kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Briten sorgen sich um uns - und ihren eigenen Wohlstand: "Ist die Deutschland AG kaputt?"

zuletzt aktualisiert: 03.06.2003 - 10:41

London (rpo). Noch vor fünf Jahren ging ein Aufschrei durch England, als die Traditionsmarken Bentley und Rolls-Royce durch deutsche Autobauer übernommen wurden. Inzwischen machen sich die Briten Sorgen darüber, dass ein Niedergang der Wirtschaftsnation Deutschland auch ihren Wohlstand beeinträchtigen könnte. "Ist die Deutschland AG kaputt?" fragt der "Economist".

Die Zeit heilt alle Wunden. Vor fünf Jahren fürchteten patriotische Engländer noch um die kulturelle Identität ihres Landes, als die Nationalheiligtümer Rolls-Royce und Bentley in deutsche Hände übergingen. Heute fährt Prinz Charles Audi, und die Queen ließ sich zum Goldenen Thronjubiläum von VW eine Bentley- Sonderausfertigung schenken.

Es war am 5. Juni 1998, als eine außerordentliche Hauptversammlung des britischen Vickers-Konzerns der Übernahme von Bentley und Rolls- Royce durch VW zustimmte. Knapp zwei Monate später zeigte sich dann, dass es dem Konkurrenten BMW gelungen war, sich die Namensrechte für Rolls-Royce ab 2003 zu sichern.

Nun baut VW also Bentleys und "die in Bayern gezüchtete Bulldogge BMW" (The Independent) den "Volks-Royce" (Times) mit der geflügelten Silberlady über dem Kühlergrill. Die beiden deutschen Firmen haben eines gemeinsam: Ihre Sprecher überbieten sich geradezu darin zu betonen, dass die Limousinen weiter rein englische Autos sind - in England und von Engländern gebaut.

Hofprotokoll nicht geläufig

Manchmal allerdings merkt man doch, dass da jetzt ein paar Ortsfremde mitmischen, denen das Hofprotokoll noch nicht ganz geläufig ist. So wurde die Queen in einer deutschsprachigen Pressemitteilung aus dem Hause VW glatt als "Königliche Hoheit" bezeichnet: Wenn schon so förmlich, dann wäre "Ihre Majestät" der einzig korrekte Titel gewesen. Aber darüber sieht die einheimische Belegschaft auch hinweg, zumal sie jetzt Firmenwagen bekommt: "Nein, keinen von diesen", schränkte ein Arbeiter aus dem Bentley-Werk in der "Sunday Times" ein. "Einen VW Golf."

Gegen Übernahmen durch Deutsche haben die Briten traditionell gewisse Vorbehalte. "Im Krieg konnten sie uns nicht einkassieren - warum lässt man sie jetzt gewähren?" klagte die "Sun" 1998 über den "Verrat" an Rolls-Royce. "In 50 Jahren wird den Deutschen die halbe Welt gehören", zitierte der "Guardian" einen Arbeiter. Doch eineinhalb Jahre später bekamen die Briten ihre Chance zur Revanche, als der Mobilfunkgigant Vodafone die feindliche Übernahme von Mannesmann in Angriff nahm. "Eine erfrischende Veränderung", fand selbst der linke "Observer". Rache ist süß.

Mannesmann war nur der Anfang

Und Mannesmann war nur der Anfang. So wie England seinen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Deutschland im Fußball durch den 5:1-Sieg von 2001 überwunden hat, so fühlt sich die britische Wirtschaft inzwischen auch nicht mehr zweitklassig. Der Finanzplatz Frankfurt hat der Londoner City auch nach der Einführung des Euro nicht ernsthaft Konkurrenz machen können. Und die Zuwachsraten für Großbritannien sind jedes Jahr deutlich höher als im früher so beneideten "Wirtschaftswunderland".

Mittlerweile machen sich die Briten schon Sorgen darüber, dass ein Niedergang der Wirtschaftsnation Deutschland auch ihren Wohlstand beeinträchtigen könnte. "Ist die Deutschland AG kaputt?" fragt der "Economist". "Deutschland hat die englische Krankheit importiert", spöttelt die "Financial Times". Und die "Sunday Times" analysiert - wohl nicht ohne Schadenfreude: "Vor zehn Jahren machte sich Margaret Thatcher noch Sorgen, dass ein vereinigtes Deutschland eine solche Wirtschaftskraft entfalten könnte, dass es Europa politisch und wirtschaftlich dominieren würde. Es ist ganz anders gekommen."

Viele im Königreich glauben, dass die Deutschen ihr "rheinisches Konsensmodell" früher oder später auslaufen lassen und dafür den aggressiveren angelsächsischen Kapitalismus nach Thatcher-Manier übernehmen müssen. Englische Medizin für den "deutschen Patienten" - das wäre der größte Triumph des einstigen Underdog.


 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Ackermann mahnt Nachfolger zur Vorsicht

Deutsche-Bank-Hauptversammlung

Ackermann mahnt Nachfolger zur Vorsicht

Der scheidende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat sich nach zehn Jahren mit einer persönlichen Bilanz von den Aktionären verabschiedet ... mehr 

Elbphilharmonie: Stadt und Hochtief vor Einigung

Hamburgs bekannteste Baustelle

Elbphilharmonie: Stadt und Hochtief vor Einigung

Im Streit um die Elbphilharmonie stehen die Stadt Hamburg und der Baukonzern Hochtief offenbar kurz vor einer Einigung. Nach sieben Monaten ... mehr 

Mehr Wirtschaft
Aus der Region

Deutsche-Bank-Hauptversammlung

Ackermann mahnt Nachfolger zur Vorsicht

Hamburgs bekannteste Baustelle

Elbphilharmonie: Stadt und Hochtief vor Einigung

Rückgang geringer als üblich

Deutsche Arbeitslosenzahl im Mai gesunken

Rund 340 Arbeitsplätze betroffen

ThyssenKrupp schließt Werk in Düsseldorf

Abschreckende Wirkung

Mit Pollern gegen Falschabbieger

Überfall am Stoffelner Friedhof

"Wie ein Überfall in der Kirche"

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Kurios: Flugzeuge verhaken sich ineinander

Auf dem Chicagoer Flughafen sind sich zwei sehr ungleiche Flugzeuge ins Gehege gekommen. Eine Boeing 747 wollte sich auf den Weg machen, als ... mehr 

Top-Services
 
Anzeige:
Weitere Videos unter www.nrw-business.tv
Politik-Nachrichten

Umstrittene Aussage über den Islam

Gauck distanziert sich von Wulff

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich von der Einschätzung seines Vorgängers Christian Wulff distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. Die Absicht dieses Satzes akzeptiere er, würde ihn aber anders formulieren sagte Gauck in einem Interview. mehr

 

Pyrotechnik in Fußball-Stadien

Jäger will notfalls Vereine zur Kasse bitten

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) will angesichts zunehmender Probleme mit Bengalischen Feuern in Fußballstadien notfalls die Vereine zur Kasse bitten. mehr

 

Bundesinnenminister Friedrich im Interview

Deutschland schickt 30 Polizeibeamte zur EM

 

Umweltminister sorgt für Irritationen im Netz

Altmaier lobt Vorgänger und vergisst Röttgen

 

Referendum über europäischen Fiskalpakt

Europa fürchtet ein irisches Nein

 

Ingenieur im Januar verschleppt

In Nigeria entführter Deutscher getötet

 

Wegen Vorratsdatenspeicherung

EU-Kommission verklagt Deutschland

 
Strom-Rechner

kWh
vergleichen