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Düsseldorf
Jedes fünfte Haushaltsgerät verbraucht zu viel Strom

Düsseldorf. Energieausweise sollen es Verbrauchern einfacher machen, stromsparende Haushaltsgeräte zu kaufen. Doch nicht immer ist den Angaben zu trauen. Von Beate Wyglenda

Nicht nur der Preis, auch die Energieeffizienz von Haushaltsgeräten ist für umweltbewusste Verbraucher ein wichtiges Kaufkriterium. Energieausweise sollen bei der Auswahl helfen. Doch gerade bei den Angaben zum Verbrauch scheinen es viele Hersteller nicht so genau zu nehmen, wie eine Studie im Auftrag von 16 europäischen Umwelt- und Verbraucherverbänden ergab. Demnach frisst jedes fünfte Haushaltsgerät mehr Energie als auf der Packung ausgewiesen. "Einige benötigen bis zu 30 Prozent mehr Strom als angegeben", sagt Johanna Kardel vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV).

Auf den ersten Blick sind es nur kleine Ungenauigkeiten: Der Kühl- und Gefrierschrank S53530 CNX2 von AEG beispielsweise verbraucht laut Studie statt 161 Kilowattstunden 180 kWh im Jahr. Die Mehrkosten betragen dabei jährlich 3,63 Euro. Der Fernseher Reflexion LDD-197 ist eben nicht der Energieklasse A zuzuordnen, sondern verursacht als B-Klasse-Gerät 1,21 Euro Extrakosten im Jahr. Und auch der Rowenta Staubsauger RO6673EA braucht mehr Strom als vom Hersteller angegeben und erhöht die Stromrechnung um 59 Cent.

Kleckerbeträge, mag mancher meinen. Doch die Liste der fehlerhaft gekennzeichneten Produkte ist lang. Von den 100 getesteten Haushaltsgeräten hielten 18 nicht die EU-Effizienzvorgaben ein, so die Studie. Zählt man die entsprechenden Geräte zusammen und rechnet sich die Mehrkosten auf die erwartete Lebensdauer hoch, ergeben sich schnell dreistellige Summen. "Durch die schrittweise Umsetzung neuer, seit 2015 greifender Ökostandards und der EU-Energieverbrauchs-Kennzeichnung könnte jeder Haushalt in der EU ab 2020 jährlich durchschnittlich 465 Euro Stromkosten sparen", sagt Energieexperte Robert Pöschmann vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Voraussetzung wäre, dass Haushaltsgeräte mindestens die Effizienz erreichen, mit der die Hersteller werben. Derzeit jedoch gehen laut Angaben der Verbraucherschützer privaten Haushalten EU-weit durch nichtkonforme Produkte oder falsche Kennzeichnung Jahr für Jahr mehr als zehn Milliarden Euro an möglichen Einsparungen verloren.

Insbesondere bei vernetzten Geräten, also denjenigen mit W-Lan-Funktion wie Smart-TVs, sowie beim Standby-Verbrauch wurden erhebliche Abweichungen zu den Herstellerangaben festgestellt. So war der Standby-Verbrauch bei drei getesteten Digitalradios doppelt bis dreifach so hoch wie deklariert. Bei einem vernetzten Wasserkocher ließ sich das W-Lan entgegen den Angaben nicht abschalten. "Der Verbraucher wird damit an der Nase herumgeführt. Es wird unnötig Geld und Energie verbraucht und das Klima belastet", kritisiert Pöschmann.

Die Hersteller wehren sich allerdings gegen Vorwürfe der bewussten Falschangaben. Aus dem Hause Electrolux, das die Rechte an der Marke AEG hat, heißt es: Man habe als verantwortungsvolles Unternehmen den Anspruch, die Energieeffizienz von Produkten kontinuierlich zu verbessern. "Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, halten wir uns an alle geltenden Vorschriften hinsichtlich Angaben zur Energieeffizienz und arbeiten eng mit den zuständigen Gremien zusammen. Sollten wir dennoch auf Unregelmäßigkeiten bei Testverfahren stoßen, suchen wir die Ursache und beheben diese umgehend." Gorenje hat nach den Testergebnissen bereits bei seiner Waschmaschine WA70129 nachgebessert und den Verbrauch im Schleudergang reduziert.

Übrigens: Es gibt auch positive Resultate. So haben fünf von 29 Waschmaschinen bessere Energieverbrauchswerte erzielt als von den Herstellern angegeben.

Quelle: RP
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