für Einbau, Wartung und das Ablesen der Geräte bis zu 100 Euro im Jahr in Rechnung stellen. Je nach Verbrauch gibt es im Gesetz gestaffelte Kostenobergrenzen. Normale Kunden dürfen mit bis zu 40 Euro brutto pro Jahr zur Kasse gebeten werden, bei einer kalkulierten Ersparnis von um die 20 Euro durch intelligente Steuerung.

Droht der gläserne Stromkunde? Mancher fürchtet, dass er über den digitale Zähler ausgespäht wird: Wann schalte ich den Fernseher ein, wann läuft im Bad der Fön? Dem Markt der vernetzten Elektrogeräte gehört die Zukunft. Einer der führenden Anbieter hier ist der US-Konzern Nest und für ihn zahlte Google 3,2 Milliarden Dollar. Gabriel ist zuversichtlich, dass Datenschutz bei Smart Metern gewährleistet ist: "Die Frage, wann macht Sigmar Gabriel nachts die Kühlschranktür auf, wird nicht möglich sein. Diese fehlerhafte Lebensweise von mir wird im Dunkeln bleiben."

(dpa)
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